Bielefeld Niedergang der Bielefelder Modebranche

Der Windsor-Weggang und die Auswirkungen auf den Designernachwuchs

Bielefeld. Der Rückzug der Modemarke Windsor aus Bielefeld hat auch innerhalb der Fachhochschule Bestürzung ausgelöst. Betroffen sind vor allem Studenten des Fachbereichs Gestaltung. Sie müssen auf den Hauptsponsor ihrer Modenschau verzichten. Die Anbindung an die Modeindustrie in der Region und vor allem in Bielefeld ist für Studenten und Lehrende der FH von großer Bedeutung, erläutert Dozent Kai Dünhölter. "Windsor hat unter anderem unsere Magazine finanziert." Auch gab es in der Vergangenheit unterschiedliche Projekte mit den Studenten. Dass künftig Praktikumsplätze für angehende Designer bei dieser international bekannten Modemarke entfallen, bedauert Dünhölter besonders. "Windsor war ein interessanter und anspruchsvoller Arbeitgeber." Die Stadt Bielefeld hätte den Weggang des Unternehmens Mitte nächsten Jahres sicher nicht verhindern können, ist er überzeugt. "In diesem Punkt kann man niemandem einen Vorwurf machen." Allerdings vermisse er bis heute, dass Bielefeld als Standort bekannter Modemarken dieses Alleinstellungsmerkmal nie erkannt hat.Niedergang setzte in den 90ern ein Sieben Jahre lehrt Dünhölter an der FH. In diesem Zeitraum gab es tiefgreifende Veränderungen in der lokalen Textilbranche: Die Seidensticker- Tochter Jobis, das Label Verse, Flick aktuell mit den Töchtern Gaddis, Gili’s und Scarabäus und eben auch Windsor garantierten jahrzehntelang sichere Arbeitsplätze. Der Niedergang der Modebranche setzte in den 90er Jahren ein. Ausländische Investoren übernahmen das in Brackwede ansässige Unternehmen Flick aktuell. Andere Firmen, die sich auf dem internationalen Markt künftig behaupten wollten, verlegten Produktionsstätten nach Asien, darunter auch Seidensticker. 108 Arbeitnehmer standen nach der Jobis-Insolvenz 2008 auf der Straße. Die Marke war 1946 von Berlin nach Bielefeld gekommen und 1970 in den Besitz von Seidensticker.Insolvenz von Verse Unter der Obhut des Bielefelder Hemdenherstellers prägten zunächst teure Mantel- und Pelzkollektionen das Profil der Unternehmenstochter. Noch kurz vor der Insolvenz hatte ein niederländisches Unternehmen Jobis übernommen. Ein Jahr später war Bielefeld um ein weiteres Modeunternehmen ärmer: Verse meldete Insolvenz an. Das an der Apfelstraße ansässige Unternehmen wurde 1925 gegründet und machte sich vor allem als Blusenspezialist einen Namen. Später erweiterte der Damenmodehersteller seine Produktpalette um eine zweite Linie aus Hosen, Röcken und Jacken. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von 30 Millionen Euro. Betroffen waren gut 110 Mitarbeiter, viele von ihnen hatten 30 Jahre und länger bei Verse gearbeitet. Trotz ihrer unterschiedlichen modischen Ausrichtung war diesen Marken eins gemeinsam: Sie hatten sich in einem Marktsegment positioniert, das heute nur noch selten anzutreffen ist. Kai Dünhölter erläutert das: "Die Billig- Anbieter und die hochwertigen Designerlabels teilen den Markt nahezu allein unter sich auf."Zeit des Umbruchs Doch der Dozent sagt auch eine Zeit des Umbruchs voraus. Das Bemühen um Nachhaltigkeit und Individualisierung sei auch in der Mode erkennbar, vor allem bei den Nachwuchsdesignern. Eine Reihe seiner Absolventen sind bei bekannten Modehäusern in Paris und London untergekommen. "Aber zu harten Bedingungen." Irgendwann käme dieser Designernachwuchs nach Deutschland zurück, sagt Dünhölter voraus. Aber wenn hierzulande die Unternehmen nicht funktionierten, ähnlich wie bei Windsor, dann sei das ein Problem.

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