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Die Teilnehmer der Rallye erleben auch so exotische Orte wie die Ruinen von Palmyra in der syrischen Wüste. Wegen des Krieges wird in diesem Jahr um dieses Land jedoch ein großer Bogen gemacht. - © FOTO: ALLGÄU-ORIENT-RALLYE
Die Teilnehmer der Rallye erleben auch so exotische Orte wie die Ruinen von Palmyra in der syrischen Wüste. Wegen des Krieges wird in diesem Jahr um dieses Land jedoch ein großer Bogen gemacht. | © FOTO: ALLGÄU-ORIENT-RALLYE

Brackwede Ein Kamel für Olderdissen

Sechs junge Bielefelder suchen das Abenteuer für den guten Zweck

29.08.2014 | Stand 29.08.2014, 22:03 Uhr

Brackwede. Sie sind im positiven Sinne verrückt, die beiden Brackwederinnen Lara Bohr und Elisabeth Monkenbusch. Sie werden an einer Rallye teilnehmen, die wahrlich nichts für Weicheier ist. In nur drei Wochen in einem alten Auto von Deutschland nach Jordanien, genauer gesagt von Oberstaufen im Allgäu nach Amman. Rund 8.000 Kilometer. Und alles darf nur wenig bis gar nichts kosten. Umso mehr Spenden sollen indes bei der 10. Allgäu-Orient-Rallye für soziale Projekte rumkommen. Unterwegs und in Jordanien.

Lara und Elisabeth haben einen Faible für Road-Trips, und es macht ihnen nichts aus, unterwegs im Auto zu schlafen. Die 25-jährige Studentin und die 23-jährige Eventmanagerin sind zusammen in Brackwede aufgewachsen und dicke Freundinnen. "Im vergangenen Jahr haben wir von der Allgäu-Orient-Rallye gehört, ein Video darüber gesehen und waren sofort Feuer und Flamme", erzählt Elisabeth Monkenbusch.

Information

Spielregeln der Allgäu-Orient-Rallye

Autos müssen mindesten 20 Jahre alt sein oder nicht mehr wert als 1111,11 Euro.

Ein Team besteht aus sechs Personen und drei Autos.

Das gesamte Team muss mit mindestens einem Auto am Zielort Amman ankommen.

Übernachtet werden darf nur im Auto, im Freien oder in Unterkünften, die nicht mehr als 11,11 Euro die Nacht kosten dürfen.

Navis sind verboten, ebenso Autobahnen und Fähren (wenige Ausnahmen).

Etappenorte müssen angefahren werden, um dort Sonderaufgaben zu erledigen, die im Roadbook stehen.⋌(SL)

Nach Angaben der Organisatoren hat sich die Allgäu-Orient-Rallye mittlerweile zur größten Rallye der Welt gemausert. Das betrifft die Teilnehmerzahl und die gefahrenen Kilometer. "Die 111. Startplätze für 2015 waren in nur drei Minuten weg", erinnert sich Elisabeth Monkenbusch, die extra für die Online-Anmeldung um 3.33 Uhr aufgestanden ist. Es fällt auf, Schnapszahlen sind wichtig bei der Allgäu-Orient-Rallye.

Startplatz 84 haben die Brackwederinnen erwischt. Daher heißt ihr Team auch "Ranger Racing 84 Team". Anschließend haben die beiden toughen Mädels vier Jungs gefunden, die das Abenteuer im Mai/Juni 2015 mitmachen wollen. Jetzt fehlen ihnen nur noch die Autos und einiges andere mehr. "Wir hoffen auf Sponsoren, die uns drei alte Wagen zur Verfügung stellen", sagt Lara Bohr.

Denn die Autos, respektive ihre einzelnen Teile, kommen einem sozialen Zweck zugute. Mit Grenzübertritt gehen sie in den Besitz einer gemeinnützigen königlich-jordanischen Organisation über. Der Verkaufserlös der Ersatzteile fließt in jordanische Hilfsprojekte. So ist in neun Jahren beispielsweise eine Käserei entstanden, ein Wasserlabor an einer Universität eingerichtet worden, mehr als 1.100 hörgeschädigte Kinder bekamen Hörgeräte, junge Beduinen erhielten Stipendien, Rollstühle, Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen wurden angeschafft . . . die Millionengrenze ist schon weit überschritten. Dazu kommen noch unzählige zusätzliche Hilfsaktionen der einzelnen Rallyeteams unterwegs.

"Wir wissen schon jetzt", erzählt Elisabeth Monkenbusch, "dass wir einen Baum mitnehmen und in Istanbul pflanzen müssen." Dort hat die Stadt der Allgäu-Orient-Rallye für 49 Jahre kostenlos ein Grundstück im asiatischen Teil überlassen. Dort entsteht ein Jugendbegegnungshaus, sollen 300 Bäume gepflanzt werden. Im Roadbook, das jedes Team erhält, werden Sonderaufgaben enthalten sein, die einerseits Spaß machen, andererseits oft Hilfe zur Selbsthilfe sind. So mussten die Teams 2011 Nähmaschinen mitnehmen, mit denen drei Frauenarbeitsschulen in Anatolien ausgestattet wurden. Die Brackwederinnen sind schon gespannt darauf, was noch von ihnen erwartet wird.

Jetzt hoffen sie erst einmal auf Geld- und Sachspenden. "Gerne pflastern wir unsere Autos auch mit den Logos und Namen unserer Unterstützer", sagt Lara Bohr. Das Bielefelder Team hat extra eine Homepage eingerichtet, wo sich Interessierte informieren können (www.ranger-racing.com). "Sollten sich bis Dezember nicht genügend Unterstützer finden, müssten wir unseren Startplatz zurück geben", sagt Elisabeth. Aber ihre Augen funkeln: "Wir schaffen das!"

Wenn es klappt, können Freunde, Förderer und Fans ihre Reise im Internet verfolgen. Jeder Wagen wird mit GPS-Tracker ausgestattet. Und als Gewinn wartet in Jordanien ein Kamel. "Es wäre toll, das für Olderdissen mitzubringen", sagt Lara und lacht. Aber erfahrungsgemäß klappt es mit der Ausfuhrgenehmigung nicht, und das Gewinn-Kamel wurde bisher immer einem jungen Beduinen geschenkt. Ganz im Sinne der Charity-Rallye.

www.allgaeu-orient.de

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