Bielefeld. "Mein Körper ist 18, aber ich fühle mich wie 35", sagt der Irak-Flüchtling Barkat. Vor zwei Jahren kam er ganz allein, ohne seine Familie, nach Deutschland und wurde in Bielefeld im sogenannten "Clearinghaus" der AWO aufgenommen.
Wie sie hier angekommen sind, warum sie ihr Heimatland und ihre Familien verlassen haben, wovon sie träumen, welche Ängste und Sorgen sie haben, welche Gedanken sie beschäftigen und welche Hürden sie nehmen müssen, erzählen Barkat und andere minderjährige Flüchtlinge jetzt in einem Film mit dem Titel "Respekt". Den haben sie zusammen mit dem Team von Kanal 21 gedreht, ein Projekt der "Jump"-Initiative (Jugend, Medien, Partizipation).
Die "Zentrale Ausländerbehörde" als erste Anlaufstelle, die Altersfeststellung, die maßgeblich über ihr weiteres Schicksal entscheidet, und überall und immer wieder die gleichen, vielen, oft schwer zu verstehenden Fragen: Gemeinsam haben die Jugendlichen Figuren und Geschichten entwickelt, gezeichnet und Animationen erstellt. Und zeigen so, was sie nach ihrer Ankunft hier bei uns zu bewältigen haben.
Ein erster wichtiger Schritt ist die Anerkennung als Minderjähriger. Das gestalte sich allerdings oft schwierig. Häufig würden sie älter eingeschätzt als sie wirklich sind. Sehr unangenehm und befremdlich sei, dass man sich bei der Untersuchung komplett ausziehen müsse, berichtet Michael. Der Siebzehnjährige ist Muslim, kommt aus dem Senegal und ist seit fünf Monaten in Bielefeld. Er spielt beim VfB Fichte Fußball.
Wie viele seiner Mitbewohner im Clearinghaus hat er seit seiner Flucht nichts mehr von seiner Familie gehört.
Im Haus der AWO sind erst einmal die Grundbedürfnisse gesichert, berichten die jungen Männer: Essen, Schlafen, Duschen, Fußballspielen. Sie bekommen Sprachunterricht und Unterstützung bei ihrer Zukunftsplanung.
Barkat träumt davon, Kunst zu studieren. "Seit meiner Kindheit war bei uns immer Krieg, das wird sich nicht ändern. Man darf vieles nicht, zum Beispiel wählen", sagt er. Und auch die Religion habe in seiner Heimat keine Freiheit.
Wenn die Jungs 18 Jahre alt sind, müssen sie das Clearinghaus verlassen. Ihre Zukunft ist immer noch ungewiss, viele Fragen sind offen. Wie es genau weiter gehen wird, wissen die jungen Männer auch nach Monaten noch nicht.
Ferhad (18) ist gerade in eine eigene kleine Wohnung gezogen. Es sei für ihn sehr schwierig gewesen, einen Vermieter zu finden, der ihn nimmt. Jetzt möchte er erst einmal seinen Hauptschulabschluss machen. "Und dann mal schauen", sagt er. Zu sehen ist der Film online auf der Internetseite www.nrwision.de/programm/sendungen/ansehen/respekt-das-clearing.