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Bielefeld

Entsetzen über Hass-Tiraden gegen Juden

Mitorganisator der Gaza-Demonstration am Sonntag hetzt im Internet / Kritik von Religionsverbänden

VON DENNIS ROTHER
24.07.2014 | Stand 24.07.2014, 13:05 Uhr |
Bielefelder hetzt im

Internet gegen Juden - © Bielefeld
Bielefelder hetzt im
Internet gegen Juden | © Bielefeld

Bielefeld. Am Mikrofon kritisierte er Israel während der Gaza-Demonstration bereits scharf. Im Internet äußert sich Elias B., der Mitorganisator des Protestmarschs am Sonntag, noch deutlicher. Juden überschüttet er mit Hasstiraden, israelischen Kindern wünscht er den Tod. Das Bündnis Islamischer Gemeinden ist entsetzt und distanziert sich. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft will einen Anwalt einschalten.

Die Hetzkommentare stehen auf einer Facebook-Seite, die augenscheinlich Elias B. zugeordnet werden kann. Je stärker der gewaltsame Konflikt in Palästina zuletzt in den Blick der Öffentlichkeit rückte, desto israel- und judenfeindlicher wurden die Mitteilungen des 20-Jährigen. Sogar den Dritten Weltkrieg sehnt er herbei. B. selbst, der ursprünglich aus Marokko stammt, war für Anfragen der NW nicht zu erreichen. Melik Y., Mitorganisator der Demo, sagte aber: "Ich finde die Kommentare gut und richtig."

Umso kritischer zeigte sich dagegen das Bündnis Islamischer Gemeinden in Bielefeld (BIG). Für den Dachverband der Moscheevereine, der nach eigenen Angaben rund 50.000 Muslime repräsentiert, sagte Vorstand Cemil Sahinöz: "Wir verurteilen die Kommentare auf das Schärfste." Derartiger Extremismus sei in keiner Weise stellvertretend für Muslime in der Stadt. Die Veranstalter seien ihm ohnehin suspekt gewesen. "Wir kannten sie überhaupt nicht", so der 32-jährige Soziologe und Autor.

Mitgliedern der Moscheen habe die BIG daher vorab geraten, nicht zu der Demonstration zu gehen, "denn die Lage vor Ort war von uns nicht einzuschätzen."

Welchem Kulturverein Elias B. angehört, konnte Sahinöz nicht sagen. Gewaltverherrlichend zeigte sich B. aber offenbar nur im Internet. Der Protestmarsch mit rund 500 Teilnehmern, den er mit anführte, blieb friedlich. Dazu hatte B. per Mikrofon zu Beginn auf dem Kesselbrink auch explizit aufgerufen.

Wegen der Facebook-Kommentare prüft jetzt der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Dirk Ukena, rechtliche Schritte. Wenn strafrechtliche Tatbestände – etwa Volksverhetzung – wegen der "erschreckenden, antisemitischen Aussagen" erfüllt seien, werde er nach Absprache mit dem Bundesverband Anzeige erstatten, so Ukena.

Elias B. (Mitte) sprach vor dem Hauptbahnhof zu den Demonstranten. Während des Protestzuges äußerte er sich nicht antisemitisch. - © FOTO: CHRISTIAN MATHIESEN
Elias B. (Mitte) sprach vor dem Hauptbahnhof zu den Demonstranten. Während des Protestzuges äußerte er sich nicht antisemitisch. | © FOTO: CHRISTIAN MATHIESEN

Während viele jüdische Verbände über zunehmend antisemitische Töne in der Gesellschaft klagen, sehen sich die Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld noch keiner aggressiven Grundstimmung ausgesetzt. Das sagte die Vorsitzende Irith Michelsohn.

Ernstzunehmende Zwischenfälle habe es aber gegeben. Am Freitag wurden offenbar während des Gottesdienstes Zettel mit der Aufschrift ,Kindermörder Israel’ in den Briefkasten der Synagoge Beit Tikwa gesteckt, so Michelsohn. "Wir haben den Staatsschutz kontaktiert." Dort wird erst einmal geprüft, ob eine derartige Aufschrift Ermittlungen notwendig macht, sagte ein Polizeisprecher.

Die Schmährufe der Demonstranten gegen Israel, die auch in Bielefeld zu hören waren, empfindet Michelsohn als beängstigend – "besonders für osteuropäische Juden, die vor kurzem erst nach Deutschland gezogen sind." Laut Michelsohn ist es derzeit "vielleicht nicht besonders schlau", sich mit Davidstern oder Kippa – der Kopfbedeckung männlicher Juden – öffentlich auf der Straße zu zeigen.

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