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Während der Schweigeminute für die Opfer terroristischer und religiös motivierter Gewalt hielten Tausende ihre Lichter, Handys und Kerzen in die Höhe. - © Foto: Andreas Zobe
Während der Schweigeminute für die Opfer terroristischer und religiös motivierter Gewalt hielten Tausende ihre Lichter, Handys und Kerzen in die Höhe. | © Foto: Andreas Zobe

Bielefeld Demo gegen Gewalt in Palästina

Hass-Parolen gegen Israel skandiert / Kritik von Deutsch-Israelischer Gesellschaft

VON DENNIS ROTHER
22.07.2014 | Stand 24.07.2014, 09:44 Uhr

Bielefeld. Rund 500 Menschen haben am Sonntag in der Innenstadt gegen die israelische Militäroffensive in Palästina demonstriert. Sie forderten Frieden – mit Hass-Parolen gegen den jüdischen Staat. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisierte die einseitigen Schuldzuweisungen. Die Lage blieb während des Protestmarsches friedlich.

Es war bereits die zweite Anti-Israel-Demonstration in wenigen Tagen. Am Freitag waren bereits Hunderte durch die Stadt gezogen. Wegen der Dauerkrise im Nahen Osten, die vor einigen Wochen durch die Entführung von jüdischen Jugendlichen neu angeheizt wurde, gingen zuletzt bundesweit Tausende auf die Straßen, um Druck auf die internationale Politik zu machen. In Frankfurt kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Polizisten wurden mit Steinen und Gegenständen beworfen.

Ganz anders in Bielefeld: "Keine Zwischenfälle", hieß es von der Polizei. Am Samstagabend war bei den Beamten noch ein Antrag für eine Gegendemonstration eingegangen. Der wurde aber am frühen Sonntagmorgen zurückgezogen.

Organisiert wurden die beiden Bielefelder Anti-Israel-Märsche unabhängig voneinander, die Kommunikation lief großteils über das soziale Netzwerk Facebook. Am Sonntag schlängelte sich die Demo, umrahmt von Einsatzkräften der Polizei, vom Kesselbrink über den Jahnplatz bis zum Bahnhof, ehe es über die Herforder und August-Bebel-Straße ging. Die Menschen schwenkten palästinensische und türkische Fahnen.

Unter den Demonstranten war auch Inge Höger, Bundestagsmitglied der Linken, sowie Vertreter von deutschen Palästinenser-Verbänden.

Vorneweg ging unter anderem Elias Bardaai. Der 20-jährige Mitorganisator, gebürtiger Marokkaner, skandierte per Megafon, dass Gaza "befreit werden muss". Die Menge stimmte lautstark mit ein. Laut Bardaai mache sich Israel derzeit eines "grausamen Massakers" schuldig. Wer im eskalierenden Konflikt mit der Terror-Organisation Hamas Täter und wer Opfer ist, machte er mit den Demonstranten durch eindeutige Schmähgesänge klar.

"Um Frieden zu haben, muss die illegale Besatzung und Blockade des Gebiets beendet werden", sagte Bardaai. Deutschland mache sich außerdem mit Waffenlieferungen an Israel mehr als mitschuldig, hieß es.

Laut Günther Tiemann von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bielefeld ist die harsche Kritik an Israel unberechtigt. "Ein unabhängiges Land muss sich verteidigen dürfen", sagte er. Immer wieder sei der jüdische Staat mit Raketen aus palästinensischen Gebieten beschossen worden. "Man stelle sich mal vor, wie die Stimmung in Deutschland wäre, wenn solche Anschläge in Berlin passieren würden", sagte der Bielefelder.

Tiemann kritisierte die Schwarz-Weiß-Sicht der Demonstranten. "Das Ziel der Hamas ist es, Israel zu vernichten." Mitglieder der Terror-Organisation versteckten sich unter Zivilisten und "missbrauchen sie so als Schutzschilder". Israels Angriffe seien außerdem gezielt, es gebe keine Flächenbombardierungen, wie von einigen Demonstranten berichtet. Ein schnelles Ende der Gewaltspirale sieht Tiemann ohne die Hilfe Amerikas aber nicht.

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