Bielefeld Tschüss, Papa Ipke

Universität nimmt nach 25 Jahren Abschied von Roboter-Vater Wachsmuth

von Alexandra Buck

Avatar Max ist Ipke Wachsmuths berühmteste Schöpfung.
Avatar Max ist Ipke Wachsmuths berühmteste Schöpfung.

Bielefeld. Mit Professor Ipke Wachsmuth verlässt ein prominenter Wissenschaftler die Universität Bielefeld. Nach mehr als 25-jähriger Amtszeit als Professor für künstliche Intelligenz hat er sich gestern im Hörsaal mit einer letzten Vorlesung von Studenten, Freunden und Weggefährten verabschiedet – und sich als Roboter geoutet.

Unter dem Titel "Roboter wie ich" sprach Wachsmuth über ethische Gesichtspunkte im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Darf man einen Roboter alte Menschen pflegen lassen? Schließlich kann er keine echte Zuwendung geben? Muss die Zuwendung überhaupt echt sein? Das ist sie bei Menschen schließlich auch oft nicht.

Ipke Wachsmuth, der die Technische Fakultät an der Uni mit aufbaute, ist der Mitschöpfer des berühmtesten Roboters der Universität. Avatar "Max" ist ein virtuelles Wesen in Menschengestalt. Was Max so besonders macht, ist, dass er auf den Menschen reagiert. Er verfügt über Sensoren und eine Wissensdatenbank, die regelmäßig erweitert wird. Ein netter Kerl, der sich den Namen seines Gegenübers merkt, Fragen stellt, mit dem man sogar spielen kann. Derzeit arbeitet Max unter anderem als Führer im Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn, einem Computermuseum, erklärt die Ausstellung und plaudert mit den Besuchern.

Wachsmuths Nachfolger ist Professor Dr. Stefan Kopp. Kopp studierte bei seinem Vorgänger Naturwissenschaftliche Informatik. Sein Studium schloss der 40-Jährige 1998 ab. Avatar Max wurde ab 1999 im Rahmen von Kopps Dissertation erschaffen. Nach seiner Promotion 2003 arbeitete Kopp als Post Doktorand in der Northwestern University in Evanston, USA. Von 2004 bis 2008 arbeitete er in derselben Funktion an der Bielefelder Universität. 2008 übernahm er die Leitung der Arbeitsgruppe Sociable Agents im Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC).

Kopp tritt in fachlich große Fußstapfen (siehe Kasten). Doch Ipke Wachsmuth hat nicht nur einen fantastischen Job gemacht – auch menschlich hat er sein Team bereichert. Professor Mario Botsch, Dekan der Technischen Fakultät, stellte Wachsmuth in seinem Vortrag als sympathischen und liebenswerten Lebemann dar, der schnelle Autos schätzt und einem Schluck guten Whiskeys nicht abgeneigt ist. So lässt sich jedenfalls die Wahl des Abschiedsgeschenks erklären: Eine doppelte Whiskyverkostung. Es handelt sich um eine Ü-30-Verkostung, weil Wachsmuth aber schon 64 ist, hat man sich für die doppelte Variante entschieden.

Nahtlos ins Rentnerdasein übergehen wird Wachsmuth nicht. "Unsere Türen stehen ihm immer offen", sagt Stefan Kopp. Darauf wird Wachsmuth zurückgreifen müssen. Schließlich bleibt ihm die typische Tätigkeit frisch gebackener Rentner verwehrt. Im heimischen Garten, sagt er, hat er nichts zu suchen. So wird er wohl des Öfteren auf seinen Zweitwohnsitz auf Norderney ausweichen.

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