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Bielefeld 22-Jähriger zündet Auto seines Chefs an

Einjährige Bewährungsstrafe für Bulgaren

15.05.2014 , 12:30 Uhr

Bielefeld (joh). In der Hoffnung auf ein besseres Leben reiste der 22-jährige Hakan D. (Name geändert) im September 2013 aus seinem bulgarischen Heimatdorf nach Deutschland. In Bielefeld fiel er skrupellosen Ausbeutern in die Hände und wurde am Ende sogar straffällig.

Gestern verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Astrid Salewski Hakan D. wegen vollendeter und versuchter Brandstiftung in drei Fällen zu einer einjährigen Bewährungsstrafe. Das Strafmaß entsprach dem Antrag von Verteidiger Feyzi Evin. Staatsanwältin Jenny Krüger hatte ein Jahr und vier Monate Haft beantragt. Nach seiner Einreise hatte der Angeklagte Arbeit als Fahrer bei einem Bielefelder Kurierdienst gefunden, dessen Inhaber in dieser Branche als Subunternehmer für namhafte Firmen tätig ist. Die tägliche Arbeitszeit betrug durchschnittlich 17 Stunden. Die Entlohnung sollte in 25 Euro und einer Schachtel Zigaretten pro Tag bestehen. Hakan D. hauste in einem Kellerloch ohne Bett und Heizung an der Rostocker Straße, für das er monatlich 350 Euro Miete zahlen musste.

Geld erhielt der Angeklagte in den zweieinhalb Monaten seiner Tätigkeit nur zweimal: Beim ersten Mal 350 Euro, beim zweiten Mal 600 Euro. Aus Wut darüber, dass ihm sein Lohn teilweise vorenthalten wurde, beschloss D., sich an seinem Arbeitgeber zu rächen. In der Nacht zum 12. Januar versuchte er einen Kleintransporter seines Chefs anzuzünden, indem er zwei brennende Teelichter an einen der Vorderreifen stellte.

Die dilettantische Brandlegung misslang, ebenso ein zweiter Versuch ein paar Stunden später, nachdem der Angeklagte zum Tatort zurückgekehrt und den Fehlschlag erkannt hatte.

In der Nacht zum 15. Januar verübte er erneut einen Brandanschlag, diesmal auf den Opel Corsa seines Chefs. Die brennenden Plastiktüten, die er in den unverschlossen, abgestellten Pkw warf, verursachten Schaden in Höhe von 1.000 Euro. In der gestrigen Verhandlung räumte der Angeklagte die Taten durch Erklärung seines Verteidigers ein und äußerte sich über einen Dolmetscher zum Motiv. Der als Zeuge geladene Geschädigte war zum Termin nicht erschienen - aus gutem Grund, wie Verteidiger Evin vermutete. Die Vorsitzende verhängte gegen den Zeugen ein Ordnungsgeld von 200 Euro. Da alle Beteiligten mit dem Urteil einverstanden waren, wurde es sofort rechtskräftig.