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Bielefeld Überraschende Ergebnisse beim NW-Wahlhelfer

KOMMUNALWAHL 2014 Analyse der ersten gut 4.000 Antworten

von kurt ehmke
15.05.2014 | Stand 15.05.2014, 19:02 Uhr |
Sören Scholz und Peter Wiegelmann (r.) haben mit der NW den Online-Wahlhelfer entwickelt - jetzt stellten sie Zwischenergebnisse vor. Fazit: Es gibt Überraschungen. - © FOTO: JÖRG DIECKMANN
Sören Scholz und Peter Wiegelmann (r.) haben mit der NW den Online-Wahlhelfer entwickelt - jetzt stellten sie Zwischenergebnisse vor. Fazit: Es gibt Überraschungen. | © FOTO: JÖRG DIECKMANN

Bielefeld. 4.067 Menschen haben den NW-Wahlhelfer jetzt genutzt – und ihre Antworten sind überraschend. Nicht repräsentativ; aber sie geben relevante Fingerzeige: Der Untersee ist nicht gewollt, die zehn Stadtbezirke durchaus, mehr Tempo-30-Zonen wollen nur wenige, neue Radwege jedoch viele. Und: Ein Personalabbau im Rathaus ist nicht eindeutig gewollt – wie auch die Stadtbahnlinie 5. Hier überwiegen die kritischen Stimmen. Klar abgelehnt wird städtisches Geld für Arminia – mit 68 Prozent der eindeutigste Wert überhaupt.

"Aussagekräftig" nennt Sören Scholz vom Meinungsforschungsunternehmen Interrogare die Fakten. Das Wort repräsentativ nutzt er ungerne, das gelte letztlich bei jeder Umfrage. Immerhin: Die, die den Wahlhelfer genutzt haben, verteilen sich eher ausgewogen über alle Altersklassen, die 41- bis 60-Jährigen sind am stärksten vertreten. Etwas mehr Männer als Frauen haben teilgenommen, das Bildungsniveau ist überdurchschnittlich. Da der Wahlhelfer online bedient wird, ist eine Nähe zum Internet naheliegend; da er über die NW läuft, ist auch hier eine gewisse Nähe zur Tageszeitung logisch.

Gerade vor diesem Hintergrund sagt Meinungsforscher Scholz einen Satz, der jeden Politiker aufhorchen lassen dürfte: "Mir als Partei würden einige Ergebnisse Angst machen – ich würde das sehr, sehr ernst nehmen." Seine Argumente: "Gut jeder Zweite will mit anderen über sein Ergebnis sprechen – und jedem Dritten wird über den Wahlhelfer eine Partei vorgeschlagen, die vorher nicht seine Präferenz war." Sein Chef Peter Wiegelmann fügt hinzu: "77 Prozent der Teilnehmer sehen sich als politisch interessiert, jeder zweite diskutiert oft über Politik."

Umfrage

Alarmstufe Rot dürfte deshalb schnell aufkommen bei den Linie-5-Befürwortern. Nur 41 Prozent stimmen im Wahlhelfer mit "Ja", also für den millionenschweren und massiv beworbenen Ausbau. Zudem ist die Linie 5 mit großem Vorsprung das Thema, was am häufigsten noch aufgewertet wird, weil es im Anschluss an die Abstimmung als besonders wichtig markiert wird. Jeder Dritte gibt seiner Stimme hier noch besonderes Gewicht. Es folgen das Haushaltsdefizit und der Radwegebau. Hochbegabtenförderung, Ratssitzungen online und und Katzenkastration liegen am unteren Ende der Skala.

Das "Stimmungsbild interessierter Bürger" (Scholz), bietet weiteren Diskussionsstoff:

Jeder Zweite sagt, dass die Gewerbesteuer nicht angehoben werden darf – für eine Erhöhung sind 23 Prozent, neutral der Rest.

Bei der Grundsteuer ist es noch deutlicher: zwei Drittel der Teilnehmer sind gegen eine Erhöhung.

 Ebenfalls zwei Drittel finden, dass Bielefeld mit einem Dezernenten weniger klarkommt.

 Nur jeder Dritte will die Zahl der Stadtbezirke reduzieren.

Für mehr öffentliche Polizeipräsenz sprechen sich 46 Prozent aus.

53 Prozent wollen den Jahnplatz für den Autoverkehr offen halten – 29 Prozent die Autos von ihm verbannen.

Weder eine fünfte Gesamtschule noch die Primusschule sind erwünscht – nur jeder Vierte stimmt jeweils dafür.

Klar abgelehnt wird ein neues Shopping-Center an der Bahnhofstraße – nur jeder Vierte findet es wichtig.

Mehr Freilaufflächen für Hunde wünscht sich ebenfalls nur knapp jeder Vierte.

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