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Hans-Ulrich Wehler | © FOTO: DPA

Bielefeld Bielefelder Historiker Wehler erhält "Lessing-Preis für Kritik"

Bielefeld/Wolfenbüttel (epd). Der Bielefelder Historiker Hans-Ulrich Wehler erhält am Sonntag den "Lessing-Preis für Kritik 2014" der Wolfenbütteler Lessing-Akademie. Der 82-jährige Wissenschaftler habe nie gesellschaftliche Auseinandersetzungen gescheut, sagte Jury-Mitglied Professor Joachim Block. "Er hat Kritik erfahren und Kritik provoziert." Wehler werde die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel entgegennehmen. Wehler habe weit über die Grenzen seines Fachs hinaus wichtige gesellschaftskritische Debatten in der Bundesrepublik angestoßen, begleitet und weitergeführt, hieß es in der Begründung der Jury. Seine Äußerungen aus dem Jahr 2002 über einen eventuellen EU-Beitritt der Türkei, als er die mangelnde Integrationsbereitschaft türkischer und muslimischer Einwanderer kritisierte, riefen starken Widerspruch hervor. Neben Themen wie dem Nationalsozialismus oder der Holocaust-Leugnung beschäftigte den Historiker auch die soziale Ungleichheit in Deutschland, die er in seinem 2012 erschienen Buch "Die Neue Umverteilung" analysiert. Zu den Besonderheiten des alle zwei Jahre verliehenen Preises gehört, dass der Preisträger zusätzlich einen Förderpreisträger bestimmen kann. Auf Wehlers Wunsch erhält der Berliner Publizist und Journalist Albrecht von Lucke die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung. In seiner Arbeit für zahlreiche deutsche Medien habe von Lucke sich mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der deutschen Republik nach dem Zweiten Weltkrieg und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise beschäftigt, hieß es. Die Akademie verleiht den "Lessing-Preis für Kritik" gemeinsam mit der Stiftung Nord/Lb Öffentliche seit dem Jahr 2000 im Abstand von zwei Jahren. Mit ihm soll nach dem Vorbild Lessings Kritik in einem fachübergreifenden und gesellschaftlich wirksamen Sinn ausgezeichnet werden. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der Literaturtheoretiker Karl Heinz Bohrer, die Autorin Elfriede Jelinek und der Philosoph Peter Sloterdijk. Zuletzt erhielt der Regisseur Claus Peymann im Jahr 2012 die Auszeichnung.

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