Bielefeld/Emmertal Grohnde-Gegner fordern nach Generatorschaden sofortiges Aus

Kernkraftwerksbetreiber Eon plant millionenschwere Investition

Bielefeld/Emmertal. Nach Bekanntwerden eines Generatorschadens am Atomkraftwerk Grohnde an der Grenze zu Lippe mehren sich in der Region Stimmen für eine sofortige Abschaltung des Reaktors. Kraftwerksbetreiber Eon setzt dagegen auf einen Austausch des Generators - trotz Investitionen in Millionenhöhe und eines absehbaren Endes der Laufzeit. Bereits Ende April hatten Techniker den Schaden bei einer routinemäßigen Überprüfung im Inneren des Generators entdeckt. Die Ursache konnte bislang nicht ausfindig gemacht werden. Ebenso unklar ist, wann der Schaden behoben werden kann. Obwohl das rund 550 Tonnen schwere Gerät lediglich zur konventionellen Stromerzeugung genutzt wird, bleibt der Meiler vorerst vom Netz. Vor einer Wiederaufnahme müsse der Generator ausgetauscht werden, sagte eine Sprecherin des Kraftwerksbetreibers Eon. Weil ein solches Unterfangen mehrere Monate in Anspruch nehmen könne, komme übergangsweise ein Reservegenerator zum Einsatz. Kritik an diesem Vorhaben kommt nun von Umweltschützern und Kernkraftgegnern. Vor dem Hintergrund einer ohnehin angestrebten Abschaltung bis zum Jahr 2022 drängen immer mehr Aktivisten auf eine sofortige Stilllegung. "Die Kosten für die Reparatur des Generators sollte sich Eon als Betreiber sparen und stattdessen den Betrieb sofort einstellen", erklärten die OWL-Bezirksvorsitzenden der Grünen, Ute Koczy und Sigrid Beer. Der Defekt zeige, dass es eine "hundertprozentig sichere Betriebsführung für Grohnde nicht gibt". Eon selbst sieht für eine Stilllegung indes keinen Anlass. Die Forderung sei unbegründet, ließ der Konzern über seine Sprecherin verlauten. Schäden am Generator kämen immer wieder vor. Zudem sei ein Austausch trotz vermuteter Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe wirtschaftlich vertretbar: "Sonst würden wir es nicht machen." Mit einem einfachen Komponentenaustausch aber sei es "jetzt nicht mehr getan", entgegnet die Initiative "Grohnde abschalten", in der auch Aktionsgruppen aus Bielefeld und Lippe vertreten sind. Der Rödinghauser Martin Sonnabend, ehemaliges Mitglied im Vorstand der "Ärzte gegen den Atomkrieg" (IPPNW), äußert sich ähnlich: "Der Generator ist zwar kein Problem für die atomare Belastung. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter der gesamten Anlage." Finanzielle Auswirkungen für den Kraftwerksbetreiber können jedoch auch die Atomkraftgegner nicht leugnen. Zwar wird die fehlende Stromleistung von einem Pool aus anderen Kraftwerken aufgefangen. Experten gehen aber davon aus, dass der Ausfall in Grohnde pro Tag Verluste von rund einer Million Euro generiere. Befürchtungen einer Strompreiserhöhung erteilen die Stadtwerke Bielefeld, die mit 16,6 Prozent am Kernkraftwerk Grohnde beteiligt sind, trotz des Fehlbetrags eine klare Absage. "Die Preise werden in erster Linie, zu über 70 Prozent, von staatlichen Abgaben und den Netzentgelten bestimmt und bilden sich im Übrigen am Markt", sagte Sprecherin Birgit Jahnke gegenüber dieser Zeitung. Alle weiteren Auswirkungen könnten erst nach erfolgter Schadensanalyse benannt werden. ¦ Kommentar

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