0
Friedhelm Burchard und Achim Kampmeier (v. l.) agierten jahrelang Schulter an Schulter beim SEK, für einen Rückblick ihrer ereignisreichen Dienstzeit blättern die Freunde und Polizeikollegen ein wenig im NW-Archiv. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Friedhelm Burchard und Achim Kampmeier (v. l.) agierten jahrelang Schulter an Schulter beim SEK, für einen Rückblick ihrer ereignisreichen Dienstzeit blättern die Freunde und Polizeikollegen ein wenig im NW-Archiv. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld Aus Kollegen wurden Freunde

Kampf gegen Schwerkriminelle schweißt zwei Polizeibeamte zusammen

von Jens Reichenbach
23.04.2014 | Stand 22.04.2014, 21:02 Uhr

Bielefeld. Was die angehenden Polizeibeamten Friedhelm Burchard aus Spenge-Bardüttingdorf und Achim Kampmeier aus Minden zusammen erleben und erkämpfen würden, konnten sie noch nicht wissen, als sie im Alter von 20 und 21 Jahren im April 1974 ihren Dienst antraten. 40 Dienstjahre später blicken die ehemaligen SEK-Beamten der ersten Stunde nicht nur auf eine bewegte und auch gefährliche Polizeikarriere zurück, sondern auch auf eine dicke Freundschaft.

Das Schicksal brachte die beiden Ostwestfalen schon während der Ausbildung zusammen auf eine Stube. Im Käfer reisten sie von nun an zusammen nach Münster. Später im Ausbildungszentrum in Bork (Selm) landen sie wieder auf einer Bude. Beide waren eigentlich zur Polizei gegangen, weil sie nicht zur Bundeswehr wollten. Kampmeier war sogar Kriegsdienstverweigerer. "Eigentlich wollte ich nach zwei Jahren Polizeidienst wieder aufhören", gibt Hauptkommissar Burchard zu. Doch dann entwickelte sich alles anders.

1978 wurde Burchard von seinem Vorgesetzten Erhart Küster angesprochen, ob er nicht zum neu gegründeten Spezialeinsatzkommando (SEK) Bielefeld wechseln wolle. Er wollte. Kampmeier kam auf Anraten seines Kumpels ("Komm zu uns. Das ist wie bei der GSG 9 auf Länderbasis") ein Jahr später dazu. Die beiden landeten zwar nicht wieder auf einer Bude, aber in der gleichen Einheit, der 1. von vier Bielefelder SEK-Gruppen.

Und sie erlebten gleich von Beginn an schwere und heftige Einsätze: "Wir haben die Startbahn West, Wackersdorf und Brokdorf verteidigt", berichtet Kampmeier. "Das war Wahnsinn und von beiden Seiten sehr gewalttätig. Dort kreiste ein Hubschrauber nur zehn Meter über den Demonstranten, um sie auseinanderzutreiben. Und die versuchten Latten zwischen die Rotorblätter zu werfen."

Nach den Angriffen auf Asylbewerberwohnheime in Rostock-Lichtenhagen 1992 wurden Burchard, Kampmeier und ihre Kollegen direkt von einer Übung in Holland eingeflogen: "Dort herrschte Krieg." Sie mussten Festgenommene mit Kabelbindern an Laternen fesseln, weil es so viele waren. Im Juni 1992 wurde es richtig brenzlig: Zwei Insassen der JVA Werl hatten einen Zahnarzt und seine Arzthelferinnen als Geiseln genommen. "Die Gefängnisflure waren schon voller Rauch", erinnert sich Burchard. Als ein Scharfschütze Michael Heckhoff, der mit einer Pistolenattrappe bewaffnet war, mit Schüssen in die Schulter aus dem Verkehr zog, zündete sein Komplize, der verurteilte Mörder Kurt Knickmeier zwei Geiseln mit Waschbenzin an. "Ich sehe die Arzthelferin heute noch vor mir. Sie brannte lichterloh", erinnert sich Burchard. Er nahm einen Mülleimer, füllte ihn mit Wasser und schüttete immer wieder Wasser über die beiden Opfer. "Ich hatte keine Ahnung, habe intuitiv gehandelt." Ärzte bestätigten dem SEK-Mann später alles richtig gemacht zu haben. "Das war schon heftig."

1994 starteten beide ihre Kommissarausbildung in Münster. Während Achim Kampmeier – von seinen Kollegen seit der Ausbildung "Onno" genannt – als Schießausbilder noch beim SEK blieb, wurde Friedhelm Burchard Pressesprecher der Bielefelder Polizei. Bis heute. Kampmeier ist seit 1998 Heeper Bezirksdienstpolizist mit Leib und Seele. "Das habe ich nie bereut", betont Kampmeier: "Unsere berufliche Laufbahn hat sich zwar damals getrennt, aber die Freundschaft ist geblieben. Für mich ist das eine große Familie geworden." Das berufliche Dasein sei für ihn zum Teil wichtiger als das private geworden. Der Beruf bedeutet für beide ein großes Stück Lebensmittelpunkt. Obwohl sich Kampmeier in Stedefreund auch schon als Laiendarsteller einen Namen gemacht hat. Burchard, der ein Jahr vor seiner Pensionierung noch immer als starker Tischtennis- und Tennisspieler in der Region gilt, nickt: "Wenn ich noch einmal 21 wäre, würde ich alles genauso wieder machen." Kampmeier stimmt zu: "Allein wegen der guten Freundschaften."

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group