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Bielefeld Hilfe für die Menschen in Tansania

Bielefelder Ehepaar Ulrich und Gabriele Winkler aus Afrika zurück in der Heimat

VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER
19.04.2014 | Stand 17.04.2014, 21:11 Uhr
Gabriele und Ulrich Winkler sind vor wenigen Tagen aus Tansania zurückgekehrt. Unzählige Fotos wie von tanzenden Massai oder friedlichen Löwen hat das Ehepaar mitgebracht. - © FOTO: WOLFGANG RUDOLF
Gabriele und Ulrich Winkler sind vor wenigen Tagen aus Tansania zurückgekehrt. Unzählige Fotos wie von tanzenden Massai oder friedlichen Löwen hat das Ehepaar mitgebracht. | © FOTO: WOLFGANG RUDOLF

Bielefeld. Zwei Jahre haben Gabriele und Ulrich Winkler am Rand des Regenwaldes in Tansania gelebt. Die Lehrerin und der Kardiologe haben ihr Leben in Bielefeld hinter sich gelassen, um sich für Menschen einzusetzen, die sich medizinische Versorgung und schulische Bildung nicht leisten können. Sie haben ehrenamtlich in Kindergärten und Krankenhäusern gearbeitet und mit ihrem Verein "Asante Tanzania" einen Kindergarten für die ostafrikanische Volksgruppe Massai gebaut. Jetzt sind sie wieder zurück in ihrer Heimat.

"Doch wir kämpfen weiter für die Menschen im Nordwesten Tansanias", sagen Gabriele und Ulrich Winkler. Zufrieden sitzt das Ehepaar am Wohnzimmertisch. Die beiden blicken gespannt auf ihre Laptops. Mehrere tausend Fotos sind in den vergangenen Monaten entstanden, denn Gabriele und Ulrich Winkler haben die Fortschritte ihrer Arbeit dokumentiert. "Wir haben uns sehr auf die Heimreise gefreut, doch wir sind sehr dankbar und glücklich, dass wir in den vergangenen zwei Jahren so viel erreichen konnten", sagt Gabriele Winkler.

Dabei kommt die Lehrerin immer wieder auf das bisher größte Projekt in der dreijährigen Geschichte des gemeinnützigen Vereins "Asante Tanzania" zu sprechen. "Wir haben einen Kindergarten für 50 Kinder der Massai in der Ngorongoro Conservation Area am Rand der Serengeti gebaut", erzählt sie stolz.

Von der ersten Zeichnung bis zur Eröffnung hat das Ehepaar den Bau des Kindergartens begleitet. In der 200 Quadratmeter großen Einrichtung unterrichten vier Lehrer 50 Kinder, denn tansanische Kindergärten seien mit deutschen Vorschulen vergleichbar. Der Verein hat dafür 50.000 Euro investiert. "Wir können immer noch nicht glauben, dass die Kinder dort jetzt endlich Lesen, Schreiben und Rechnen lernen", sagt Gabriele Winkler.

"In der Ngorongoro Conservation Area gibt es für Kinder sonst keine Einrichtungen, dabei ist Bildung in Tansania so wichtig wie Nahrung und Wasser", ergänzt Ehemann Ulrich. Es gebe zwar eine Schulpflicht, doch die werde nicht kontrolliert. "Zudem sind die Wege zur nächsten Einrichtung oft zu weit und Kinder müssen Schuluniformen tragen, doch die können sich viele Familien nicht leisten."

Das gelte auch für die medizinische Versorgung. "In Tansania sind infektiöse und rheumatische Herz- und Herzklappenentzündungen ein großes Problem. Trotzdem gibt es im ganzen Land nur sehr wenig Menschen, die diese Erkrankungen behandeln können", sagt Ulrich Winkler. Der Internist und Kardiologe hat deshalb zwei Jahre lang in fünf verschiedenen Krankenhäusern im Nordwesten Tansanias gearbeitet. "Der Verein hat ein mobiles Ultraschallgerät finanziert, das ich in den Kliniken, aber auch im Bush einsetzen konnte."

Täglich hat Winkler zwischen 15 und 30 Menschen untersucht. Unterstützt wurde er dabei von einem Dolmetscher. "In Tansania wird Kiswahili gesprochen. Ich habe einen Sprachkurs gemacht, doch für eine genaue Anamnese haben meine Kenntnisse nicht ausgereicht", sagt Ulrich Winkler. In den notdürftig ausgestatteten Krankenhäusern warten die Patienten mehrere Stunden auf eine Untersuchung.

Winkler hat seine Arbeit dokumentiert und herausgefunden, "dass bei jedem 12. Ultraschall eine Erkrankung festgestellt wurde, die eigentlich operiert werden müsste. In Deutschland ist das nur bei jedem 200. Patienten der Fall." In den meisten Fällen konnte Winkler nach der Diagnose aber eine medikamentöse Therapie für seine tansanischen Patienten festlegen. "Für umgerechnet drei Euro haben die Patienten dann Medikamente für einen Monat vom Krankenhaus erhalten."

Winkler hat ohne Honorar gearbeitet. "Dafür habe ich ein Jahr lang auf eine Arbeitserlaubnis gewartet, die 2.000 Euro gekostet hat. Zudem wurden immer wieder Schmiergelder gefordert", erinnert sich Winkler. Doch diese Erfahrung habe das Ehepaar immer wieder machen müssen. "Korruption ist einer der Hauptgründe dafür, dass Tansania so arm ist."

Deshalb werden Gabriele und Ulrich Winkler ihre Arbeit in Tansania fortsetzen. Zwei Mal im Jahr werden sie in ihre zweite Heimat fliegen.

"Allerdings werden wir beide wieder unseren Berufen nachgehen", sagt Gabriele Winkler, die ab Mitte August wieder am evangelischen Gymnasium Werther Kinder in Englisch und Pädagogik unterrichten wird.

Ulrich Winkler, der vor dem zweijährigen Aufenthalt in Tansania seine Anteile einer Gemeinschaftspraxis verkauft hat, wird ebenfalls ab Mitte August wieder praktizieren. "Ich eröffne mit 57 Jahren noch einmal eine Praxis, weil mir die Arbeit einfach zu viel Spaß macht, um sie an den Nagel zu hängen."

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