Bielefeld Neue FH soll im Winter fertig sein

Bauherr BLB will Baufirmen verbindlich zu Terminen verpflichten / Kosten werden deutlich steigen

Von Ansgar Mönter
Der Fachhochschulneubau auf dem Campus Nord kann noch nicht bezogen werden, weil vor allem eine große Firma, die für die Elektronik zuständig ist, sehr große Schwierigkeiten bereitet hat. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Der Fachhochschulneubau auf dem Campus Nord kann noch nicht bezogen werden, weil vor allem eine große Firma, die für die Elektronik zuständig ist, sehr große Schwierigkeiten bereitet hat. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Die Ungewissheit um den Umzug der Fachhochschule in das neue Gebäude auf dem Campus Nord soll endlich ein Ende haben. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, einen Terminplan für den weiteren Bauablauf mit dem Ziel aufzustellen, dass das Gebäude im Wintersemester 2014/15 an die Fachhochschule übergeben werden kann", kündigt Heinrich Micus, Niederlassungsleiter des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) des Landes, auf Anfrage an.

Auf dem Weg dorthin, sagt Micus, gebe es jedoch noch eine Reihe von Schwierigkeiten auszuräumen, die sich im vergangenen Jahr gezeigt haben. Probleme verursacht beispielsweise ein Auftragnehmer eines entscheidenden Gewerkes. Dieser stellte sich als sehr unzuverlässig heraus. Termine wurden nicht eingehalten, verabredete Leistungen nicht oder nur unzureichend erbracht und zugleich formale Scharmützel inszeniert, um nicht belangt werden zu können.

Um welchen Auftragnehmer es sich handelt, wollte der BLB NRW jedoch auch auf Nachfrage hin nicht angeben. Nach Recherchen der NW handelt es sich um die Firma "Imtech", die für die Elektronik im FH-Gebäude beauftragt ist, aber aktuell mit massiven internen Problemen kämpft: gigantische Millionenverluste, Massenentlassungen, Vorstandswechsel und Korruptionsvorwürfe.

Imtech, mit Deutschland-Hauptsitz in Hamburg, gibt selbst zu, dass es Projekte gegeben habe, bei denen kein einziger eigener Imtech-Mitarbeiter auf der Baustelle gewesen sei. Die mangelnde Präsenz von Fachpersonal war nach Redaktionsrecherchen bisher ein Kernproblem mit dieser Firma beim FH-Bau auf dem Bielefelder Campus.

Die Situation hat den Bauherrn BLB in eine Zwickmühle manövriert, denn eigentlich sollte die FH schon zum Wintersemester 2013 übergeben werden. So aber musste der BLB verschiedene Alternativen entwickeln und diese mit allen auf Seiten des Landes Beteiligten abwägen. Die Verzögerungen haben wesentliche Konsequenzen für alle verursacht und neben Verunsicherungen und Frust zu mehr Kosten geführt.

Der Bauherr ist derzeit dabei, die Baustelle neu zu organisieren und einen verbindlichen Zeitplan für die Restarbeiten aufzustellen, so dass die Abnahme der Leistungen kalkulierbar wird. "Dazu führen wir Gespräche mit allen Beteiligten", sagt Micus. Restrukturierung nennt sich das.

Und es geht voran. In der Bielefelder Niederlassung reift mittlerweile wieder der Optimismus, das gesteckte Ziel erreichen zu können. Aber: "Um die Übergabe der Fachhochschule im Wintersemester zu erreichen, sind wir darauf angewiesen, dass wir mit allen von uns beauftragten Baufirmen und Planern einen Zeitplan erarbeiten und verbindlich vereinbaren, sich alle Auftragnehmer daran halten und das keine weiteren Schwierigkeiten eintreten", mahnt Micus.

Große Schwierigkeiten bereiten etwa taktische Spielchen einer Firma, die aufgrund ihrer internen Probleme auf Zeit spielt und Verantwortung für Versäumnisse abwälzt. Ein Element dieser Taktik sind bis jetzt mehr als Tausend so genannte Behinderungsanzeigen durch das Unternehmen – es wird sich vermutlich um Imtech handeln – , die selbst dann enormen Arbeitsaufwand erzeugen, wenn sie unbegründet sind.

Durch Behinderungsanzeigen teilt eine Firma dem Bauherrn mit, dass sie vereinbarte Leistungen nicht ausführen konnte, weil die Voraussetzungen angeblich dafür nicht gegeben gewesen seien. Üblich, so Micus, seien bei einem solchen Bauvorhaben nur ein Bruchteil solcher Behinderungsanzeigen.

Es zeichnet sich ab, dass die einst kalkulierten Baukosten von 180 Millionen Euro nicht eingehalten werden können. Wie hoch sie sein werden, lasse sich noch nicht sagen.

Derzeit ist alles dem einen Ziel untergeordnet: Das Gebäude muss fertig werden. "Und wir werden es fertig bekommen", sagt Micus. Dazu sollen sich alle Beteiligten verpflichten.
Verbindlich.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group