Vor dem Geschäft Brooks erregen die Tierschützer Aufmerksamkeit mit ihren Plakaten und Parolen. Sie wollen die Leute auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und dazu bewegen, keinen Pelz zu kaufen. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Vor dem Geschäft Brooks erregen die Tierschützer Aufmerksamkeit mit ihren Plakaten und Parolen. Sie wollen die Leute auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und dazu bewegen, keinen Pelz zu kaufen. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Mitte Kunstfell statt Pelz

Erstes Gespräch zwischen "Bielefeld Pelzfrei" und Modehändler André Lösekann

VON CIGDEM ÖZDEMIR

Mitte. Mit gutem Beispiel zeigten André Lösekann (Mode-Geschäftsführer) und zwei Tierschutzaktivisten vom Bündnis "Bielefeld Pelzfrei", dass verhärtete Fronten nichts bringen. Beide Parteien gingen einen Schritt aufeinander zu, um das Gespräch zu suchen. Seit Januar setzen sich rund 20 Aktivisten des Bündnisses "Bielefeld Pelzfrei" für ein Ende des Pelzhandels in den Geschäften Lösekann, Brooks und Ozone ein, die von André Lösekann geführt werden.

Anja Krückemeier berichtet: "In den drei Geschäften werden um die 15 Produkte mit Pelzbesatz verkauft. Die Verkäufer konnten uns keine Antwort darüber geben, um welche Tierfelle es sich bei den Produkten handelt und woher diese stammen." Daraufhin wurde Krückemeier selbst aktiv, recherchierte und schrieb die Lieferanten an. "Natürlich haben nicht alle geantwortet. Wir haben aber herausgefunden, dass die Pelze von Hasen, Kaninchen, Opossum, Füchsen, Waschbären, Marderhunden und Kojoten stammen, die überwiegend aus China importiert werden", so Krückemeier.

Insbesondere die Marken "Canada Goose", "Oakwood", "Peuterey", "Minimum" oder "Blonde No. 8" würden Echtpelz verwenden.
Tierschutzaktivist Simon Anhut betont: "Die Menschen sind richtig erschrocken, sobald sie aufgeklärt werden. Viele von ihnen sind sogar so naiv und glauben, Kunstfell zu tragen." Deshalb fordert Anhut eine bessere Aufklärung für Konsumenten. "Die Verantwortung liegt natürlich auch bei dem Geschäftsbetreiber selbst. Angaben über die Herkunft oder die Art des Pelzes sind das Mindeste."

Der Geschäftsführer André Lösekann bekundet in einigen Punkten seine Solidarität mit den Aktivisten. Doch die Produkt- und Sortimentgestaltung läge nicht in seiner Hand. "Der Kunde bestimmt das Sortiment und nicht der Händler. Wir sind nicht in der Lage, die Produkte aus dem Sortiment zu nehmen", betont Lösekann.

Er sei auch dafür, dass die verwendeten Felle nur von Tieren stammen, die nicht unnötig leiden müssen. "Wir werden mit den Lieferanten sprechen und beim Einkauf Wert darauf legen, nur Felle aus Jagd und angemessener Haltung anzubieten", so Lösekann. Den Kunden solle Kunstfell als Alternative zum Pelz geboten werden. Letztendlich entscheide der Endverbraucher selbst, welches Produkt er kaufen will.

In der Überzeugung, dass Aufklärung der richtige Weg sei, machte André Lösekann den Tierschutzaktivisten ein Angebot: "Ich biete ihnen die Möglichkeit, mit meinen 60 Mitarbeitern zu sprechen und sie aufzuklären." Sie seien schließlich das Bindeglied zwischen Produkt und Verkauf. "Die richtige Aufklärung von unseren Kunden führt eventuell auch zu weniger Pelzkauf", so der Geschäftsführer. Krückemeier und Anhut bewerteten das Angebot als positiv.
Ihre Entscheidung wollen sie Lösekann mitteilen, sobald sie mit den anderen Tierschutzaktivisten darüber diskutiert haben.

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