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Bielefeld Die Vorzeigefrau

NOMINIERT FÜR DEN Frauenpreis Ulrike Detmers, Unternehmerin, Professorin

VON HEIDI HAGEN-PEKDEMIR
23.01.2014 | Stand 22.01.2014, 23:31 Uhr |
Ulrike Detmers vor dem Bild eines polnischen Künstlers. Ihr Arbeitszimmer schmücken unterschiedliche Arbeiten zeitgenössischer Künstler. - © FOTO: PATRICK MENZEL
Ulrike Detmers vor dem Bild eines polnischen Künstlers. Ihr Arbeitszimmer schmücken unterschiedliche Arbeiten zeitgenössischer Künstler. | © FOTO: PATRICK MENZEL

Bielefeld. Mit 16 Jahren wollte sie Unternehmerin werden, mit 18 Professorin. Ulrike Detmers hat beides geschafft. Und noch einiges mehr. Ihr Verdienst: Sie macht auch anderen Frauen den Weg frei in Spitzenpositionen.

Das Bild der unabhängigen Frau hat ihr die Mutter vorgelebt, eine Angestellte im Herforder Fernmeldeamt. Das Einkommen des Vaters hätte für die fünfköpfige Familie nicht gereicht. Schon bald lernt das junge Mädchen: Selbst verdientes Geld ist wichtig. "Bei uns floss alles in die Erziehung der Kinder." Ihren späteren Ehemann, Albert Detmers, lernt sie mit 15 kennen. Ein Jahr später jobbt sie im Unternehmen seiner Familie, der Brotfabrik Mestemacher in Gütersloh. Werbedamen hießen damals die jungen Frauen, die der Kundschaft in Supermärkten leckere Pröbchen reichten. Ulrike Detmers schmiert Brote ohne Unterlass. "Darin war ich ganz gut", erinnert sie sich. Ihre Tagesgage: 50 D-Mark. In dieser Zeit äußert sie zum ersten Mal den Wunsch, Unternehmerin zu werden.

Mit Hochdruck startet sie ihr Studium und die anschließende Hochschulkarriere. Als sie 1994 dem Ruf an die Fachhochschule folgt, ist ihre Tochter schon im Teenager-Alter und Detmers nach wie vor im Unternehmen tätig. Mittlerweile als Mitglied der Geschäftsführung. Hörsaal, Firma und Wickeltisch kann sie relativ problemlos miteinander vereinbaren. Für die Tochter und auch ihren Sohn, der drei Jahre später zur Welt kommt, findet sie Krippenplätze. Als sie sich zum 130-jährigen Firmenbestehen mit der Geschichte des Familienunternehmens Mestemacher beschäftigt, wird ihr klar: Ohne Frauen wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. "Frauen haben in der Geschichte der Menschheit schon immer geführt. Aber das war nicht gesetzlich legitimiert."

Frauen lediglich als Strippenzieherinnen im Hintergrund – das kann so nicht weitergehen, entscheidet Detmers für sich und empfindet so etwas wie eine Initialzündung. Die Professorin beantragt Fördermittel für ihre erste Studie "Erfolgsfaktoren für Unternehmerinnen". Glückliche Fügung: "Persönliche Betroffenheit und Forschung kamen bei mir meist zusammen." Zum Thema Kind und Karriere folgen im Laufe der Jahre weitere Studien. Die Arbeit als Wissenschaftlerin, "dieser Hang zum Gründlichen", wie sie es formuliert, liege ihr im Blut.

"Quatsch" sei es zu behaupten, Frauen könnten nicht führen. Frauen, die Familie und Beruf miteinander vereinbaren, arbeiteten meist strategischer und zügiger, ohne dass die Qualität der Aufgaben leide. Nach dem Vorbild Norwegens befürwortet Detmers einen Frauenanteil von 40 Prozent im Topmanagement. Im eigenen Unternehmen hat sie dieses Ziel bereits erreicht.

Die Situation berufstätiger Männer will sie ebenfalls verändern. Vätern, die sich für Kinder, Küche und Karriere einsetzen, sollte endlich die verdiente Anerkennung zuteil werden, mit dem Mestemacher-Preis "Spitzenvater des Jahres". Vom Familienunternehmen kommen zudem der "Kita-Preis" und die Auszeichnung "Managerin des Jahres".

Detmers, die Vorzeigefrau mit ihrer Leidenschaft für moderne Kunst, liest gern philosophische Bücher und Biografien wie zuletzt die von Churchill, liebt Wein und gutes Essen. Der Typ Genießerin eben.

Wo sieht Detmers sich nach zehn Jahren? Sie muss nicht lange überlegen: "Dann sitze ich hier vermutlich immer noch und wir haben dann die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent."

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