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Bielefeld Karl-Heinz Esdar kauft Skala

Oldtimer-Spezialist erwirbt Immobilie mit dem markanten Vorbau an der Herforder Straße

VON ARNO LEY
11.01.2014 , 01:33 Uhr |
Karl-Heinz Esdar will das Skala erhalten. Im Gebäude sind wieder Wohnungen, Büros und Läden geplant. Nur eine Fortsetzung der Geschichte als Kino wird es wohl nicht geben. Möglicherweise zieht dort eine Event-Gastronomie ein. - © FOTO: ANDREAS FRÜCHT
Karl-Heinz Esdar will das Skala erhalten. Im Gebäude sind wieder Wohnungen, Büros und Läden geplant. Nur eine Fortsetzung der Geschichte als Kino wird es wohl nicht geben. Möglicherweise zieht dort eine Event-Gastronomie ein. | © FOTO: ANDREAS FRÜCHT

Bielefeld. Karl-Heinz Esdar hat den Gebäudekomplex der früheren Skala-Kinos an der Herforder Straße von der Sparkasse gekauft. "Am 15. Januar ist offizielle Schlüsselübergabe", bestätigte er gestern. Der Kraftfahrzeugmeister ist über die Region hinaus als Spezialist für historische Autos bekannt. "Ich wollte es einfach nicht mehr mit ansehen, wie auf meinem Weg zwischen Wohnung und Arbeit ein Haus in so zentrale Lage immer mehr herunterkommt", erklärt er seinen Entschluss.

"Ich hatte immer gehofft, dass ein anderer für das Gebäude mehr bietet", sagt der neue Eigentümer mit einem Augenzwinkern. Vor zwei Jahren habe er einmal bei seinem Sachbearbeiter bei der Sparkasse nach dem Preis gefragt. Zwischenzeitlich habe es dann wohl auch andere Interessenten gegeben. "Einem ist offenbar sein Ankermieter abgesprungen." Und ein anderer wollte weniger bezahlen als Esdar. Er habe jetzt in etwa das geboten, was die Sparkasse bei der Zwangsversteigerung 2007 selbst anlegen musste. Das waren 1,5 Millionen Euro.

Der Gesamtkomplex mit dem markanten Vorbau zur Straße umfasst eine Nutzfläche von 3.600 Quadratmeter. Davon machen gut 1.000 die früheren Kinos Skala, Studio, Lux 1 und Lux 2 aus. Etwa 300 Quadratmeter Ladenfläche im Erdgeschoss seien bis 2016 fest vermietet. Dort gibt es gegenwärtig einen Imbiss und einen Kiosk. Die Sparkasse räumt zur Zeit die Büroetage aus, die sie dort bisher genutzt hat. In den oberen Etagen gibt es auf insgesamt rund 2.300 Quadratmeter weitere Büros und Wohnungen.

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"Ich habe keine hochfliegenden Pläne", äußert Esdar. Als erstes soll der Durchgang für Fußgänger an der Herforder Straße attraktiver gestaltet werden. "Dort riecht es zeitweilig wie in einer Kloake. Die ehemalige Popkornbude und die beiden Vitrinen werden abgebrochen, damit es mehr Licht für den Fußweg gibt." Möglichst rasch soll die Fassade erneuert werden. Dabei möchte Esdar die markante Neonreklame des früheren Kinos wieder einschalten.

Für die ehemaligen Lichtspiel- und späteren Theatersäle gebe es mehrere Interessenten. "Ein Kino wird das wohl nie wieder", meint Esdar. Eine Berliner Firma wolle dort gerne ein Eventcenter eröffnen, aber entschieden sei bisher nichts. "Ich finde, wir haben hier in Bielefeld eine gute Gastronomie. Die Berliner meinen, sie könnte dazu dennoch eine gute Ergänzung anbieten", sagt der neue Hauseigentümer. Wenn nicht, gebe es andere denkbare Alternativen. "Vielleicht werden die Säle erst einmal auch nur als Vorträgsräume für wechselnde Veranstaltungen hergerichtet."

Viele der Wände in den oberen Etagen seien aus Leichtbaumaterialien. "Die lassen sich einfach versetzen", berichtet Esdar. Bei den Wohnungen solle einige als kleine Appartements hergerichtet werden. Über ein ähnliches Konzept zur kurzfristigeren Vermietung von kleineren Büros denkt Esdar ebenfalls nach. "Wenn jemand beispielsweise nur einige Monate in Bielefeld tätig ist und dafür Räume benötigt."

Für den größeren Teil der Immobilie sucht der neue Eigentümer aber vor allem langfristige Mieter. "Dazu sind drei Dinge wichtig: Das äußere Umfeld muss in Ordnung gebracht werden. Dann müssen die Mietpreise günstig und die Nebenkosten erträglich sein. Daran arbeiten wir jetzt."

Erfahrungen im Umbau einer Alt-Immobilie hat der Oldtimer-Spezialist 2011 gesammelt, als er mit seinem Betrieb in die frühere Maschinenfabrik Honsel an der Herforder Straße 285 umgezogen ist. "Als ich mir die Skala das erste Mal von innen angeschaut habe, habe ich mich nicht gefragt, wie teuer das wird, sondern: Wer soll das machen?" Esdar, dessen Tochter Nina seit 2008 mit August Oetker verheiratet ist, stammt aus einer alteingesessenen Bielefelder Handwerkerfamilie. Großvater und Vater betrieben an der Herforder Straße eine Zimmerei.