Vilsendorf Eine moderne Puschen-Kirche

Vilsendorfer feiern Einweihung vor 50 Jahren / Festschrift / Feier am 8. September

VON SYLVIA TETMEYER
Otto- Hermann Eisenhardt, Dr. Bettina Maoro-Bergfeld und Joachim Cremer (von links) freuen sich über ihre moderne Kirche, die mit Hilfe von Spenden gebaut werden konnte. Der Künstler Ernst Hansen verlegte die Glasbausteine kostenlos. - © FOTO: SYLVIA TETMEYER
Otto- Hermann Eisenhardt, Dr. Bettina Maoro-Bergfeld und Joachim Cremer (von links) freuen sich über ihre moderne Kirche, die mit Hilfe von Spenden gebaut werden konnte. Der Künstler Ernst Hansen verlegte die Glasbausteine kostenlos. | © FOTO: SYLVIA TETMEYER

Vilsendorf. "Es gab bei uns immer viel Eigeninitiative und ehrenamtlichen Einsatz", sagt Pastor Joachim Cremer. Am 8. September 1963 wurde die Epiphaniaskirche der evangelischen Gemeinde durch Präses Ernst Wilm eingeweiht. Genau 50 Jahre später feiern die Christen den runden Geburtstag. Zu diesem Anlass erscheint eine Jubiläumsschrift.

Zum Redaktionsteam gehören neben dem Gemeindepfarrer Bettina Maoro-Bergfeld und Otto-Hermann Eisenhardt. "Das Heft wird etwa 100 Seiten stark sein", sagt Eisenhardt, der das Layout gestaltet. Erhard Knost, der von 1977 bis 1987 Kirchmeister war, hat sich im Haupttext mit der Entstehungsgeschichte des Kirchbaus beschäftigt. Außerdem gibt es einen wissenschaftlichen Beitrag aus kunsthistorischer Sicht.

"Viele Gemeindeglieder haben Geschichten und Anekdoten aufgeschrieben", berichtet Maoro-Bergfeld. Zudem stellen sich die verschiedenen Kreise vor – wie Gesprächskreis, Frauen-Kreativkreis und Tanzkreis 55plus. Die Konfirmanden haben Interviews geführt. Architekt Günther Klussmann erinnert sich im Rückblick an die Schwierigkeiten, die er mit dem Landeskirchenamt hatte. "Unser Herrgott hat nichts Schiefes in die Welt gestellt." Mit dieser Kritik musste sich der Diplom-Ingenieur auseinandersetzen.

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Fakten rund um das Jubiläum


Epiphanias bedeutet "Erscheinung des Herrn" und ist der Name des christlichen Festes am 6. Januar, auch als Dreikönigstag bekannt.

Das Grundmotiv "das Licht strahlt in die Finsternis" spiegelt sich auch in der Betonverglasung von Ernst Hansen.

Dr. Ulrich Althöfer, Kunsthistoriker der Landeskirche von Westfalen, bezeichnet die eigenwillige Architektur als "Stück Bielefelder, ja westdeutsche Kirchen- und Kunstgeschichte im Kleinen".

Das Jubiläumsprogramm startet am 8. September um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst. Anschließend lädt die Gemeinde zu einem Empfang ein. Um 15 Uhr beginnt das Gemeindefest, um 17 Uhr folgt der Festkonzert. (syl)

Die Idee für den modernen Kirchenbau, bei dem der Glockenturm einige Meter neben dem Gebäude steht, bekam der heute 87-Jährige in Frankreich. Im Oktober 1961 genehmigte das Presbyterium den Entwurf.

300.000 Mark sollte der Bau kosten. "Alles musste mit wenig Geld geschehen", sagt Klussmann. Der Einsatz der Betonverglasung durch einen Fachbetrieb hätte den finanziellen Rahmen gesprengt.

Der Künstler Ernst Hansen von der Kunstgewerbeschule Bielefeld sprang ein – kostenlos. Jeden Glasbaustein verlegte er persönlich. Pastor Siegfried Nettingsmeier wurde bereits 1959 als Hilfspfarrer für Vilsendorf eingestellt.

"Er war vor 27 Jahren mein Vorgänger", erzählt Cremer. Von Anfang an habe er mit Wilhelm Rolf (Kirchmeister von 1962 bis 1977) die Idee des Kirchbaus verfolgt. Die Spendenbereitschaft der Vilsendorfer überzeugte das landeskirchliche Bauamt. Die Frauenhilfe trug 20.000 Mark zusammen.

Am 17. Juni 1962 wurde der Grundstein für die Epiphaniaskirche gelegt. Zwei Wochen später beurkundete die Landeskirche die Selbstständigkeit der Kirchengemeinde. Das Selbstständigkeitsstreben entsprach dem Trend der Zeit. Und so stand die Stiftskirchengemeinde als Mutterkirche von Vilsendorf dem Bestreben positiv gegenüber.

Die Zahl der Gläubigen war durch die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg stark gestiegen. Die Idee der "Puschen-Kirche" entstand. Die Gemeinden sollten überschaubar und die Gotteshäuser in Hausschuhen erreichbar sein. Von den vier Kirchen, die 1963 im Kirchenkreis Bielefeld eingeweiht wurden, ist die Epiphaniaskirche die einzige, in der heute noch evangelische Gottesdienste gefeiert werden.

Vor 50 Jahren hatte Vilsendorf rund 2.000 Einwohner und 1.300 Gemeindemitglieder, heute gehören von 4.400 Einwohnern knapp 1.700 zur evangelisch-lutherischen Kirche. "Wir sind in Zukunft gezwungen, anders zusammen zu arbeiten", betont Cremer. Die Stelle von Pfarrer Hagen Schillig aus Theesen werde im kommenden Jahr nicht mehr besetzt. Ziel sei eine Pfarrstelle für 2.700 Gläubige. Bereits jetzt setzt die Gemeinde auf 150 Ehrenamtliche.

"Der eine oder andere ist gerne bereit, mehr zu machen", sagt Presbyter Eisenhardt. "Wir brauchen viele Schultern. Sonst geht es nicht", sekundiert der Seelsorger.
 

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