Der Flohmarkt gehört einfach zum Heeper Ting: Und wer geduldig sucht, findet sicher auch Deutschland, dann Bielefeld und dann Heepen auf dem Globus, noch aber ruht der Finger auf Madagaskar. Aber egal, noch verhandeln ja Beatrix und Blanke Pempeit auch noch mit Doris Zinram über den Preis für das Schmuckstück. - © Barbara Franke
Der Flohmarkt gehört einfach zum Heeper Ting: Und wer geduldig sucht, findet sicher auch Deutschland, dann Bielefeld und dann Heepen auf dem Globus, noch aber ruht der Finger auf Madagaskar. Aber egal, noch verhandeln ja Beatrix und Blanke Pempeit auch noch mit Doris Zinram über den Preis für das Schmuckstück. | © Barbara Franke

Heepen Zehntausende feiern Volksfest "Heeper Ting"

Heeper und Nicht-Heeper bekamen gute Musik auf die Ohren, konnten essen und trinken und an 230 Flohmarktständen handeln sowie in den Geschäften shoppen - und bekamen beim Pinkeln sogar Rabatt

Kurt Ehmke

Heepen. Wenn etwas 40 Jahre hält, muss es gut sein - und von Tradition zu reden ist angemessen. Womit wir beim Heeper Ting wären. Dass der Ting nun seit Jahren auch von bestem Sommerwetter beglückt wird, ist vielleicht hart erarbeiteter Lohn, wie es Kaufleute-Chef Jürgen Utecht augenzwinkernd mutmaßt. Wie auch immer - mehrere zehntausend Heeper und Nicht-Heeper feierten bis Sonntagabend ihren Ting. Ein Fest, das sich wie ein Spinnennetz aus unendlich vielen Angeboten über das Heeper Zentrum legt. Nicht nur der Amtsplatz wird bespielt, mit Musik und Sportlichem, nicht nur das Amtshaus mit dem Kunst- und Kreativmarkt, nein, quasi der gesamte Ortskern ist ein bunter Mix aus 230 Flohmarktständen, Getränke- und Speisebuden, Fahrgeschäften, Vereinsständen und vielem mehr. Und Heepen kann auch kurios: An den Klo-Häuschen gibt es für Viel-Pinkler Rabatt. Max Alisch grinst, als er auf seine Zwölfer-Karte zum Preis des Zehnmal-Pinkelns angesprochen wird, er sagt: "Das wird gut angenommen, vor allem von Familien und ordentlichen Trinkern." Auch Jürgen Utecht kennt diese spezielle Variante des Rabattsystems: "Auf dem Schützenfest gibt es die 25er-Pinkel-Rabatt-Karte - und die kann man da auch gut gebrauchen." Größter Magnet ist und bleibt der Flohmarkt Wer sein Geld lieber in Essen steckt, kann in Heepen für kleines Geld lecker speisen - so bietet das DRK Waffeln für einen Euro an. Sowieso am Brummen ist die Eisdiele im Herzen des Ortes. Vermutlich größter Magnet ist und bleibt tagsüber aber der Flohmarkt. Während abends die Bielefelder Bands gewaltig Publikum anzogen, war tagsüber an den Ständen immer was los. 18 Euro für drei Meter Flohmarktstand sind vergleichsweise günstig. Wie überall auf dem Ting sind fast nur Menschen anzutreffen, die Sätze sagen wie "Bin hier schon seit 20 Jahren", "komme seit meiner Kindheit hierher" oder "bin immer da". Gelebter Stadtbezirk, gelebtes Heepen. Xenia Klopstieg steht gerne und immer auf dem Flohmarkt, für sie ist es der perfekte Ort, um andere Heeper zu treffen: "Ich kenne viele Leute, wir kommen hier gut ins Quatschen - und ich treffe hier tatsächlich oft Leute, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe." Das mache den Charme des Ting aus. Der Gewinn von etwa 200 Euro am Stand sei natürlich auch nett, aber ein Teil werde eben traditionell auch schnell wieder an den Ständen anderer Heeper ausgegeben. So trägt Klop-stieg ein Jeanshemd, das sie gerade erst woanders erstanden hat. Wer über den Flohmarkt schlendert, findet großartige Sachen: So war am Sonntag ein knappes goldenes Paillettenkleid noch zu haben - und am Nachbarstand gab es "Exquisit Anti-Rheuma-Wäsche". Ein Fall fürs Kopf-Kino. Traditionell in Heepen dabei sind auch Brigitte Bandit und Silke Theuer. Sie verkaufen Holzarbeiten und ein paar genähte Sachen (Bandit) - sowie Marmelade (Theuer). Beide schon seit zehn Jahren und länger, versteht sich. Dass sie immer an derselben Stelle im Amtshaus stehen? Auch klar. Weniger erwartbar: Die Marmelade am Theuer-Stand ist von Silke Theuers Mann Dirk hergestellt worden. Sie geht gut - vielleicht auch, weil der Heeper Dirk Theuer der vermutlich einzige Polizist in der Stadt ist, der Marmelade einkocht und an eine Stammkundschaft verkauft (kleine Randnotiz: Für diese Zeilen, das hat seine Gattin versprochen, muss er heute einen ausgeben.) Auch Fremde finden immer mehr Gefallen am Ting Zurück zum Ting: Es wird berichtet, dass "echte Heeper" an genau diesen Tagen niemals Urlaub nehmen - und dass sogar "Fremde" immer mehr ihren Gefallen am Ting finden. Utecht: "Ich hatte einen Anruf aus Lippstadt und durfte erklären, wie man zu uns kommt - und ich bekam eine Mail aus dem Rheinland, weil die Thunderbirds bei uns spielten." Die Rheinländer nahmen sich ein Zimmer in Heepen - und kamen zum Konzert. Zudem sangen auch die Golden Glories die Heeper in Ekstase - und am Samstag trat noch Roman Maiorino auf. Ebenfalls abends gab es bei "Diekmann Hörsysteme" zudem eine achtminütige 3D-Fassadenshow zu bestaunen. Dass parallel auch die Geschäfte offen haben, auch das hat Tradition in Heepen - und dürfte auch so bleiben. Utecht ist optimistisch, dass der Rat das so entscheidet und Heepen seine vier Sonderöffnungszeiten behält - zum Heeper Ting (40 Jahre alt), zum Heeper Frühling (15 Jahre), zum Heeper Sommer (18 Jahre) und zum Heeper Weihnachtsmarkt (39 Jahre). "Das ist bei uns alles so fundiert und gesetzt, da klappt das schon." Ob der knapp zwei Kilometer entfernte Obi dabei bleibt, ist offen - es werde alles versucht, ihm die Sonderöffnungszeit über eine Anbindung zu ermöglichen, so Utecht. "Vielleicht lassen wir eine Bimmelbahn fahren, mal schauen."

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