Von dem Wohnprojekt überzeugt: Oliver Klingelberg, Sabine Beckmann ("gewohnt"), Mitja Brinkkötter, Oliver Soddemann und Sabine Kubitza (v. l.) vor dem BGW-Haus im Heeper Ortskern. - © Christian Weische
Von dem Wohnprojekt überzeugt: Oliver Klingelberg, Sabine Beckmann ("gewohnt"), Mitja Brinkkötter, Oliver Soddemann und Sabine Kubitza (v. l.) vor dem BGW-Haus im Heeper Ortskern. | © Christian Weische

Heepen BGW baut für Menschen mit Autismus

An der Salzufler Straße in Heepen entstehen sieben Wohnungen für junge Menschen. Sie sollen zum 1. September einziehen. Der Verein "gewohnt" ist Mieter

Heepen. Sie können sich nur begrenzt in andere hineinversetzen, sind oft stark isoliert und stehen unter Leidensdruck, weil sie zwar an Kontakten interessiert sind, es ihnen aber an sozialem Taktgefühl mangelt: Für Menschen mit Autismus baut die BGW (Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen) derzeit ein Mehrfamilienhaus an der Salzufler Straße 31 in Heepen um. "Das Projekt hat bundesweit Pilotcharakter", sagt BGW-Geschäftsführerin Sabine Kubitza, die am Montag vor Ort war. Einer, der in das Haus mit dem gelben Anstrich einziehen wird, ist Mitja Brinkkötter. Zurzeit wohnt er noch in Babenhausen-Süd, er freut sich jetzt auf die Ein-Zimmer-Wohnung in Heepen. "Bald ist es so weit." Jungen Erwachsenen mit einer Autismus-Spektrum-Störung ein weitgehend selbstbestimmtes Leben außerhalb des Elternhauses oder einer stationären Einrichtung der Behindertenhilfe zu ermöglichen - das ist das Ziel des Wohnprojekts im Heeper Ortskern. Generalmieter des Hauses ist der Verein "gewohnt", der aus einer Elterninitiative hervorgegangen ist. "Wir Eltern haben uns immer schon gefragt, was wir machen, wenn unsere Kinder älter werden", erklärt Oliver Soddemann aus dem Vorstand von "gewohnt" und Vater eines Sohnes mit Autismus. "Denn auch sie wollen auf eigenen Füßen stehen." Die meisten aber würden gar nicht in eine WG ziehen wollen, sagt er, sondern eine eigene Wohnung haben. "Mit geschützter Privatsphäre, wo keiner reinkommt." Also nahm er Kontakt zur BGW auf. Sieben Wohnungen und ein Gemeinschaftsraum entstehen. Angesprochen sind junge Menschen, die von einem Asperger-Syndrom oder einem High-Functioning-Autismus betroffen sind und ein eigenständiges Leben führen wollen. "In Heepen sollen sie so selbstständig wie möglich und ihrem individuellen Betreuungsbedarf entsprechend begleitet in eigenen Wohnungen leben", sagt Oliver Klingelberg, Ansprechpartner im Sozialmanagement der BGW. Aktuell befinden sich in dem Gebäude noch sechs Wohnungen. Die Gesamtwohnfläche von 382 Quadratmetern wird aber derzeit zu vier Zwei-Zimmer-Wohnungen und drei Ein-Zimmer-Apartments mit Wohnflächen zwischen 31 und 62 Quadratmetern umgebaut. Im Erdgeschoss entsteht ein 24 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum. Drei Wohnungen sind sogar schon vergeben. Soddemann: "Der Bedarf ist groß." Anfang 2017 hat die BGW das Gebäude gekauft - ein Ehepaar hatte dort gewohnt, das 2016 in die BGW-Anlage nach dem Bielefelder Modell in direkter Nachbarschaft des Hauses an der Salzufler Straße gezogen war. Ende 2017 war dann mit den Bauarbeiten begonnen worden. 500.000 Euro nimmt die BGW laut Kubitza für die gesamten Renovierungsarbeiten in die Hand.

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