0
Ein türkischer Kneipenwirt ist nach einem Polizeieinsatz in Bielefeld-Brake gestorben. - © Symbolfoto: pixabay
Ein türkischer Kneipenwirt ist nach einem Polizeieinsatz in Bielefeld-Brake gestorben. | © Symbolfoto: pixabay

Bielefeld Tod nach Polizeieinsatz: Türkischer Kneipenwirt starb laut Gutachten an Herzinfarkt

Toxikologisches Gutachten: Rechtsmediziner kommen laut Anwalt der Witwe zu klarem Ergebnis. Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. Hinterbliebene hatten Beamten unverhältnismäßige Härte vorgeworfen

Jens Reichenbach
20.07.2017 | Stand 20.07.2017, 20:41 Uhr
Dennis Rother

Bielefeld. Zur Todesursache des 39-jährigen Türken, der im Oktober 2016 nach einem rigorosen Polizeieinsatz in Brake gestorben war, liegt nun das toxikologische Gutachten vor. Laut den Rechtsmedizinern erlitt der Mann einen Herzinfarkt. Das sagt Peter Wüller, der Anwalt der Witwe. Laut Staatsanwaltschafts-Sprecherin Stefanie Lange wurden die Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen drei damals im Einsatz befindliche Polizisten eingestellt. Der Fall ereignete sich am 15. Oktober. Der Mann hatte in Brake seine Ehefrau besucht, von der er getrennt lebte. Weil er betrunken und im Drogenrausch war, schmiss sie ihn am späten Abend aus der Wohnung. Er protestierte lautstark, Nachbarn riefen die Polizei wegen Ruhestörung. Mann tobt im Drogenrausch - Situation eskaliert Dann eskalierte die Situation: Der 39-Jährige brüllte, tobte und randalierte, die Einsatzkräfte schlugen ihm ins Gesicht, setzten Pfefferspray ein. Lange lag er gefesselt auf dem Bauch. Auf der Fahrt ins Krankenhaus wurde er sechs Mal wiederbelebt, im Krankenhaus starb der Mann. 34 Stunden nach seiner Festnahme wurde er für tot erklärt. Bei der Obduktion wurden Hämatome im Gesicht sowie Abschürfungen und Schnittwunden durch Kabelbinder an den Hand- und Fußgelenken gefunden. Todesursächlich waren die Gewalteinwirkungen aber nicht, hieß es. Augenzeugen erzürnt über Polizeiverhalten Der Fall schlug in türkischen Medien Wellen. Hinterbliebene warfen der Polizei unverhältnismäßige Härte vor. Die Witwe des zweifachen Vaters stellte Strafanzeige. Zudem soll sich ein Polizist laut Augenzeugen abschätzig geäußert haben, als der 39-Jährige nach Allah rief. Bielefelds Polizeipräsidentin Katharina Giere betonte indes, dass es um den Schutz eines zweijährigen Mädchens gegangen sei. Das Kind habe sich beim Eintreffen der Polizei alleine mit dem Mann in der Wohnung befunden, die Mutter habe die Wohnung verlassen gehabt. „Eine möglicherweise lebensgefährliche Situation."

realisiert durch evolver group