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Der ehemalige Tierarzt kann seine Sichtung nicht belegen. Experten halten jedoch für möglich, dass einzelne Wölfe inzwischen bis nach Bielefeld gewandert sind. - © dpa
Der ehemalige Tierarzt kann seine Sichtung nicht belegen. Experten halten jedoch für möglich, dass einzelne Wölfe inzwischen bis nach Bielefeld gewandert sind. | © dpa

Bielefeld Sensation: Ehemaliger Veterinär gibt Wolf-Sichtung in Bielefeld-Heepen an

Außergewöhnlich: Georg Westerhoff will das Tier 15 Meter von ihm entfernt in seinem Garten identifiziert haben, kann aber keine Beweise vorlegen. Dennoch halten Experten die Sichtung für möglich

Stefan Gerold
03.01.2017 | Stand 04.01.2017, 06:07 Uhr |

Bielefeld. Die Lokalredaktion erreichen täglich Meldungen über vermeintlich kuriose oder außergewöhnliche Ereignisse in der Stadt. Unsere Aufgabe ist es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wir recherchieren die Quellen, bewerten Informationen und machen daraus Nachrichten für die Öffentlichkeit. Doch was, wenn nun jemand einen Wolf mitten in Heepen gesehen haben will? Denn der letzte Wolf, so Naturkunde-Museumsleiterin Isolde Wrazidlo, sei in der Gegend um Bielefeld im 18. Jahrhundert geschossen worden. Doch Georg Westerhoff ist sich sicher: „Ich bin festen Glaubens: das war ein Wolf." Das ist schnell behauptet, aber Westerhoff (86) ist Doktor der Veterinärmedizin. Zudem hat der ehemalige Jäger bei seinen Reisen nach Sibirien, Rumänien, Finnland oder Kasachstan Wölfe in freier Wildbahn gesehen. Und nun in seinem Garten. Schon im Oktober, so Westerhoff habe er allerdings bei mäßigen Lichtverhältnissen vom Wohnzimmerfenster aus gesehen, wie ein Wolf seinen Garten querte. Eine überzeugende Bestätigung für seinen Verdacht habe er am 27. Dezember erhalten. „Um die Mittagszeit bei bestem Tageslicht sah ich etwa 15 Meter von meiner Terrasse entfernt ohne jegliche Deckung ein ausgestreckt ruhendes Tier in der Fellfärbung und Köpergröße eines Deutschen Schäferhundes. Als es sich dann unbefangen wälzte und auf den Läufen kräftig schüttelte, konnte ich eindeutig typische Wolfsmerkmale identifizieren. Unter anderem konnte ich wiederholt deutlich seine im Unterschied zu Schäferhunden charakteristisch lange und buschige Rute erkennen." Westerhoff lebt auf dem Meierhof an der Heeper Straße, der von einer nur wenig Wasser führenden Gräfte, ein Wassergraben ursprünglich zu Verteidigungszwecken, umgeben ist. Dahinter erstreckt sich mit dem Heeperholz ein größeres Waldgebiet, dass von Lutter und Baderbach durchzogen ist. „Als ich die Terassentür öffnete, um den Wolf näher zu betrachten, verschwand das Tier zögernd Richtung Gräfte, tauchte aber unbekümmert im niedrigen Bewuchs der Gegenböschung wieder auf und entfernte sich dann langsam in den Wald." Eine tolle Geschichte, doch es gilt nur das Wort von Westerhoff. Einen Fotoapparat hatte er auf die Schnelle nicht bereit und Abdrücke des Wolfes auf dem Rasen oder am Gewässerrand konnte der Veterinär nicht auswerten. Doch was sagen die Experten? „Der Wolf ist im Kommen, das wissen wir alle. Ich will die Sichtung nicht ausschließen, möglich ist alles. Es wird der Tag kommen, wo sich ein Wolf Bielefeld nähert", so Thomas Busche, Abschnittsleiter Forsten beim Umweltbetrieb. Doch so lange kein Foto oder der Abdruck einer Wolfstatze vorlägen, ließe sich schwer etwas zu Westerhoffs Sichtung sagen. „Denkbar ist es", so Dieter Wortmeier, im Forstamt OWL für das Thema Wolf zuständiger Revierförster. „In Niedersachsen gibt es gerade mal 120 Kilometer von hier acht oder neun nachgewiesene Rudel. Wenn man bedenkt, dass ein Wolf 50 bis 80 Kilometer pro Nacht läuft, kann der auch in Bielefeld auftauchen." Im April vergangenen Jahres hat ein Wolf vor laufender Kamera bei Barntrup eine Ziege gerissen – 40 Kilometer von Heepen entfernt.

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