Versorgte Tausende Haushalte: Bei einem Durchmesser von 53 Metern und einer Höhe von bis zu 40 Metern fasste der Speicher in Spitzenzeiten 60.000 Kubikmeter Erdgas. - © Foto: Björn Leisten
Versorgte Tausende Haushalte: Bei einem Durchmesser von 53 Metern und einer Höhe von bis zu 40 Metern fasste der Speicher in Spitzenzeiten 60.000 Kubikmeter Erdgas. | © Foto: Björn Leisten

Heepen Ende des Gasometers

Stadtwerke bauen 40 Meter hohen Speicher ab

Björn Leisten

Heepen. 77 Jahre diente der nahe der Eckendorfer Straße am Walkenweg gelegene Gasbehälter an besonders kalten Tagen zur Versorgung tausender Bielefelder Haushalte. Nun soll der nicht mehr genutzte Speicher abgebaut werden. Durch eine Umstrukturierung des Erdgasnetzes wird die Anlage nicht mehr benötigt. Die Stadtwerke nutzten den Behälter in der Vergangenheit zum Einlagern von Erdgas, das als Puffer in Zeiten besonders hohen Verbrauchs diente. Zur damaligen Zeit war das betriebswirtschaftlich noch sinnvoll, da Gasbezugspreise bei erhöhter oder sinkender Nachfrage sehr unterschiedlich waren. Mithilfe des Speichers wurden die Preise für den Endverbraucher auf gleichmäßigem Niveau gehalten. Von der Eckendorfer Straße aus ist zurzeit lediglich der obere Teil des etwa 40 Meter hohen Gerüsts sichtbar. Nur die obersten Sprossen ragen über die Bäume des Waldes am Finkenbach hinaus. Dass statt des eigentlichen Behälters in den vergangenen Jahren nur noch das Gerüst zu sehen war, liegt an der Funktionsweise des sogenannten Teleskopgasometers. An dem Gerüst befinden sich Führungsschienen, an denen sich die Hubteile, bestehend aus drei Ringen und einem Glockendach, auf und ab bewegten. Je nach Menge des produzierten Gases, das in den Gasometer geleitet wurde, hoben sich die Hubteile nach oben. Das Volumen vergrößerte sich entsprechend. Sobald in der Stadt mehr Gas verbraucht oder die Gasproduktion reguliert wurde, sank die Glocke wieder. Damit während den Bewegungen an den Übergängen der Ringe kein Gas austreten kann, ist der Gasometer mit Wasserbecken abgedichtet. Der 1936 in Betrieb genommene Behälter hat nach Information der Stadtwerke ein Fassungsvermögen von bis zu 60.000 Kubikmetern. Rund 11.000 Haushalte in Bielefeld konnten damit bei durchschnittlichem Verbrauch einen Tag lang versorgt werden. In den letzten Jahren hat sich der Gasmarkt jedoch liberalisiert. Die Stadtwerke kaufen Gas kurzfristiger und müssen weniger zwischenspeichern. Daher wurde der Behälter bereits seit 2013 nicht mehr genutzt. Um hohe Instandhaltungskosten zu verhindern, wird der Behälter seit vergangenem Montag abgebaut. Dazu wird der Behälter zunächst komplett von allen Betriebsstoffen geleert und anschließend das Gerüst demontiert. Bis Frühjahr 2016 sollen die Bauarbeiten andauern. Wofür das Gelände anschließend genutzt werden soll, ist zurzeit noch nicht geklärt.

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