...auf das Wohnhaus von Rolf Krames gestürzt. Äste und Stamm haben Scheiben zersplittern lassen und Teile des Dachs eingedrückt. - © Jens Reichenbach
...auf das Wohnhaus von Rolf Krames gestürzt. Äste und Stamm haben Scheiben zersplittern lassen und Teile des Dachs eingedrückt. | © Jens Reichenbach

Bielefeld 20-Meter-Buche stürzt auf Bielefelder Haus

Dort wo Rolf Krames eigentlich mit Freunden den Geburtstag seiner Frau feiern wollte, landete am Sonntag ein mächtiger Stamm. Aus dem Botanischen Garten.

Jens Reichenbach
28.05.2019 | Stand 28.05.2019, 09:41 Uhr |

Bielefeld. Für den Bielefelder Rolf Krames (78) war der Geburtstag seiner Frau ein ganz besonderer. Nicht nur, weil das Ehepaar am Sonntag viele Freunde zu diesem Anlass begrüßen konnte, sondern auch, weil zeitgleich eine knapp 20 Meter große Buche aus dem Botanischen Garten der Länge nach auf dem Balkon des Ehepaars einschlug. „Eigentlich wollten wir auf dieser Terrasse Geburtstag feiern", berichtet Krames einen Tag danach. „Wir rechneten mit 15 Gästen. Weil ganz kurzfristig noch zwei zugesagt hatten, haben wir uns entschieden, doch in ein Restaurant auszuweichen. Wären wir geblieben, hätte es sonst Tote gegeben. Ich nenne das Fügung." Mehrere Scheiben eingeschlagen, das Dach eingedrückt, Regenrinnen und Jalousien heruntergerissen Krames, der seit Jahren direkter Anlieger des Botanischen Gartens ist, erinnert sich: „Es war 15.45 Uhr, als wir anstoßen wollten. Aber ein Ehepaar hatte sich ein wenig verfahren." Als sein Handy klingelte, dachte der 78-Jährige, die Freunde wollten nach dem Weg fragen. "Aber es war mein Nachbar, der mir berichtete, dass ein Baum direkt auf mein Haus gestürzt ist." Während die besorgte Geburtstagsgesellschaft zurückblieb, eilte Krames zu seinem Haus. Der knapp 20 Meter hohe Stamm hatte das Haus zum Glück nicht voll getroffen, trotzdem hatte die etwa 15 Meter große Baumkrone mehrere Scheiben eingeschlagen, das Dach an verschiedenen Stellen eingedrückt sowie Regenrinnen und Jalousien heruntergerissen. Kein Sturm, trotzdem knickte die Buche einfach um Dort, wo die Gäste seiner Frau gesessen hätten, lag der oberen Teil des Stammes. Die zur Hilfe gerufene Feuerwehr besah sich den Schaden und entschied, dass das Gebäude weiter bewohnbar sei. Anschließend rückten die Retter wieder ab. Der Umweltbetrieb entschied nach einem ersten Ortstermin am Montag, dass die große Buche am Dienstag von Dach und Terrasse entfernt werden soll. Doch wie konnte der Baum umstürzen? Zwar war am Sonntagnachmittag stärkerer Wind spürbar, aber Böen, die einen Baum zum Stürzen bringen können, waren es längst nicht. Michael Koch, Sprecher des Umweltbetriebs, erklärt: „Die Buche war nach außen hin ein äußerst vitaler Baum. Trotzdem war der Stamm in der Erde verfault." Die Baumexperten des Umweltbetriebes gehen davon aus, dass ein Pilz den unterirdischen Schaden ausgelöst haben dürfte. „Der Pilz hat eine sogenannte Weißfäule im Wurzelbereich ausgelöst." Verfaulte Wurzeln bei Sichtkontrollen nicht zu sehen Alle städtischen Bäume werden regelmäßig von Baumkontrolleuren abgegangen und gesichtet. „Es ist aber immer nur eine Sichtkontrolle", erklärt Koch. "Erst wenn ein Baum äußerliche Anzeichen für eine Schädigung zeigt, werden tiefergehende Analysen in Auftrag gegeben." Die verfaulte Basis sei im Fall der nun umgestürzten Buche aber nicht erkennbar gewesen. Eine erste Schätzung zu den Schäden am Haus gibt es bisher nicht. Laut Koch müsse dafür erst ein Gutachter beauftragt werden. Rolf Krames geht von einem Schaden im fünfstelligen Bereich aus. Der 78-Jährige indes fuhr nach dem ersten Schreck anschließend zurück zu seiner Frau und ihrem Gästen, um unbeschwert weiterzufeiern: „Ich habe einen Zirkus geleitet. So etwas kann mich nicht schocken. Unsere Gäste waren deutlich aufgeregter." In Zukunft werden sie alle an diesem Tag etwas zu feiern haben: eine ganz besondere Erfahrung von Glück.

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