Offene Brustverletztung: Im Erdgeschoss des Kinderzentrums kümmern sich Rettungsdienst und Klinikmitarbeiter auf provisorisch aufgestellten Betten um die Erstversorgung der Geretteten. Danach werden sie in andere Krankenhäuser gebracht. - © Sarah Jonek
Offene Brustverletztung: Im Erdgeschoss des Kinderzentrums kümmern sich Rettungsdienst und Klinikmitarbeiter auf provisorisch aufgestellten Betten um die Erstversorgung der Geretteten. Danach werden sie in andere Krankenhäuser gebracht. | © Sarah Jonek

Bieleleld Riesenübung der Feuerwehr: Was tun, wenn's in Bethels Kinderzentrum brennt?

Großübung: Feuerwehr, Rettungskräfte und Klinikum testen Notfallpläne und Abläufe. Eine Verpuffung löst Großalarm aus

Bielefeld. Brand in einem Krankenhaus - das gehört wohl zu den schlimmsten Einsätzen für Feuerwehr und Rettungsdienste. Auch für die Klinik-Mitarbeiter ist ein solches Szenario ein Alptraum. Für den Ernstfall gibt es eine ganze Reihe von Notfallplänen, Konzepten, fest geregelten Abläufe. Damit die gut ineinandergreifen, alle wissen, was sie zu tun haben und auch kleine "Pannen" - abgeschlossene Räume, fehlende Schüssel, Funklöcher, nicht funktionierend eKugelschreiber - vermieden werden, haben Feuerwehr, Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und das Evangelische Klinikum Bethel am Samstagmorgen eine Großübung veranstaltet. "Meist sind es die banalen Dinge, bei denen es hakt", sagt Feuerwehrchef Hans-Dieter Mühlenweg. Realistisch geschminkte "Unfallpatienten" Kurz vor 10 Uhr: Station 1 im Haus 1 des Kinderzentrums Bethel ist eigentlich leer geräumt. Das Gebäude soll wegen des geplanten Neubaus entkernt und abgerissen werden. Ein ideales Setting für die Großübung. In den Krankenhausbetten liegen zwölf realistisch geschminkte "Unfallpatienten" der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Paderborn mit "starken Schmerzen, Übelkeit, Kollapsneigung, offenen Brustwunden". Zwei weitere Patienten, von großen Puppen dargestellt, müssen intensivmedizinisch behandelt und beatment werden. Gleichzeitig sind Handwerker vor Ort, der zweite Fluchtweg ist wegen der Bauarbeiten versperrt. Plötzlich kommt es zu einer Verpuffung. Feuer bricht aus, die Station füllt sich mit Rauch. Feuerwehr ist zwei Minuten später vor Ort Nur zwei Minuten später ist die Feuerwehr vor Ort. Die Leitstelle alarmiert gemäß dem Stichwort "Feuer Krankenhaus/Heime" zusätzliche Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst. Auch die Hilfsorganisationen - Rotes Kreuz, Johanniter Unfallhilfe, Arbeiter-Samariter-Bund -  werden alarmiert: Das Rettungskonzept "Massenanfall von Verletzten" läuft an. 800 Klinik-Mitarbeiter werden alarmiert Parallel startet die Notfallplanung des Klinikums Bethel: Über Vollalarm werden rund 800 Mitarbeiter alarmiert, um ausreichend Hilfe für die Versorgung der Patienten zur Verfügung zu haben. Auch die Mitglieder der Klinikum-Geschäftsführung werden nach Gilead gerufen. Im großen Sitzungszimmer in Gilead 1 übernehmen der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Unfallchirurgie Bethel, Thomas Vordemvenne, und die Vorsitzende Geschäftsführerin des evangelischen Klinikums Bethel, Maren Thäter, mit ihrem Team die Koordination der verschiedenen Abläufe. Sind genügend Mitarbeiter eingetroffen? Gibt es ausreichend Plätze für die Verletzten? Ist genügend Ausrüstung und Verpflegung da? Der Strom ist ausgefallen Im Kinderzentrum ist inzwischen der Strom ausgefallen. Die Patienten müssen daher durch den Rettungsdienst auf andere Krankenhäuser verteilt werden. Dafür gibt es das "Ticketsystem", das genau festlegt, welcher Patient wo hinkommt. Auch die Notaufnahme von Gilead I ist in die Übung eingebunden und bekommt über die Tickets Patienten zugewiesen. Alle anderen werden in ein fiktives Krankenhaus, in die Feuerwehrwache in Gadderbaum, gebracht. Vor ihrem Abtransport werden sie im Erdgeschoss des Kinderzentrums notversorgt. Schwachstellen und Abweichungen notiert An der Übung nehmen rund 80 Mitarbeiter des Klinikums, 40 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen und 50 der Berufs- und der Freiwilligen Feuerwehr mit 28 Fahrzeugen sowie 22 Beobachtern teil. Letztere notieren Schwachstellen und Abweichungen, schauen, ob die Übungsziele erfüllt werden. Um 14 Uhr ist alles vorbei. Zeit für eine kleine Verpflegung und eine kurze Nachbesprechung. Alle sind froh, das es keine richtiges Feuer war. Die endgültige Auswertung wird noch einige Wochen dauern.

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