Mächtige alte Buchen sind zur Gefahr geworden. - © Kurt Ehmke
Mächtige alte Buchen sind zur Gefahr geworden. | © Kurt Ehmke

Bielefeld 184 Jahre alt: Mächtige Buchen fallen am Bielefelder Johannisberg

Bürger verärgert: Sie beklagen die große Fällaktion, doch die Stadt benennt gute Gründe für die Arbeiten. Die Buchen seien sehr alt, die Sicherheit für Menschen nicht mehr gegeben. Zwei Vorfälle gab es bereits

Kurt Ehmke
26.02.2019 | Stand 25.02.2019, 18:26 Uhr

Bielefeld. Harsche Kritik üben Bürger an den seit zwei Wochen laufenden Baumfällaktionen oberhalb des Johannistals am Johannisberg. Auch auf der Seite zum OWD hin werden Bäume gefällt. Am meisten aber wird im Süden des Gebiets gearbeitet. Hier, wo die Stadt große Buchen fällt, finde „eine beispiellose Abholzaktion statt", schreiben der Redaktion André Kynast und Beate Reckmeyer, die beide auch am Johannisberg leben. "Schneisen in den Wald geschlagen" Sie kritisieren: „An manchen Stellen wurden Schneisen in den Wald geschlagen, der Waldboden wird großflächig aufgerissen und es wurden an mehreren Stellen Wege mitten durch den intakten Wald planiert, um die Baumstämme heraus zu ziehen." Und tatsächlich sieht es vor Ort teilweise drastisch aus. Ein Rentner, der vorbeikommt und die Frühlingssonne genießen will, kommentiert den Eindruck, den der Wald hier in diesen Tagen macht, mit „wie auf dem Schlachtfeld". Johannistal phasenweise gesperrt Oben, auf dem Parkplatz am Kletterpark, steht schweres Gerät. Trecker, die für die Baumfällaktion benötigt werden. Im Wald knattern die Motorsägen, unten, am Johannistal, wird phasenweise für einige Minuten sogar die Straße gesperrt. Wer dann den Motor ausmacht, hört plötzlich und unvermittelt ein mächtiges Krachen und Donnern im Wald – und eine Buche stürzt zur Seite, gefällt. "Warum wird Lebensraum zerstört?" Die beiden Anwohner jedenfalls sind bestürzt, denn: „Wir konnten hier schon Rehe, Hasen, einen Dachs, viele Vogelarten, darunter auch Spechte und Raubvögel, beobachten – und sogar einen Uhu gibt es hier." Sie fragen, auch mit Blick auf weitere markierte Bäume: „Warum wird der Lebensraum dieser Tiere in diesem Maße zerstört?" Der Stadtförster gibt Antworten Antwort gibt Stadtförster Herbert Linnemann. Ihm ist bewusst, dass das Bäumefällen Fragen aufwirft – aber er sieht gute Gründe für die Aktion. „Die Buchen auf diesen 8,8 Hektar Fläche am Johannisberg zwischen OWD und Johannistal sind 184 Jahre alt, einige dürften sogar noch älter sein." Buchen haben ein enormes Alter Das sei für Buchen ein enormes Alter – längst würden sie in diesem Alter vergreisen und zu Fragmenten von Bäumen werden. Folge: Zwiesel (Zwillingswuchs), die auseinanderbrechen können und Weiß-Fäule (Pilzerkrankung). Die Trockenheit aus 2018 habe den sogenannten Schleimfluss gefördert, der wiederum Pilzen den Weg in den Baum geebnet habe. Und so müssten viele Buchen fallen – aus Gründen der Verkehrssicherheit. Besonders genau schaue die Stadt entlang von Wegen und Straßen hin. Zuletzt stürzten zwei Bäume auf die Straße Aus gutem Grund: In den vergangenen Jahren sind zwei mächtige Buchen marode auf die Straße Johannistal gestürzt – „zum Glück gab es keinen Personenschaden", sagt Linnemann. Stadt reagiert nun für mehr Sicherheit Nun also, nach vielen Jahren ohne größere Fällungen, reagiert die Stadt. Bis Ende der Woche geht es weiter, es sollen dann 40 bis 50 große Bäume gefällt worden sein. Aber auch einige kleinere, so vom Rußrindenpilz befallene Ahorne und vom Eschentriebsterben bedrohte Eschen. Der Wald leidet - aber so wenig wie möglich Dass dabei der Wald leidet, ist klar. Aber, so Linnemann, es werde versucht, den Schaden so klein wie möglich zu halten. Eine 100 Meter lange neue Fahrgasse habe gebaut werden müssen, hinzu komme unterhalb des Parkplatzes am Johannisberg ein alter, kaum noch genutzter Weg, der neu aufgeschottert und auch wieder „glattgezogen" worden sei. Bis zu zehn Tonnen schwere Buchen Da die Buchen bis zu zehn Tonnen schwer seien, so Linnemann, sei die ökologisch pfleglichere Arbeit mit Rückepferden „leider nicht möglich – das schaffen die nicht". Viel Totholz soll bewusst im Wald bleiben Linnemann weist darauf hin, dass bewusst große Totholzstämme liegen blieben – und auch „stehendes Totholz erhalten bleibt, da, wo es von der Sicherheit her zu vertreten ist". Der Uhu sei tatsächlich öfters am Johannisberg, doch er lebe und brüte im Bereich des Kahlen Berges gegenüber.

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