Gadderbaum Die Kirche Sankt Pius wird abgerissen

Abriss: Die Kirche Sankt Pius wird entweiht. Neben dem Heim St. Pius entstehen 23 Appartements für ältere Menschen. Gottesdienste gibt es weiterhin in der Marienkapelle

Felix Boche

Gadderbaum. Was viele Gemeindemitglieder schon ahnten, ist jetzt beschlossen. Die Kirche Sankt Pius am Piusweg wird im nächsten Jahr entweiht, die Reliquien und Kunstwerke werden ausgebaut und nach Erteilung der Bistums- und Baugenehmigung abgerissen. "Der Gottesdienst wird nicht eingestellt, sondern nur verlegt", sagt Pfarrer Norbert Nacke. Die Messen dienstags und donnerstags sowie die Hauptmesse am Samstagabend finden bereits in der Marienkapelle im Heim St. Pius statt. Das Kirchengebäude aufzugeben sei bereits im letzten Jahr angedacht gewesen. Problematisch sei die Beheizung in der dunklen Jahreszeit, begründet Nacke den jetzigen Einschnitt. Ein Aufheizen für den Wochenendgottesdienst dauere zwölf Stunden und koste knapp 150 Euro. "Für 20 bis 30 Kirchengänger steht das in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr", sagt Nacke. "Die Gemeindemitglieder sehen es zwar mit Wehmut, aber nicht mit Unmut", berichten Hans Otting und Joachim Fellmer vom Vorstand. Denn das Gemeindeleben spiele sich schon lange im Heim ab. "Seit einigen Jahren gibt es eine Verschiebung: Die Arbeit in der Kirche wird weniger, das Heim wertet wieder auf", so Leiter Klaus-Dieter Heinrich. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden seniorengerechte Lebensräume gefragter. Es komme auf barrierefreien Wohnraum an, in dem die Senioren dennoch eigenständig bleiben und nur auf Wunsch sogenannte Module hinzubuchen können. "Service-Wohnen" ist das Stichwort, das Architekt Karsten Schlattmeier nennt. Die neu errichteten Appartements werden als Mietwohnungen vom Heim St. Pius angeboten und können um Pflegeangebote erweitert werden. Die Nähe zum Heim gibt den Bewohnern Sicherheit. "Im Notfall ist Hilfe in der Nähe", sagt Heinrich. Das flexible Baukonzept sieht neben den Wohnungen auch eine Arztpraxis, Physiotherapie und Räume für den Pflegedienst vor. Die Gemeinderäume im Heim bleiben erhalten und werden durch Gemeinschaftsräume im neuen Wohngebäude erweitert. "Die ärztliche Abdeckung ist durch das Gesundheitszentrum in der Deckertstraße sehr gut", sagt Heinrich. Die Innenhöfe der Gebäude will Schlattmeier durch Sichtachsen miteinander verbinden. Die Glaskunst aus der Kirche wird in sechs Metern Höhe im Innenhof der neuen Wohnanlage an Seilen aufgehängt. Ebenso soll das Mosaik aus dem Altarraum auf die neue Fassade übertragen werden. Dafür ist die Gemeinde jedoch auf Sponsoren angewiesen. Pius will die Orgel, die die Gemeinde 1973 von St. Jodokus übernommen hat, jetzt verschenken. "Wenn jemand Interesse hat, soll er sich melden", sagt Nacke. Was aus den Glocken wird, ist ungewiss. Eine Gemeinde aus Dessau hat Interesse an Teilen des Inventars geäußert. Ein Kreuzgang könnte im Außenbereich realisiert werden. Der katholische Pfarrverbund Mitte-Nord-West zählt derzeit 20.413 Mitglieder, die Piusgemeinde nur noch 1.377 Mitglieder. Viele Gadderbaumer besuchen die restaurierte Jodokusgemeinde.

realisiert durch evolver group