Ein herrliches Stück Rasen: Jugendwart Jörg Steinbrück vom SV Gadderbaum sitzt auf einem Fleckchen Grün am Dreesgen und wirbt dafür, diesen Quadratmeter symbolisch zu erwerben. Das Geld fließt in den Erhalt des Platzes, die Jugend- und Flüchtlingsarbeit. - © Kurt Ehmke
Ein herrliches Stück Rasen: Jugendwart Jörg Steinbrück vom SV Gadderbaum sitzt auf einem Fleckchen Grün am Dreesgen und wirbt dafür, diesen Quadratmeter symbolisch zu erwerben. Das Geld fließt in den Erhalt des Platzes, die Jugend- und Flüchtlingsarbeit. | © Kurt Ehmke

Gadderbaum SV Gadderbaum sucht Rasenpaten

Rettungsversuch für Dreesgen: Der SV Gadderbaum will seinen angestammten Platz behalten. Fast 250 Jugendliche kicken hier. Flüchtlingskooperation mit Bethel

Kurt Ehmke

Gadderbaum. Gut die Hälfte der Schonzeit ist um - und so macht sich der SV Gadderbaum wieder Sorgen um seinen angestammten Sportplatz, den Dreesgen. Das satte Naturgrün unterhalb der Grenze zwischen Gadderbaum und Brackwede stand vor gut zweieinhalb Jahren zur Disposition, und der Verein kämpfte um den Platz, den er als seine sportliche Heimat empfindet. Damals sollte im Zuge der städtischen Sparpläne der Platz aufgegeben werden - und viele unkten mit Blick aufs leere Stadtsäckel, dass die Stadt die Flächen irgendwann als Bebauungsfläche versilbern werde. Bei Baupreisen von bis zu 300 Euro pro Quadratmeter in Gadderbaum eine naheliegende Mutmaßung. Nun will der Verein vorbeugen - und hat den Kampf um den Platz bereits wieder begonnen. Virtuell wurde der Naturrasen in 384 Stücke aufgeteilt. Und jedes Stück kann von Sponsoren für 50 Euro erworben werden, bis zum Stichtag Juni 2018. Natürlich nur rein ideell. Und immerhin schon fast ein Fünftel der Parzellen ist weg - für Fußball-Jugendleiter und Vize-Vereinschef Jörg Steinbrück ein Zeichen des Stellenwertes, den der Platz bei den Gadderbaumern genießt. Viele Sponsoren gaben dabei Geld für gleich mehrere Parzellen. Das Geld - im Idealfall wären es 19.200 Euro - benötigt der Klub dringend, belasten ihn doch gleich mehrere Bereiche. "Wir müssen jedes Jahr 11.000 Euro stemmen, besonders für die Finanzierung des neuen Kunstrasenplatzes im Sportpark sowie jetzt eben für Strom und Abwasser auf dem Dreesgen", sagt Steinbrück. Letzteres zu übernehmen war am Ende der Kompromiss mit der Stadt, der den Gadderbaumern den Dreesgen schließlich doch für weitere fünf Jahre sicherte. "Wir wollen aber nicht immer wieder alle fünf Jahre kämpfen", sagt Steinbrück. Dafür, dass der Dreesgen benötigt wird, führt er vor allem die starke Kinder- und Jugendarbeit des Vereins ins Feld. "Fast 250 Kinder und Jugendliche spielen bei uns Fußball, darunter mittlerweile auch viele Mädchen." Unter den 19 Mannschaften, die vor allem der SV Gadderbaum, im Sportpark aber auch der SuK Canlar ins Rennen schicken, sind 13 Nachwuchsteams. Das ist das Argument, das viele Portemonnaies öffnet, so auch das von Khalifa Abdelhag. Er kaufte gleich zwei virtuelle Sportplatzstücke, er sagt: "Ich habe hier als Trainer geholfen und fühle mich seit Jahren dem Verein sehr eng verbunden - und dann gehört so etwas eben dazu." Er ist auch verantwortlich dafür, dass etliche Flüchtlinge im Verein eine neue Heimat, zumindest sportlich, gefunden haben. Diese Integrationsarbeit hat übrigens auch der Stadtsportbund gewürdigt - mit einem Preisgeld in Höhe von 350 Euro. Und weil sich Steinbrück und sein Klub durch die Nähe zur Ortschaft Bethel auch den von Bodelschwinghschen Stiftungen und deren Jugendhilfe verbunden fühlen, schultert der Verein zurzeit auch noch eine andere Aufgabe: Zehn junge Flüchtlinge, sogenannte "unbegleitete Minderjährige", kicken bereits in der A-Jugend beim SV Gadderbaum. Bethel hat sie aufgenommen und betreut sie. Hinzu kommen mehrere Asylbewerber, die im Verein bei den Senioren mitspielen. "All diese Menschen können natürlich nicht den Vereinsbeitrag in Höhe von 96 Euro pro Jahr zahlen", sagt Steinbrück - und deshalb gibt es auch hier jetzt Patenschaften. "Drei Paten haben wir bereits gefunden", sagt er; durchaus stolz auf das, was im Verein so alles geleistet wird.

realisiert durch evolver group