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Das ist es, das Wasser: Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff traut sich mit den Füßen in den Bohnenbach - Sven Dodenhoff (Stadt) und Bethel-Vorstand Pastor Ulrich Pohl, v. l., belassen es bei einer für sie angemessenen Nähe zum nach oben geholten Bach. - © Kurt Ehmke
Das ist es, das Wasser: Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff traut sich mit den Füßen in den Bohnenbach - Sven Dodenhoff (Stadt) und Bethel-Vorstand Pastor Ulrich Pohl, v. l., belassen es bei einer für sie angemessenen Nähe zum nach oben geholten Bach. | © Kurt Ehmke

Gadderbaum Der Bohnenbach soll wieder an die Luft

Stadtumbau West: Millionenschweres Förderprogramm hilft, in Bethel ein Gewässer wieder an die Luft zu holen. Neue Brücke über Regenrückhaltebecken geschlagen

Kurt Ehmke
01.10.2015 | Stand 30.09.2015, 21:02 Uhr

Gadderbaum. Kalt ist es, kälter als es das Freibad je war. Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff hält die Zehen in den erstmals seit langem wieder oberirdisch fließenden Bohnenbach an der Handwerkerstraße. "Brrrrr", grummelt sie, denkt vielleicht an das in neun Monaten wieder eröffnende und sicher wärmere Freibad - und lacht aber, denn: Der Anlass ist ein großer. Bethel feiert "Wasser marsch!" im Bohnenbachpark Süd. Ein Teil des Baches wurde nach oben geholt, plätschert nun zwischen Felsbrocken langsam Richtung Dankort. Die Menge, die jetzt fließt, ist laut Klaus-Ulrich Sprenger vom Wasserbetrieb Bethel "die, die hier normalerweise zu sehen sein wird". Nach starken Regenfällen werde es aber auch einmal richtig stark strömen, "und im Sommer kann es auch mal ganz wenig werden". Aber normal sei es die jetzt zu beobachtende Menge. Sprenger ist froh, dass nun endlich mehr als nur Konturen des neuen Parkes zu sehen sind; auch die 54 Meter lange Brücke über das Regenrückhaltebecken ist fast fertig und erlaubt den Blick in das Becken, das noch mit einer Rasenaussaat begrünt wird. "Ein paar Weiden werden auch noch in das Becken gepflanzt", sagt Sprenger. Und er verweist auf ein kleines, nur gut fußballgroßes Loch: "Das ist der Abfluss." Schließlich soll bei Starkregen das Wasser im Becken auch aufgehalten und gestaut werden. Eine Schließklappe gibt es auch noch. Sprengers oberster Chef, Bethel-Vorstand Pastor Ulrich Pohl, zeigte sich gestern angetan vom Park und vom plätschernden, klaren Wasser: "Nachdem ich teilweise gefragt wurde, ob eine Panzerkolonne hier durchgefahren sei, ist nun deutlich zu sehen, warum hier so viel gearbeitet wurde." Pohl: "Das ist eine enorme Verbesserung für die Ortschaft." Der zentrale Bereich wird aufgewertet durch einen Park, dessen zweiter Abschnitt, der "Bohnenbachpark Nord", bereits ebenfalls angepackt worden ist. Unter dem Strich sollen 6,2 Millionen Euro aus Fördermitteln in den sogenannten Stadtumbau West mit den beiden Park-Abschnitten sowie Platz-, Straßen- und Strukturveränderungen in Bethel fließen - zuzüglich jeweils einer halben Million Euro von Stadt und Bethel. All das bis 2017. Dass nun das Wasser fließt, würdigte entsprechend auch Sven Dodenhoff von der Stadt: "Es ist schon eine Besonderheit, dass hier die Stadt und Bethel kooperieren mitten im Ortschaftsgebiet." Er ahnt, dass das sichtbare Wasser "Emotionen freisetzen wird". Dodenhoff: "Wasser hat eine große emotionale Qualität - deshalb dürfte es für viele eine große Freude sein, dass der Bohnenbach endlich wieder sichtbar durch Bethel fließt". Der Weg dorthin war ein weiter: Seit 2008 wird geplant, und Ortschaftsreferent Fred Müller sagt: "Es war oft ein echtes Ringen darum, dass am Ende auch wirklich etwas Gutes dabei herauskommt." Dass dem so ist, fanden gestern am Bach viele, so auch Pfaff: Sie las ein Gedicht vor, in dem es um die ganz eigene Welt in Gewässern geht, eine Welt, so eigen, dass der Mensch sie kaum verstehen könne. Aber: Respektieren solle er sie.

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