Bielefeld Ein Streichelzoo voll Achtbeiner - Ausstellung mit seltenen Insekten

Besucher staunen über die größte lebende Vogelspinne der Welt / Ausstellung seltener Insekten in der Neuen Schmiede

Felix Boche

Bielefeld. Eine Wanderausstellung mit 200 lebenden Tierarten, darunter Skorpione, Hundertfüßler, Tausendfüßler und Vogelspinnen, hat am Wochenende die Neue Schmiede besucht. Vor allem aus südamerikanischen Ländern wie Venezuela, Brasilien und Chile kämen die Tiere, mit denen man hierzulande seltener Kontakt hat. „Viele Besucher rufen mich aufgrund ihrer Spinnenphobie vorher an und erkundigen sich nach der Ausstellung“, erzählt  Veranstalter Renaldo Neigert. Er nimmt sich dann etwas abseits der Ausstellung Zeit, um langsam an einer Überwindung der Phobie zu arbeiten. „Infos über die Spinne und ihre Anatomie sind dabei wichtig“, sagt Neigert. Erst wenn die Besucher sich gut informiert fühlen, geht er einen Schritt weiter und lässt sie die Vogelspinne berühren. „Zu 95 Prozent schaffe ich es die Angst zu nehmen“, sagt Neigert. Die Angst bestünde bei den Menschen schon seit Jahrhunderten, weil die Tiere in unseren Lebensräumen selten sind und es wenig Kontaktpunkte zu ihnen gibt. „Theraphose Blondi“ ist der Name der weltweit größten Vogelspinne, die auch auf der Ausstellung vertreten ist. „Mit bis zu 30 Zentimetern kann sie so groß werden wie ein Pizzateller“, sagt Neigert. Aus Artenschutzgründen dürfe sie nicht mehr importiert werden, weshalb die Preise sehr stark gestiegen seien. In Deutschland verkaufe niemand seine echten Vogelspinnen dieser Art, um sie weiter zu verpaaren. Neigert hat daher eine Nachzucht dabei, die noch nicht vollständig ausgewachsen ist. Bea-Yvette Koziel und Sascha Wegener kaufen sogar eine Vogelspinne auf der Ausstellung. „Es ist spontan und mal etwas anderes“, sagt Koziel, die zu Hause bereits viele Tierarten hat. Die drei- und sechsjährigen Kinder hätten mit der achtbeinigen Spielgefährtin keine Probleme. Neigert ist es wichtig, dass er nur ungefährliche Tiere abgibt. Ab und zu stünden welche zum Verkauf. Renaldo Neigert hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Mit 16 Jahren hat er bereits eine brasilianische Riesenvogelspinne geschenkt bekommen, damit hat alles angefangen. Auf einer Messe in Salzburg hat er dann endgültig sein Interesse für die Spinnen- und Insektenhaltung entdeckt. Gemäß dem Tierschutzgesetz hat der 35-jährige die „Erlaubnis für die Ausstellung wirbelloser Tiere“ in vielen Schulungen erworben und die Prüfung im Tiergarten Nürnberg abgelegt. Spinnen seien Lauerjäger, sie hätten kein Jagdrevier und seien relativ unproblematisch zu halten. 85 Prozent Luftfeuchtigkeit und 22 Grad Temperatur ist der Standard in seinem Transporter. Einige bräuchten darüber hinaus besonders hohe Temperaturen und eine noch höhere Luftfeuchtigkeit. Die Vogelspinnen könnten bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen, weshalb sich Familien für die Urlaubszeit keine Gedanken machen brauchen.

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