Freuen sich auf den Kunstrasen: Noch trainieren die Nachwuchskicker der E-Jugend des TuS Hoberge eifrig auf ihrem alten Ascheplatz an der Bergstraße - und halten da den Ball hoch. Im Sommer staubt?s dabei oft ganz schön. - © Ivonne Michel
Freuen sich auf den Kunstrasen: Noch trainieren die Nachwuchskicker der E-Jugend des TuS Hoberge eifrig auf ihrem alten Ascheplatz an der Bergstraße - und halten da den Ball hoch. Im Sommer staubt?s dabei oft ganz schön. | © Ivonne Michel

Hoberge Bielefeld verlangt 45.000 Euro für Grünpflege eines Kunstrasen-Platzes

Der TuS Hoberge will einen alten Ascheplatz modernisieren und viel Geld in ein Kunstrasen-Feld investieren. Allerdings soll der Klub einen fünfstelligen Betrag im Jahr für die Platzpflege zahlen. Dieses Problem kritisiert die FDP schon lange

Carsten Heil

Hoberge. Der kleine TuS Hoberge hat Großes vor. Der Verein mit nur 300 Mitgliedern will seinen alten Asche-Sportplatz an der Bergstraße flottmachen und mit Kunstrasen ausstatten. Rund 400.000 Euro muss er dafür veranschlagen. Der Grund und Boden gehört jedoch der Stadt. Mit dem Sportamt hat eine Abordnung des Vereins schon verhandelt - und eine Überraschung erlebt. Eigentlich sollte der Platz nach Plänen der Stadt schon vor fünf Jahren stillgelegt werden. Nur weil der Verein sich bereit erklärt hat, die Betriebskosten selbst zu übernehmen, wurde der Nutzungsvertrag um fünf Jahre verlängert. Inzwischen haben die Hoberger in das kleine Vereinsheim investiert. Dach und Heizungsanlage wurden erneuert. Jetzt wollen sie mehr. "Wenn wir weiter Fußballspieler aller Altersgruppen haben wollen, brauchen wir einen guten Platz. Da dachten wir an Kunstrasen. Das ist eine Zukunftsfrage für den TuS", sagt Rainer Weil auf Anfrage. Der Vereins-Vorsitzende weiter: "So einfach ist das aber nicht." Dabei liegt es nicht an der hohen Investitionssummer. "Das Geld bekommen wir über Sponsoren zusammen, wir sind da auf gutem Weg." Mit der Stadt ist man noch nicht einig. Vor allem der so genannte Kontrahierungszwang der Stadt und ihrer Eigenbetriebe macht die Gespräche schwierig. Natürlich muss die Stadt als Eigentümer gefragt werden. Beide Seiten, sowohl der Leiter des Sportamtes Joachim Middendorf als auch der Klub, versichern, dass sie einigungsbereit seien. Tücken liegen im Detail und ein Problem Jedoch liegen die Tücken teils im Detail, teils in hohen Geldforderungen des Umweltbetriebes für die anschließende Pflege des Kunstrasen-Platzes. Ein Problem: Es gibt einen Ratsbeschluss der die Nutzungsverträge mit dem Verein auf jeweils fünf Jahre Laufzeit begrenzt. Middendorf: "Ich verstehe, dass der Verein bei einer so großen Investition eine längere Nutzungssicherheit möchte." Das müsse der Rat klären. Das sei aber möglich. Schwieriger scheint das Thema Platzpflege zu sein: Der Umweltbetrieb verlangt pro Jahr 45.000 Euro für die Grünpflege des Kunstrasen-Platzes. Ein hoher Posten für den kleinen Klub. Vereinsmitglieder fragen sich verwundert, wie sich die Höhe erklärt, bei einem Sportplatz, dessen Rasen gar nicht wächst. Der Hersteller solcher Anlagen erklärt der NW, dass sich die Pflegekosten nach der Nutzungsintensität richten, aber zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Jahr liegen. Deutlich weniger als die Preisvorstellungen des Umweltbetriebes. Die lösen beim Hersteller nur Erstaunen aus: "Das wären ja 865 Euro pro Woche!" Sportamtsleiter Middendorf erklärt, dass der Immobilien-Servicebetrieb der Stadt (ISB) die Sportplätze verwaltet: "Der zahlt pro Jahr und Platz 45.000 Euro an den Umweltbetrieb." Das Prinzip rechte Tasche, linke Tasche innerhalb der Stadt und ihrer Eigenbetriebe. Bürokratisch ausgedrückt: "Kontrahierungszwang", der unter Oberbürgermeister Eberhard David (CDU) eingeführt wurde. Der besagt, dass Aufträge der Stadt möglichst immer an Eigenbetriebe vergeben werden müssen und nicht ausgeschrieben werden. Das kritisiert die FDP im Rat schon lange. Ihr Sprecher Jan Maik Schlifter: "Dabei fehlt die Transparenz der Rechnungslegung, durch den Ausschluss der privaten Konkurrenz werden solche Arbeiten teurer als nötig. Es kommt zu Mondpreisen." Bei den Kosten für die Platzpflege beim TuS Hoberge handele es sich um einen typischen Fall und ein Beispiel für "den Wildwuchs beim Konzern Stadt".

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