Nun Geschichte: 175 Jahre lang stand der Berg-Ahorn an dieser Stelle. Alles was bleibt, ist ein Stumpf. - © Wolfgang Rudolf
Nun Geschichte: 175 Jahre lang stand der Berg-Ahorn an dieser Stelle. Alles was bleibt, ist ein Stumpf. | © Wolfgang Rudolf

Dornberg Ein Stück Vergangenheit gefällt

Naturdenkmal: Die Stadt Bielefeld beseitigt einen denkmalgeschützten Baum in Dornberg. Mit ihm weichen auch viele Erinnerungen

Nicolas Lepartz

Dornberg. Nach fast zwei Jahrhunderten muss er weg. Ein denkmalgeschützter Berg-Ahornbaum in Dornberg wurde am Montagmorgen gefällt. Grund der Baumfällung ist ein zu starker Pilzbefall am Stammfuß. Mitarbeiter der Stadt hatten die Pilze bei einer Routineuntersuchung bemerkt. Gleich zwei Arten machten dem Baum zu schaffen. Der Lackporling- und der Brandkrustenpilz zersetzten das Holz und sorgten so für eine große Instabilität des Baumes. Bei einem sogenannten Zugversuch im April simulierte ein Baumsachverständiger verschiedene Windbelastungen, um festzustellen, ob der Baum noch bruchsicher ist. Das Ergebnis der Messgeräte war eindeutig. Im Falle starker Orkan- oder Windböen hätte der Baum nicht standgehalten. Auch das Verringern der Widerstandsfläche durch einen Rückschnitt des Baumes hätte nicht mehr geholfen, erklärte Arnt Becker vom Amt für Verkehr. Die Stadt erteilte den Auftrag zum Fällen. Um neun Uhr morgens begannen Mitarbeiter der Firma Kleintec mit den Fällarbeiten. Da um den Baum herum reichlich Platz war, hatten die Arbeiter die Möglichkeit, den Baum mit Drahtseil und Winde zu stürzen. Mit weniger Platz hätte man den Baum Stück für Stück von oben nach unten fällen müssen. Mit Hilfe von Kettensägen wurde der gefällte Baum zerlegt und an die Stadt übergeben. 2016 wurde der Baum wiederholt zum Naturdenkmal ernannt. Bei einem öffentlichen Verfahren mit Anwohnern und Politik entschied der Rat der Stadt, den Baum in die Satzung der Naturdenkmalverordnung aufzunehmen. Mit einer Höhe von 21 Metern und einem Umfang von 4,10 Meter erfüllte der Baum die dafür nötigen Kriterien. Auch sein Alter war entscheidend. Seit 175 Jahren schmückte er das Grundstück im Twellbachtal. "Mir hat das Herz geblutet", klagt Jennifer Umbach. Ihre Familie wohnt seit vier Generationen auf dem Grundstück, welches früher mal ein Bauernhof war. Alle Familienmitglieder seien mit dem Baum groß geworden. Die Kinder hätten häufig um den Baum gespielt, zum Beispiel Fußball, erzählt Umbach. Nun ist dieses Zeugnis der Vergangenheit weg. "Es fehlt einfach ein Stück." Was für die Familie übrig bleibt, ist etwas Holz für den Kamin. Nur der Stumpf erinnert noch an das einstige Naturdenkmal und die damit verbundenen Erlebnisse.

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