Chilenische Lebensfreude in Hoberge: Marly Saldias Quiduleo hat ihr Eiscafé „Los Andes“ auch im Winter geöffnet und serviert Typisches aus ihrer Heimat, wie Zitronentarte und Matetee. - © FOTO: IVONNE MICHEL
Chilenische Lebensfreude in Hoberge: Marly Saldias Quiduleo hat ihr Eiscafé „Los Andes“ auch im Winter geöffnet und serviert Typisches aus ihrer Heimat, wie Zitronentarte und Matetee. | © FOTO: IVONNE MICHEL

Hoberge-Uerentrup "So ein Café hat hier in Hoberge gefehlt"

Café "Los Andes" entwickelt sich zum Treffpunkt

Ivonne Michel

Hoberge-Uerentrup. Den Matetee serviert Marly Saldias Quiduleo mit Geschichten über einsame Gauchos in den südamerikanischen Anden und faszinierendem Wissen über Zubereitung und Genuss des heißen Zaubermittels. "Jetzt bloß nicht mehr rühren", sagt sie, als sie den silbernen Trinkhalm, "Bombilla" genannt, im Tongefäß platziert. Vorsichtig gießt sie schnell noch etwas heißes Wasser über die Mateblätter, bevor sie ihren ältesten Stammgast, einen 92-jährigen rüstigen Herrn aus der Nachbarschaft, herzlich begrüßt und ihm aus dem Mantel hilft. Ihr Eiscafé "Los Andes", das die Chilenin im Sommer in einem leerstehenden Ladenlokal an der Dornberger Straße eröffnet hat, hat sich zu einem beliebten Treffpunkt im Stadtteil entwickelt. "Viele Stammgäste kommen, ich bin wirklich zufrieden", sagt die 47-jährige Jungunternehmerin, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt. Statt Eis serviert sie jetzt im Winter heiße Waffeln und typische chilenische Köstlichkeiten wie Zitronentarte nach altem Familienrezept oder "Empanadas", gefüllte Teigtaschen. Dienstags bis sonntags ist das Café geöffnet, immer von 8 bis 18 Uhr. Morgens gibt es chilenisches Frühstück mit selbst gebackenen Brötchen. "Wir sind alle glücklich, dass es jetzt auch hier bei uns in Hoberge so etwas Nettes gibt", sagt Angelika Wolfersdorf. Sie hat es sich an diesem verregneten, grauen Januarnachmittag mit einem großen Glas Tee und einem Stück Kuchen im "Los Andes" gemütlich gemacht und schmökert in einer Zeitschrift. "Man kommt hier miteinander ins Gespräch, das ist einfach schön", sagt sie. Im Sommer im Laufen noch ein Eis kaufen, nach dem Spaziergang noch etwas verweilen - "so etwas hat hier in Hoberge gefehlt", ergänzt Wolfersdorf. Matetee kenne sie noch aus Studentenzeiten. "Er sättigt, belebt, ohne abhängig zu machen, und ist gut für die Verdauung", erklärt Saldias Quiduleo. Die Teeblätter sowie viele Gewürze für ihre Speisen lässt sie sich aus Chile schicken. Ihr Vater kaufe dort direkt bei einigen Indianern, die die Zutaten auf ganz besondere Art bearbeiten. "Die Chilenische Küche ist sehr gesund, wir kochen viel mit Gemüse und speziellen Gewürzen", berichtet sie. Viele sprechen die zierliche Frau mit den dunklen Locken mit "Frau Killich" an, dem Nachnamen ihres Mannes. Bevor die dreifache Mutter ihr Café eröffnet hat, hat sie in seiner Hausärzte-Praxis in Hoberge mitgearbeitet. "Wir sehen uns jetzt aber öfter als vorher", berichtet die gelernte Hebamme und Krankenschwester lachend. Der Allgemeinmediziner Ludger Killich kommt gern in der Mittagspause vorbei. Und auch die Kinder Ani (13), Beni (15) und Lukas (17) finden es klasse, dass ihre Mama jetzt eine Eisdiele hat. Sie helfen mit, wenn viel zu tun ist. Ein eigenes Geschäft zu eröffnen, war schon lange ihr Traum. Viele Ideen, auch für die kalte Jahreszeit, hat Saldias Quiduleo für ihr Café. Mit ihrem Konzept hat sie Erfolg: Im Dezember lud sie zu einem chilenischen Weihnachtsmenü ein. "Ich hatte so viele Anmeldungen, dass wir zwei Termine machen mussten." Von 18 Uhr bis ein Uhr nachts haben sie und ihre Gäste gezaubert. "Keiner wollte nach Hause gehen", berichtet sie lachend.

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