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Will er eine nette Person sehen, schaut er in den Spiegel: Holger Müller mimt den Ausbilder bei seinem Auftritt. - © Tarek
Will er eine nette Person sehen, schaut er in den Spiegel: Holger Müller mimt den Ausbilder bei seinem Auftritt. | © Tarek

Bielefeld Ausbilder Schmidt: "Morgen ihr Luschen" läuft sich einfach nicht tot

Kabarett: Im Zweischlingen gastierte Holger Müller mit dem Programm „Weltfrieden – notfalls mit Gewalt“

Tarek Chafik
16.10.2016 | Stand 16.10.2016, 17:13 Uhr

Quelle. Grüne Bundeswehrhose, ein olivfarbenes T-Shirt, das über dem Bauch spannt, auf dem Schädel ein rotes Barett, auf der Nase eine Sonnenbrille und aus dem Mund jener unverkennbare Kasernenhofton: „Guten Morgen, ihr Luschen", so begrüßte Ausbilder Schmidt alias Holger Müller am Samstagabend seine rund 120 Gäste im Zweischlingen. Die ließen sich das gerne gefallen, wohl wissend, dass es der Auftakt zu einem Abend voll schwarzen Humors und derber Zoten werden würde. Seit 20 Jahren verkörpert der 47-jährige Müller jenen Choleriker in Uniform, der als „der Ausbilder" bei vielen Kultstatus erlangt hat und nun mit seinem aktuellen Programm durch die Republik tourt. Das heißt „Weltfrieden – notfalls mit Gewalt". Keine unbedingt einfache Aufgabe für den Ausbilder, jetzt, wo der Kalte Krieg schon lange passé ist und die Truppe nur noch „180.000 Luschen" zählt, die von einer „Luschine" befehligt werden. Also schickt sich jener Mann an, die Welt zu retten. Der Mann, der mit „17 Jahren und nach der 5. Klasse zum Bund" ging. Natürlich ist er bei der Wahl der Mittel dabei nicht sonderlich zimperlich: Der Ausbilder erwägt die Schaffung einer Seniorenarmee, schließlich seien solche Rekruten dermaßen „mit Altersflecken übersät, dass sie die perfekte Tarnung gleich mitbringen". Er sinniert darüber, als Erzieher in die Kita zu wechseln und dort erst mal ordentliche Bilder aufzuhängen – „solche mit Panzern". Und wenn alle Stricke reißen, dann ist der Mann, für den „das Exerzieren das Kamasutra des Soldaten ist", auch schon mal dazu bereit, sich Beistand im Reich der Toten zu holen: Den Besuchern trieb es einmal mehr die Lachtränen in die Augen, als der Ausbilder bei einer spiritistischen Sitzung Kontakt zu Honecker, Napeleon, J.f. Kennendy, Klaus Kinsky und Jesus Kontakt aufnimmt. Anderthalb Stunden dauerte die Show, bei der eine Pointe die nächste jagte und in die immer wieder auch das Publikum einbezogen wurde. Vor allem der echte Stabsfeldwebel in Reihe 1 hatte es dem Künstler sehr angetan. Ganz zum Schluss ließ Holger Müller durchblicken, dass es nicht unbedingt immer ganz leicht ist, in die Rolle des Ausbilders zu schlüpfen. Da berichtete er von einem Besuch in Afghanistan, wo er vor deutschen Truppen auftreten sollte. Auf dem Weg dorthin wurde ihm angeboten, den „sturzflugähnlichen Landeanflug auf Kundus" unmittelbar aus dem Cockpit der Trans-All mitzuverfolgen. Möller lehnte ab. Da bekam der Ausbilder wohl weiche Knie.

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