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Farbenfroh: Fatma Gümüs (von links), Selma Hikcay und Gülzeren Yazaydin bereiten gefüllte grüne Paprika und Backteilchen fürs Fastenbrechen vor. - © Tarek Chafik
Farbenfroh: Fatma Gümüs (von links), Selma Hikcay und Gülzeren Yazaydin bereiten gefüllte grüne Paprika und Backteilchen fürs Fastenbrechen vor. | © Tarek Chafik

Ummeln Drei Religionen an einem Tisch

Muslime, Christen, Jesiden: Der Verein Impuls-Bildungsforum kocht für Geflüchtete unter dem Dach des evangelischen Gemeindehauses in Ummeln

Tarek Chafik
21.06.2016 | Stand 20.06.2016, 21:53 Uhr

Ummeln. Es ist 21.59 Uhr, als im Bielefelder Süden die Sonne untergeht und Ammr Dakhel den Löffel in die Linsensuppe taucht. Das allabendliche Fastenbrechen (Iftar) im heiligen Monat Ramadan - an sich nichts Ungewöhnliches für den 22-Jährigen aus Aleppo, wären da nicht diese besonderen Umstände: Im September hat er seiner zerstörten Heimat den Rücken gekehrt, jetzt lebt er mit anderen Geflüchteten in einer Wohnung in Ummeln. Es ist das erste Mal, dass Ammr den Ramadan fernab seiner Heimat erlebt, und es ist wohl auch das erste Mal, dass er das Fastenbrechen in den Räumen einer christlichen Gemeinde vollzieht. "Ich finde es schön, das Iftar-Fest heute Abend mit vielen anderen hier feiern zu können", sagt Ammr. Die vielen anderen, das waren rund 160 Personen, die am Freitagabend wegen des Fastenbrechens in das Gemeindehaus der evangelischen Kirche nach Ummeln gekommen sind. Der Großteil sind Geflüchtete aus der Unterkunft an der Zedernstraße, darunter nicht nur Muslime, sondern auch Christen und Jesiden. Die Idee zu diesem außergewöhnlichem Abend kam Murat Yazgi vom Verein Impuls-Bildungsforum. Der Ramadan sei eine Zeit der Solidarität, sagte er zur Begrüßung, und das gemeinsame Fastenbrechen helfe, Vertrauen aufzubauen. "Dies ist wichtiger denn je, weil Parteien am rechten Rand das Miteinander der Religionen zu zerstören versuchen." Zugleich sei der Abend ein "Zeichen gegen Intoleranz, Hass, Terror und Gewalt." Fehlgeleitetes Handeln Einzelner dürfe nicht dazu führen, "dass alle Muslime unter Generalverdacht geraten". Ähnliche Worte wählte Pfarrerin Annette Kleine. Sie fühle sich geehrt, mit so vielen Menschen erstmals ein Fastenbrechen im Gemeindehaus erleben zu können. "Wir möchten Sie kennenlernen und Ihnen gerne auch etwas von uns zeigen", sagte sie. Gut möglich, dass die Gemeinde die Geflüchteten zum Weihnachtsfest einlädt. Im Anschluss war es der in Münster lehrende Islamwissenschaftler Bilal Birinci, der in einem prägnanten Vortrag über den "Ramadan und das Fasten" informierte. Inmitten der Gäste war auch Akbar Rajabi anzutreffen. Der junge Mann aus Teheran ließ sich erst vor kurzem in der Evangelischen Kirche taufen. Das gemeinsame Essen habe ihm sehr gefallen - und außerdem sehr gemundet. Die Mitarbeiter vom Impuls-Bildungsforum haben sich allerdings auch mächtig ins Zeug gelegt, wie vorab in der Küche zu beobachten war: Neben europäischen Speisen wie Nudel- und Kartoffelsalat servierten sie ein "Best of" orientalischer Köstlichkeiten - von gefüllten Paprikaschoten über deftige Gebäckvariationen bis hin zum zuckersüßen Baklawa.

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