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Ein Blick zurück: Susanne Rebien, 2. Vorsitzende des Radfahrervereins Teutoburg Brackwede, lädt zur Ausstellung ins Bezirksamt ein. Diese wird am Samstag direkt nach dem Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Vereins eröffnet. - © Susanne Lahr
Ein Blick zurück: Susanne Rebien, 2. Vorsitzende des Radfahrervereins Teutoburg Brackwede, lädt zur Ausstellung ins Bezirksamt ein. Diese wird am Samstag direkt nach dem Festakt zum 125-jährigen Bestehen des Vereins eröffnet. | © Susanne Lahr

Brackwede Mit dem Rad durch die Geschichte

Jubiläumsausstellung: Historische Rennmaschinen und berühmte Drahtesel sind anlässlich des 125. Geburtstages des Radfahrervereins Teutoburg zu sehen

Susanne Lahr
30.04.2016 | Stand 01.05.2016, 13:41 Uhr |

Brackwede. Dürkopp, Göricke, Gudereit, Rixe, Rabeneick, Stricker - nur einige Namen aus der Bielefelder und Brackweder Fahrradgeschichte, die Radfreunden glänzende Augen bescheren. 1912/13 wurden am Teuto rund 85.000 Fahrräder jährlich hergestellt, dritter Rang in Deutschland. Wer Räder und ihre Geschichte mag, sollte die Jubiläumsausstellung des Radfahrervereins (RV) Teutoburg nicht verpassen, die heute, Samstag, um 18 Uhr im Bezirksamt Brackwede im Rahmen der Nachtansichten eröffnet wird. Wie es sich für einen Rennverein gehört, liegt der Schwerpunkt der kleinen, feinen Schau auf historischen Rennrädern. Und die waren anfangs aus Holz, hatten keine Pedale. Schon mit den Holzlaufrädern (erfunden 1820) wurden Wettkämpfe ausgetragen. Das erste überlieferte fand 1829 vor den Toren Münchens statt. Dies ist der Ausstellung zu entnehmen, die das Deutsche Fahrradmuseum Bad Brückenau den Brackwedern zum 125. Geburtstag ausgeliehen hat. Museumsleiter Ivan Sojc und Mona Buchmann, Gesellschafterin des Museums, waren höchstselbst am Freitagfrüh aus Franken angereist, um die Exponate anzuliefern und aufzubauen. Laufmaschinen, Tretkurbel- und Hochräder sind zu bestaunen. "Mutige Kerle, die mit den Hochrädern gefahren sind", erzählt Mona Buchmann. Ab 1880 gibt es dann Räder mit Kette und zwei verschieden großen Ritzeln, der Luftreifen wird erfunden. Gangschaltungen gab es auch, "aber die waren bis in die 30er Jahre bei Rennfahrern verpönt, das galt als technischer Schnickschnack." Lieber hätten sich die Sportler mit Rotwein und Stierblut gedopt. Für Frauen war das Fahrrad in der Vergangenheit mehr als nur ein Fortbewegungsmittel oder ein Sportgerät. "Emanzipation hat sehr viel mit Radfahren zu tun", erzählt die Museumsmitarbeiterin. Zwar seien Frauen schon 1869 mit Tretkurbelrädern "Rennen" gefahren, "aber das galt mehr als Volksbelustigung". Als die Damen 1890, mit Hosenröcken ausgestattet, langsam Ernst machten, wurden schwere Geschütze aufgefahren. Mieke Kröger, Europa- und Weltmeisterin in den Reihen des RV Teutoburg, kann Jahrzehnte später vom Selbstbewusstsein einer Violette Morris oder einer Amelie Rother ganz selbstverständlich profitieren. Berühmte Rennmaschinen sind zu sehen wie das Opel ZR 3, mit dem die deutsche Nationalmannschaft in den 30er Jahren gefahren ist, und das legendäre Vagant mit dem extragroßen Kettenblatt, mit dem 1950 der bisher ungebrochene Hochgeschwindigkeitsrekord von 154,5 Kilometern pro Stunde gefahren worden ist. Aber natürlich auch Rennmaschinen von Rabeneick, Dürkopp und von Mieke Kröger, deren Spezialrad für Einzelzeitfahren in keinem Laden je zu haben sein wird. Die Ausstellung, für die Susanne Rebien, 2. Vorsitzende des RV Teutoburg, verantwortlich zeichnet, zeigt Bilder vom Star des Vereins, aber auch vom alltäglichen Vereinsleben sowie seltene Bilder von Bielefelder Radrennen und aus der Historie des Vereins, der einst von Louis Stratemann gegründet worden ist. Die Ausstellung, die nur dank der Unterstützung der Sparkasse möglich ist, ist bis zum 16. Mai täglich von 10 bis 12 Uhr sowie von 16 bis 20 Uhr im großen Saal des Bezirksamtes zu sehen.

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