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Nur von Ferne sieht das denkmalgeschützte Schieferhaus an der Windelsbleicher Straße in Brackwede gut aus. Aus der Nähe wird der Verfall sichtbar. - © Mike-Dennis Mller / www.mdm.photo
Nur von Ferne sieht das denkmalgeschützte Schieferhaus an der Windelsbleicher Straße in Brackwede gut aus. Aus der Nähe wird der Verfall sichtbar. | © Mike-Dennis Mller / www.mdm.photo

Bielefeld Kleinod kämpft ums Überleben: Bielefelder Denkmalbehörde unter Druck

Kritiker bemängeln in Bielefeld den Verfall ortsbildprägender Gebäude. Eine Liste soll helfen, den Überblick bei den betroffenen Bauwerken zu behalten

Susanne Lahr
23.05.2019 | Stand 23.05.2019, 20:22 Uhr

Brackwede. Die Sanierung des denkmalgeschützten Schieferhauses an der Windelsbleicher Straße wird mindestens doppelt so teuer wie ursprünglich gedacht. Eine belastbare Kostenschätzung wird es aber erst nach weitergehenden Untersuchungen des Gebäudes geben. Diese Antwort erhielt die SPD-Fraktion auf ihrer Anfrage zu den weiteren Planungen, wie das Schieferhaus auf dem ehemaligen Rabeneick-Gelände erhalten werden kann. Nach dem Neubau von vier Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 38 Wohneinheiten auf dem Gelände hinter dem Schieferhaus hätte eigentlich das kleine Denkmal renoviert werden sollen. Marodes Dach - defekte Fassade Doch als Eigentümer Georg Kasparek im November den Sockel hatte freilegen lassen, stellte sich heraus, das einiges im Argen liegt. So ist der Sockel aus Schwellhölzern zum Teil weggefault und teils schon durch Beton ersetzt worden. Der Dachkörper ist völlig marode und offensichtlich nicht mehr zu retten. Auch die Schieferfassade ist nicht in Ordnung. „Der Verfall ist gerade in jüngster Zeit sehr auffällig", merkte Peter Diekmann (CDU) in der Bezirksvertretung an. Fachwerk unter der Lupe „Je tiefer man schaue, desto mehr Schäden kämen zu Tage, hatte Kasparek gegenüber der NW gesagt. Nach Auskunft von Ascan von Neumann-Cosel, Leiter des Bielefelder Amtes für Denkmalschutz, sollen nun auch das Fachwerk und die Gefache aller Außenwände genauer unter die Lupe genommen werden. Der Eigentümer solle bei der Suche nach Fördermöglichkeiten und eventuell auch nach anderen Finanzierungskonzepten unterstützt werden. Die bisherigen Ergebnisse, so von Neumann-Cosel in seiner Stellungnahme für die Bezirksvertretung, seien allerdings wenig aussichtsreich. Daher werde auch nach neuen Wegen und Nutzungskonzepten Ausschau gehalten. Was wurde baubegleitend getan? Diese knappe Antwort befriedigt Jesco von Kuczkowski (SPD) in der Sitzung allerdings nicht. Viele Brackweder hätten sich um den Zustand des Gebäudes gesorgt und immer wieder nachgefragt. „Man hätte die Untere Denkmalbehörde darauf drängen können, sich früher um das Haus zu kümmern." CDU-Sprecher Carsten Krumhöfner war noch kritischer. Die Denkmalbehörde müsse sich die Frage gefallen lassen, was sie baubegleitend getan habe, um das Schieferhaus zu schützen. „Bisher hat sie dergleichen nie kundgetan." Es sei „sehr erschütternd", wie in Bielefeld mit den letzten ortsteilprägenden Gebäuden umgegangen werde. Unausgesprochen schwingt der Verlust von Kulbrocks Hof mit. Das Vierständerfachwerkhaus von 1783 war kein Denkmal, aber einer der letzten Urhöfe Brackwedes. In diesem Zusammenhang fordert die Bezirksvertretung von der Verwaltung nun eine komplette Übersicht aller denkmalgeschützten Gebäude und Gebäudeteile im Stadtbezirk. Nach dem Hinweis von Jan Dopheide (UBF), der Vorsitzender des Bielefelder Denkmalvereins ist, wurde der SPD-Antrag um die Frage nach den Gebäuden ergänzt, die Bestandsschutz genießen.

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