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Rollenwechsel: Die erste Sendung des Funkjournals wurde am 20. August 2008 im Bielefelder Bürgerfunk ausgestrahlt. 199 Sendungen lang war Frank Becker (l.) der Moderator. Für die Geburtstagsausgabe kapert Stand-up-Comedian Oliver Beerhenke das Mikro. - © Susanne Lahr
Rollenwechsel: Die erste Sendung des Funkjournals wurde am 20. August 2008 im Bielefelder Bürgerfunk ausgestrahlt. 199 Sendungen lang war Frank Becker (l.) der Moderator. Für die Geburtstagsausgabe kapert Stand-up-Comedian Oliver Beerhenke das Mikro. | © Susanne Lahr

Brackwede 200. Funkjournal: Comedian Oliver Beerhenke reißt das Mikro an sich

Bei der Aufzeichnung der 200. Sendung tauschen Moderator Frank Becker und Beerhenke die Rollen. "Quatsch-Comedy-Club-Mitglied" entlockt dem Brackweder auch ein erotisches Geheimnis

Susanne Lahr
28.02.2019 | Stand 27.02.2019, 20:33 Uhr

Brackwede. Oliver Beerhenke ist ein Tausendsassa. Quatsch und Comedy auf der Bühne und im Fernsehen habe lange Zeit das Leben des 49-Jährigen bestimmt. Seit zwei Jahren inszeniert er sehr erfolgreich auch Fluchten aus Alcatraz in seinen Escape-Rooms in Sennestadt, von denen er mittlerweile drei Stück hat. Jetzt hat der Wahl-Gütersloher, der auch noch eine ganz ernste berufliche Seite hat, das Studio von Frank Becker gekapert, um bei der Aufzeichnung der 200. Funkjournal-Sendung für den Bielefelder Bürgerfunk den Spieß einmal umzudrehen. Comedian Oliver Beerhenke ist bestens vorbereitet In der 193. Ausgabe hatte Beerhenke am 12. September noch selbst Rede und Antwort gestanden. Nun ist er es, der die Fragen stellt. Und der Comedian ist bestens vorbereitet, hat sich über den Brackweder schlau gemacht, dessen Medienarchiv als die umfangreichste private Film- und Tonsammlung Deutschlands gilt. Der 58-Jährige und seine Stiftung sind in Filmkreisen bestens bekannt, als Berater und Materiallieferant gefragt. Rund 120.000 Filme und mehr als 20.000 Tonträger finden sich auf fünf Lager verteilt. Der Zuhörer erfährt, dass der Medienexperte Filme von 1895 bis 2014 im Archiv hat. "Was ist da schiefgegangen, dass es so gekommen ist?", will Beerhenke wissen. Und erfährt, dass Becker in den 1970er Jahren ein Schulkino in der Realschule gegründet, Spaß an der Sache gefunden hat. Irgendwann kam der erste eigene Projektor, und "20th Century Fox" schenkte dem Jugendlichen aus Brackwede die erste Wochenschau. Der Grundstein zur Sammelleidenschaft war gelegt. In seinem Spezialgebiet hat Frank Becker mehr als 4.000 historische Wochenschauen der Jahre 1954 bis 1978. Filme haben auf den eigentümlichsten Pfaden den Weg zu Frank Becker gefunden. Von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern heimlich gekauft, aus dem Kofferraum von Filmproduzenten, geschenkt, vererbt . .. . "Ich habe auch die Filme des Adenauer-Fernsehens im Bestand", sagt Becker. Und erinnert daran, dass Bundeskanzler Adenauer mit seinem eigenen Staatsfernsehen eine Alternative zur ARD haben wollte. Jedoch habe das Bundesverfassungsgericht 1961 das Adenauer-Fernsehen verboten. "In der Folge ist das ZDF entstanden." Und die bereits produzierten Adenauer-Filme wurden laut Becker in Luxemburg eingemauert, wo er sie vor 15 Jahren vor der Vernichtung bewahrt hat. Neu dürfte so manchem Funkjournal-Fan sein, dass Frank Becker auch mal zehn Jahre lang für einen Bielefelder Filmverleih Porno-Filme geschnitten hat. "Das war eine interessante Zeit", sagt Becker und lacht. Beim locker-flockigen Geplänkel erfahren die Hörer noch eine ganze Menge mehr. An dieser Stelle soll nicht alles verraten werden. Die Sendung wird am 21. März ab 21.05 Uhr auf Radio Bielefeld ausgestrahlt. Und dann klärt sich, ob Oliver Beerhenke als Moderator weitermacht. Der Comedian ist beim  Comedy-Kino im Cinemaxx zu sehen Im März geht dieser erst einmal mit dem "Quatsch Comedy Club" 14 Tage auf Kreuzfahrt. Am 2. April ist Beerhenke mal wieder in Bielefeld zu sehen beim Comedy-Kino im Cinemaxx. Und in Hamburg und Berlin will er im "Club" auch wieder auf der Bühne stehen. Darüber hinaus fordert in seine "X-it-Adventures" in Sennestadt. "Im November habe ich einen zweiten Alcatraz-Raum eingerichtet." Mit drei Escape-Räumen sei am Naheweg aber die letzte Ausbaustufe erreicht. Und nicht zuletzt ist da noch seine Dozenten-Tätigkeit für die Spezialfirma "Search and Rescue"-Unterwasser-Systeme in Altenbeken. "In der Sonar-Akademie bilden wir weltweit Experten für das Auffinden von Wasserleichen aus", sagt der 49-Jährige. Ganz schön vielseitig für einen, der sagt, er sei ein "gelerntes Nichts".

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