Archivar: Frank Becker besitzt bereits 100.000 Filme, die in mehreren Lagerräumen schlummern. Nun hat er 3.000 weitere Streifen bekommen, von denen viele noch gesichtet werden müssen. - © Sybille Kemna
Archivar: Frank Becker besitzt bereits 100.000 Filme, die in mehreren Lagerräumen schlummern. Nun hat er 3.000 weitere Streifen bekommen, von denen viele noch gesichtet werden müssen. | © Sybille Kemna

Brackwede Mysteriöse Filmsammlung ist in Bielefeld angekommen

Becker Medienarchiv: Ein Lastwagen bringt 3.000 Filme aus dem Nachlass eines Sammlers nach Brackwede. Viele Büchsen sind unbeschriftet

Brackwede. Frank Becker bekommt öfter Geschenke, aber selten so große: Ein Lastwagen mit Anhänger lud am Samstag 22 Europaletten mit schätzungsweise 3.000 Spielfilmen am Medienarchiv an der Sportstraße ab. "Das ist eine riesige Wundertüte", freute sich der Filmsammler. Angehörige des verstorbenen Archivars Christoph Winterberg aus Neustadt an der Donau hatten Becker und sein Filmarchiv im Internet gefunden und berichtet, das Haus des Verstorbenen sei "voller Filme", ob er dafür Verwendung habe? Becker sagte zu, auch als die Angehörigen berichteten, der Sammler habe alle Etiketten entfernt und die Filme für sich durchnummeriert - "aber die Liste ist weg". So stellte sich Becker "auf ein Überraschungspaket" ein, um beim Entladen festzustellen, dass an etlichen Filmbüchsen doch noch Namen von Filmen zu sehen waren: "Kurzfilm Wilder Westen" stand da zum Beispiel oder "Giganten", "Mädchen vom See" und "French Love". Als der Lkw auf den Parkplatz rollte, stand Landwirt Kai Steinkröger bereit, um die Paletten mit der Gabel am Trecker vom Lastwagen zu holen. Becker brachte sie per Hubwagen zum Dachdeckeraufzug, den Martin Henze zur Verfügung gestellt hatte, da das Medienarchiv im ersten Stock liegt. Nachdem Dirk Twelker, Holger Wehmeyer und Dirk Brüderle die Filme in Boxen verladen hatten, sorgte Jochen Rundmann am Aufzug für den Transport nach oben, wo die Boxen von weiteren Helfern entladen wurden. Die Kosten für den Transport übernahm die Frank Becker Stiftung Medienarchiv Bielefeld, wobei diese überschaubar waren, da die Filme als Rückladung einer Spedition nach Brackwede kamen. "Das kann ich mir nicht alles anschauen", meinte Becker, der hofft, dass Studierende der Uni sein Geschenk näher in Augenschein nehmen und katalogisieren. "Der letzte Praktikant hat sechs Wochen lang nur Filme angeschaut", berichtete er schmunzelnd. Solche großen Spenden, wie diese habe er durchaus schon mal bekommen, "aber dass ich gar nicht wusste, was da drin ist, hatte ich in diesem Umfang noch nie". Die Filme gesellen sich zu den über 100.000, die er bereits hat und wer weiß, vielleicht ist ja die eine oder andere Rarität darunter. Auf 800 Quadratmeter in fünf Lagern sammelt Becker inzwischen seine Filme. Weitere 8.000 Filmbüchsen hat er gerade von "Blick in die Welt" bekommen. Die Wochenschau war eine für das Kino wöchentlich neu produzierte Zusammenstellung von Filmberichten über politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse. "Wir haben den gesamten Bestand übernommen von 1945 bis zum Ende 1985", berichtet Becker, der zuletzt Verhandlungen über die Nutzung führte. Nun hat er den bundesweiten Vertrieb übernommen.

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