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Filmvorführer aus Leidenschaft: Frank Becker, Gründer des Medienarchivs Bielefeld, legt seit 20 Jahren die Filmrollen in der Realschul-Aula ein. Die Einrichtung des Saals im Retro-Look der 60er passt aus seiner Sicht ganz gut zum Klassiker-Kino. - © Judith Gladow
Filmvorführer aus Leidenschaft: Frank Becker, Gründer des Medienarchivs Bielefeld, legt seit 20 Jahren die Filmrollen in der Realschul-Aula ein. Die Einrichtung des Saals im Retro-Look der 60er passt aus seiner Sicht ganz gut zum Klassiker-Kino. | © Judith Gladow

Brackwede Seit 20 Jahren gibt’s das Melodie-Filmtheater

Melodie-Filmtheater: Seit 20 Jahren drehen sich in der Brackweder Realschul-Aula die Filmrollen. Initiator Frank Becker berichtet von Erlebnissen rund um die Leinwand

Judith Gladow
21.09.2018 | Stand 20.09.2018, 20:18 Uhr

Brackwede. Das Melodie-Filmtheater versprüht noch genau den wunderbar analogen Charme der goldenen Kinozeiten - bevor Streamingdienste, Digitaltechnik und Heimkinoanlagen das Filmeschauen ins Wohnzimmer verschoben haben. Begonnen hatte alles vor 20 Jahren. Zwei für das Kino begeisterte Menschen, Frank Becker und Dieter Böckstiegel, Kaufmann und Techniker, schlossen sich zusammen und eröffneten in der Realschul-Aula eines der Kultkinos Brackwedes neu. Ihr Ziel: ein Kino für Brackwede.

Frank Becker, der bereits als Realschüler seit 1975 einen erfolgreichen Filmklub an gleicher Stelle betrieben hatte, kehrte damit zu den Anfängen seiner Kinobegeisterung zurück. Ursprünglich sei sogar angedacht gewesen, das alte Melodie, von 1954 bis 1970 an der Ecke Hauptstraße/Gütersloher Straße, zu reaktivieren. "Das wäre aber viel zu teuer gewesen", sagt Becker. Also sah er sich nach Alternativen um. "Dieter Böckstiegel war ein exzellenter Techniker. Zusammen hatten wir die Idee, den Saal in der Realschule umzubauen." Gesagt, getan. Im Hochsommer 1998 verlegten die beiden Kabel und schleppten den 400 Kilo schweren Gleichrichter zur Stromversorgung oben in den Vorführraum. Für die Projektoren musste eigens ein neuer Schacht in die Wand geschnitten werden. Der vorhandene war zu hoch. "Der kleine Schulprojektor, den ich im Filmklub benutzt hatte, stand auf einem Podest. Das ging mit diesen Geräten nicht mehr", erzählt Becker.

Läuft einwandfrei: Im Vorführraum stehen zwei große, analoge Filmprojektoren, die im Wechsel betrieben werden. - © Judith Gladow
Läuft einwandfrei: Im Vorführraum stehen zwei große, analoge Filmprojektoren, die im Wechsel betrieben werden. | © Judith Gladow

Die beiden Projektoren, die bei der Vorführung im Wechsel betrieben werden (eine Filmrolle reicht für 60 Minuten), sind zwei Meter hoch und dominieren den Raum hinter der Empore. Wenn sie laufen, wird es ganz schön warm. "Im Sommer haben wir hier schon mal 50 Grad", sagt Becker. Am 24. September 1998 lief der erste Film im Melodie: "Comedian Harmonists" mit Ben Becker und Heino Ferch. So aktuelle Filme zeigen, das ging, weil Becker und Böckstiegel in Horst-Dieter Rademacher, damals bei 20th Century-Fox Germany, einen gut vernetzten Unterstützer gefunden hatten.

Blumen für einen Star: 1999 war Ilse Werner zu Besuch. Frank Becker sorgte für eine angemessene Begrüßung. - © Medienarchiv
Blumen für einen Star: 1999 war Ilse Werner zu Besuch. Frank Becker sorgte für eine angemessene Begrüßung. | © Medienarchiv

Bis 2014 liefen die Filme meist nur drei Wochen nach ihrem Start in der Melodie. Die "Harry Potter"-Teile, "Titanic" und schließlich "Fack ju Göhte" zogen mehrere Hundert Besucher ins Kino. "Dann kam die Umstellung auf digital", erzählt Becker. Eine Veränderung, die das kleine Brackweder Kino nicht mitmachen konnte. Also griff Becker in die große Schatzkiste des ebenfalls von ihm gegründeten Medienarchivs Bielefeld. Diese Klassiker aber laufen nicht so gut. Ausnahmen seien aber die Winnetou-Filme und Edgar Wallace, die laut Becker ganze Gruppen gemeinsam besuchen.

Aus den 20 Jahren hat der Filmvorführer viele Geschichten zu erzählen. Ein besonderes Ereignis sei der Besuch von Ilse Werner gewesen, erzählt er. Die Schauspielerin, die Anfang der 40er Jahre zu Berühmtheit gekommen war, kam 1999 im Melodie vorbei. Becker sprach sie grundsätzlich mit "Liebelein" an. Es gab einen roten Teppich und die Besucher beschenkten die 78-Jährige mit unzähligen Blumen. Und das Fernsehen war da. Deren Live-Berichterstattung wirbelte Werner durcheinander, da sie ihre Perücke im Hotel hatte liegen lassen. "Ohne meine Haare trete ich nicht vor die Kamera", soll sie laut Becker den Journalisten vom WDR gesagt haben.

Anlässlich des 20. Geburtstags läuft im Melodie-Filmtheater heute, 21. September, ab 20 Uhr, noch einmal der allererste Film "Comedian Harmonists" (1998). Dauer 116 Minuten.

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