In Bielefeld-Ummeln treffen sich jetzt Bogenschießer. - © Symbolbild: Pixabay
In Bielefeld-Ummeln treffen sich jetzt Bogenschießer. | © Symbolbild: Pixabay

Bielefeld Sport für Großstadtindianer: Ist das Bielefelds außergewöhnlichstes Hobby?

In Ummeln lernen Interessierte, wie es ist, bei vollem Galopp auf dem Rücken eines Pferdes mit einem Bogen zu schießen. Eine neue Anlage sorgt für kurze Wege

Judith Gladow
Ingo Kalischek

Ummeln. Sie kommen aus Lemgo, Verl, Bielefeld und Melle: Im beschaulichen Ummeln, etwas abgelegen zwischen Wiesen und Feldern, treffen sich Interessierte regelmäßig zum Bogenschießen – und zwar auf Pferden. Für berittenes Bogenschießen mussten Bielefelder bislang in die Eifel fahren. Jetzt gibt’s den ungewöhnlichen Sport direkt vor der Haustür. Kathi Mücke vom Verein Steppenreiter hat mit Teilnehmern ein neues Trainingsgelände gebaut. Die Bahn ist rund 90 Meter lang, abgetrennt mit einem speziellen Plastikband und umgeben von Strohballen. An denen hängen Zielscheiben. Die Teilnehmer lernen, wie sie auf dem Rücken eines Pferds bei vollem Galopp mit Pfeil und Bogen auf die Scheiben schießen. „Das ist ein weiter Weg", sagt Mücke und lacht. Sie selber betreibt das Hobby seit zehn Jahren, fährt auf internationale Turniere, tauscht sich aus. 200 Kilometer lang war etwa der Weg in die Eifel, den sie für ihre Leidenschaft jahrelang in Kauf nahm. Große Anspannung, begeisterte Blicke Durch die neue Anlage in Ummeln kann sie sich diese Wege sparen. Und ihr Hobby will sie teilen. „Man braucht keine Vorkenntnisse, nur guten Willen", sagt sie. Pfeil und Bogen müsse man nicht extra kaufen – selbst ein Pferd brauchen Teilnehmer nicht unbedingt. Sie lernen Stück für Stück, wie sie mit dem Bogen umgehen – und mit dem Pferd. Wenn alles sitzt, wird beides kombiniert. Wenn Mücke selbst die Bahn auf dem Rücken von Pony Matze heruntergaloppiert, den Pfeil auf die Sehne legt, das Ziel fixiert, und das alles in Sekunden – dann folgen ihr die Teilnehmer mit begeisterten Blicken. Im Moment größter Anspannung, kurz bevor sie den Pfeil von der Sehne lässt, ist sie besonders zu spüren, die Einheit mit Pferd und Bogen, berichtet Mücke. Besuch aus Australien Viele Teilnehmer hatten schon Kontakt mit Reiten oder Bogenschießen. So wie Reiterin Teresa Dietel (28) aus Ummeln, die seit März den Bogen dazunimmt. „Männer kommen oft übers Bogenschießen zum Reiten", erzählt sie. Schon lange im Metier ist Sasha Buchmann (38). Sie hat vor rund 15 Jahren in Neuseeland angefangen und wohnt in Australien. Sie kennt Mücke von Treffen und Turnieren und ist quasi als Austausch-Bogenreiterin zu Besuch. „Eine lebendige Tradition weltweit." Ihre Teilnehmer seien in der Regel zwischen 30 und 40 Jahre alt, erklärt Mücke. Auch ein 60-Jähriger sowie Familien hätten schon mitgemacht. Tierärzte gibt es genauso wie Bauarbeiter. „Der Sport bringt Menschen zusammen." Für das berittene Bogenschießen sei aber viel Initiative wichtig. Körperkontrolle, Ruhe und Beweglichkeit helfen. Wer sein eigenes Pferd mitbringt, brauche Geduld. Mücke: „Die Pferde müssen ausgebildet werden. So eine Situation kann sie ansonsten stressen." Das schütze letztlich auch Reiter – denn mit Bogen in der Hand ist die Gefahr zu fallen größer.

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