Vertrocknete Wiese: Lars Klostermeier, Auszubildender im dritten Lehrjahr auf dem Biohof Bobbert, bringt den Rindern Heu. Der Sandboden südlich des Teutoburger Walds kann Wasser deutlich schlechter speichern als der lehmige Boden im Norden. - © Judith Gladow
Vertrocknete Wiese: Lars Klostermeier, Auszubildender im dritten Lehrjahr auf dem Biohof Bobbert, bringt den Rindern Heu. Der Sandboden südlich des Teutoburger Walds kann Wasser deutlich schlechter speichern als der lehmige Boden im Norden. | © Judith Gladow

Bielefeld "Blaues Auge" statt Totalverlust: So trotzen Bielefelds Bauern dem Dürre-Sommer

Landwirte im Süden der Stadt sprechen in erster Bilanz über "außergewöhnliches Jahr" 2018

Ingo Kalischek

Brackwede/Senne. Anfang August, als die Dürre bereits erheblichen Schaden auf den Wiesen und Feldern angerichtet hatte, da zeigten sich einige Landwirte noch hoffnungsvoll. Wenn es jetzt regne, so ihre Aussage damals, könnte sich der Ernteverlust noch in Grenzen halten. Der Regen blieb aus. Doch die Landwirte wussten sich zu helfen. „Auch im August und September hat es doch bislang kaum geregnet", sagt Landwirt Kai Steinkröger aus Senne und spricht von einem ernsthaften Problem. Das werde sich beim Spargel aber erst im kommenden Jahr bemerkbar machen, sagt Steinkröger. Denn aufgrund der vielen Sonne sei der Spargel in diesem Jahr besonders gut gewachsen. „Die Erntemenge war enorm." Spargel-Preise sorgen für Kopfschütteln Das wiederum habe sich zum Teil auf dem Markt bemerkbar gemacht. Steinkröger: „Bei einigen Preisen konnte ich nur mit dem Kopf schütteln." Nächstes Jahr hingegen drohen aufgrund der Hitze Einbußen von bis zu 30 Prozent, glaubt er. Das wären dann die Folge der diesjährigen Dürre. Auch weitere Landwirte im Bielefelder Süden sprechen von einem „außergewöhnlichen Jahr". Johannes Berger vom Gut Wilhelmsdorf in Eckardtsheim sagt: „Die Trockenheit bremst uns noch immer aus." Und Rüdiger Bobbert vom Biohof Bobbert in Quelle bestätigt: „So extrem haben wir das bislang noch nicht erlebt." Er rechnet im Getreide mit Verlusten von rund 30 Prozent. Zukauf hilft aus der Patsche Doch trotz des Extrem-Sommers blicken die heimischen Landwirte einigermaßen zuversichtlich nach vorne. „Ich habe noch Glück gehabt" – dieser Satz fällt in Gesprächen immer wieder. Dieses Glück wiederum scheinen sich viele von ihnen erarbeitet zu haben – durch gute Kontakte und eine vorausschauende Planung. So hatte Rüdiger Bobbert noch im Frühjahr einige zusätzliche Flächen gekauft, die ihm nun aus der Patsche helfen. „Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen." Im schlimmsten Fall müsse sein Hof im Winter ein wenig Futter dazukaufen; den Großteil aber kann er aus eigenem Vorrat stemmen, sagt der Queller Landwirt. Glück im Unglück. Enormes Minus bei Mais und Gras Auch Johannes Berger profitiert heute von seiner Planung. „Als zu Beginn des Sommers Verluste in der Ernte absehbar waren, haben wir Anzeigen in der Bioszene aufgegeben." Berger war überrascht, wie viele Rückmeldungen er erhielt. So konnte er zusätzliche Mengen von Betrieben aus dem Kreis Gütersloh und in der Region um Bielefeld ernten. Das sei natürlich entsprechend teurer, aber immerhin konnte der Betrieb dadurch Notschlachtungen vermeiden. Auch sein jährlicher Vorrat bewahrte Berger und seine Kollegen vor Schlimmerem: „Wir sind noch nie so früh an unseren Wintervorrat gegangen wie in diesem Jahr. Aber ohne diese Vorräte wäre ich jetzt wirklich beunruhigt." Berger schätzt die Ertragsausfälle beim Gras auf 40; beim Mais auf 30 Prozent. Normalerweise mähe er das Gras fünfmal im Jahr; diesmal war bereits nach dem zweiten Mal Schluss. Obst leidet, Kartoffeln verbrennen Auch Steinkrögers Hof hat Schlimmeres abgewendet. Der Grund: „Wir konnten unsere Kartoffeln beregnen", sagt Kai Steinkröger. Sonst wäre man um eine „totale Missernte" wohl nicht herumgekommen. Einige Kartoffeln seien in der Mittagshitze dennoch schlichtweg verbrannt. Der Sandboden im Bielefelder Süden verstärkte die Situation, da er Wasser schlechter speichert als Lehmboden. Doch eine generelle Trennung zwischen dem Norden und Süden Bielefelds sei nicht angemessen. Herbert Quakernack, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Herford-Bielefeld, sagt: „Die Ernteeinbußen sind regional sehr unterschiedlich." Ein ganz anderes Bild kündigt sich hingegen beim heimischen Obst an. „Der Blick in den eigenen Garten auf den Obst- oder Pflaumenbaum zeigt ja, wie gut dem Obst die Hitze bekommen ist", sagt Quakernack.

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