18 Monate Bauzeit unter Vollsperrung auch für den Individualverkehr: Diese Aussage aus dem Rathaus, die mit MoBiel offenbar nicht abgesprochen war, hat Mitte August in Brackwede viele geschockt. Mittlerweile ist die Verwaltung zurückgerudert. So weit als möglich soll die Zufahrt von Geschäften ermöglicht werden. Das Amt für Verkehr verspricht den "permanenten Schulterschluss" mit den Betroffenen an der Hauptstraße in Brackwede. - © Susanne Lahr
18 Monate Bauzeit unter Vollsperrung auch für den Individualverkehr: Diese Aussage aus dem Rathaus, die mit MoBiel offenbar nicht abgesprochen war, hat Mitte August in Brackwede viele geschockt. Mittlerweile ist die Verwaltung zurückgerudert. So weit als möglich soll die Zufahrt von Geschäften ermöglicht werden. Das Amt für Verkehr verspricht den "permanenten Schulterschluss" mit den Betroffenen an der Hauptstraße in Brackwede. | © Susanne Lahr

Brackwede Was an der Hauptstraße genau geplant ist

Vier Wochen lang liegen die Pläne nun öffentlich aus. Aussage des Oberbürgermeisterbüros über 18-monatige Vollsperrung während der Bauphase verfrüht und "unglücklich"

Susanne Lahr

Brackwede. Jetzt gilt es noch einmal für alle Brackwederinnen und Brackweder: Bis 12. Oktober können sie Bedenken und Anregungen zu den Hauptstraßen-Plänen abgeben. Es geht dabei zuvorderst um den Ausbau der Stadtbahnlinie 1 mit drei barrierefreien Hochbahnsteigen. Mit ausgelegt werden aber auch die Pläne für den einhergehenden Umbau der Hauptstraße. Bis 28. September sind die Unterlagen auch im Bezirksamt einsehbar. Die NW stellt hier noch einmal die wesentlichen Punkte vor. Und es gibt neue Erkenntnisse im Hinblick auf eine vermeintliche 18-monatige Vollsperrung während der Bauphase.Strittigstes Element des gesamten Projektes ist der Hochbahnsteig „östlich Germanenstraße". Seine Trennwirkung für das Brackweder Zentrum wird von vielen kritisiert. Befürworter weisen im Gegenzug auf die 35 und 12 Meter langen Querungshilfen samt Fußgängerampeln hin, die das Überqueren der Hauptstraße viel sicherer machen. Die Sondervariante des Zentrumshochbahnsteigs wird 20 Zentimeter tief in eine Troglage gebaut, so dass der Bahnsteig selbst 66 Zentimeter über Straßenniveau liegt. Er ist 60 Meter lang und hat an beiden Seiten je 12,5 Meter lange Rampen. Der Witterungsschutz für die Fahrgäste wird Y-förmig sein, eine Höhe von 2,55 Meter haben und rundum transparent werden. Im Bereich des Bahnsteiges liegen auf beiden Seiten je zwei Bushaltestellen. Bürgerinitiative klagt Zweiter Kritikpunkt: Der Bahnsteig liegt direkt vor einem frequentierten Ärztehaus. Die dortigen Parkplätze entfallen. Apotheker und Ärzte sorgen sich um die Erreichbarkeit und Zufahrt, insbesondere bei Notfällen. Feuerwehr und Rettungsdienste sehen darin indes kein Problem. Die Bürgerinitiative zum Erhalt der Hauptstraße hatte ein Bürgerbegehren angestrebt, das die Stadt trotz mehr als 14.000 gesammelten Unterstützerunterschriften für nicht zulässig erklärt hat. Dagegen ist vor dem Verwaltungsgericht Minden Klage eingereicht. Einen Termin gibt es noch nicht. Im gesamten Planungsabschnitt zwischen Gaswerkstraße und Jenaer Straße wird es künftig 93 Stellplätze geben, 18 weniger als bisher. Im Bereich Gaswerkstraße gibt es zehn Plätze mehr, allerdings entfallen im Kernbereich zwischen Germanen- und Wikingerstraße 23 Parkplätze. Möglich wäre später die Ausweisung von zwei Ladezonen – vor der Commerzbank und Kik (vier Stellplätze oder 22,80 Meter) – sowie vom Durchgang Normannenstraße bis zur Fleischerei Damisch (14 Meter). Radler vom Gehweg auf die Straße Ganz wesentliches Element der Planung ist die Verlegung des Radverkehrs auf die Fahrbahn, um die Bürgersteige frei zu bekommen. Die Radler erhalten einen 1,60 Meter breiten Schutzstreifen, bis zu den Stadtbahngleisen ist ein weiterer Meter Platz. Im Bereich der Haltestellen Gaswerkstraße und Brackwede Kirche (neu hinter der Kreuzung vor dem Tedi-Markt) können die Zweiradfahrer an haltenden Straßenbahnen vorbeifahren. Im Zentrum fehlt dafür der Platz, die Schutzstreifen laufen vor dem Bahnsteig aus. Hält die Bahn, müssen auch Radfahrer stoppen. Mit dem Umbau der Hauptstraße soll auch das extreme Gefälle der Bürgersteige auf der Nordseite nivelliert werden. Stellplätze und Bürgersteig werden gleiche Höhen bekommen. Auf dem hellgrauen Betonsteinpflaster werden dunkle Pflastersteine den Parkbereich sichtbar machen. Die Fahrbahn wird einen aufgehellten Asphaltfarbton erhalten. Grundsätzlich sollen nur vier Grundmaterialien eingesetzt werden, um eine einheitliche Gestaltung zu bekommen, die bisher fehlt. Über Bauablauf noch nicht entschieden Dass all dies ab 2020 unter 18-monatiger Vollsperrung der Hauptstraße realisiert werden soll, wie kürzlich vom Büro des Oberbürgermeisters kommuniziert, ist bei weitem noch nicht beschlossene Sache. „Mit uns war diese Aussage nicht abgestimmt", sagt Marcus Lufen, Sprecher von MoBiel auf Nachfrage der NW. „Ich kenne noch keinen Stand, was die Bauplanung angeht." Er versprach, dass die Einzelheiten sehr früh mit allen Beteiligten „in Ruhe gemeinsam geplant werden". Hans Martin, stellvertretender Leiter des Amtes für Verkehr, spricht von einer „unglücklichen Formulierung". Es werde sicher keinen Durchgangsverkehr geben, aber Ziel sei es, „so weit wie möglich die Anfahrt von Geschäften zu ermöglichen". Es sei noch nicht entschieden, in welchen Abschnitten gebaut werden soll. Martin: „Wir werden den permanenten Schulterschluss suchen."

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