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Brackwede/Windflöte Wie eine Bielefelder Rentnerin Integration selbst in die Hand nahm

Flüchtlinge: Alle drei Alani-Brüder, die von Edeltraud Burau unterstützt werden, haben eine berufliche Zukunft in Deutschland gefunden

Sibylle Kemna
22.08.2018 | Stand 21.08.2018, 20:09 Uhr

Brackwede/Windflöte. "Als Flüchtling musst du ganz unten anfangen" - das wissen die Brüder Alani. Doch sie haben zum Glück Edeltraud Burau gefunden, die sie mit ganzer Kraft unterstützt. Jetzt sind alle auch beruflich auf einem guten Weg. Auf dem Weg, seinen Traum zu verwirklichen, ist der 30-jährige Osama, der in Syrien Betriebswirtschaft studiert hat und schon immer Banker werden wollte. Seit Anfang August ist der junge Mann jetzt Sparkassen-Azubi - der älteste zwar, aber das stört ihn nicht. "Ich wurde sehr freundlich aufgenommen", berichtet er. In der kleinen Filiale in Windflöte bekomme er sehr viel Unterstützung und Hilfe. "Es braucht viel Engagement, aber dazu bin ich bereit,und ich bin sehr optimistisch, dass ich eine gute Beurteilung bekomme und nach der Probezeit übernommen werde." Auch der älteste Bruder Wasseem ist froh. Er kann sein Diplom für englische Literatur hier "investieren", hat es geschafft, in das Qualifizierungsprogramm "Lehrkräfte Plus" an der Universität Bielefeld aufgenommen zu werden, das Perspektiven für Hochschulabsolventen mit Fluchtgeschichte bietet. In Halle hat er drei Monate in einer Grundschule mitgearbeitet. Drei Monate in der Grundschule gearbeitet Die Grundschüler hier seien wissbegieriger und auch disziplinierter, sagt der 36-Jährige, der nach einer halbjährigen Sprachphase an der Uni eine Praxisphase absolviert und dann als Ersatzlehrer arbeiten kann. Ihm liegen vor allem die vielen Kinder mit Migrationshintergrund am Herzen. "Sie brauchen Hilfe, und nur wenn ich mich auch an die Eltern wende, können sie sich gut entwickeln." Nach einigen Praktika hat der jüngste der drei Brüder, Moiyad, eine Ausbildungsstelle bei der Firma GT-Solar als Solartechniker gefunden. "Sprachen lernen ist nicht so ganz mein Ding", gibt er offen zu. So ist ihm der C 1-Kurs zu schwierig gewesen. Aber die Kombination mit praktischer Arbeit und technischen Fertigkeiten, die in seiner Lehre gefragt ist, liegt ihm sehr. "Mein Chef ist sehr offen, er hat Mitarbeiter aus neun verschiedenen Nationalitäten, und ich fühle mich sehr wohl", sagt der 28-Jährige, der weiß, wie er mit den Kollegen und Kunden umgehen muss: "Lächeln ist der Schlüssel und Offenheit." Nach seinem von Edeltraud Burau vorfinanzierten Führerschein hat er sich ein Auto gekauft und kann nun problemlos jeden Morgen nach Gütersloh zur Arbeit fahren. Erst 16 Monate ist Osamas Frau Hiba in Deutschland, aber sie spricht schon so gut Deutsch, dass sie alle Alani-Brüder hinter sich lässt. In Syrien hatte sie Jura studiert. "Aber das bringt mir hier gar nichts", sagt die 24-Jährige unbekümmert. Sie hat ein Stipendium bekommen für den C 1-Deutschkursus an einer Sprachschule und will nach erfolgreichem Abschluss Grundschullehramt studieren. Hiba genießt die Freiheiten, die Frauen in Deutschland haben, und ist stolz darauf, dass sie das Radfahren gelernt hat. "Ich bin tausend Mal gefallen und habe mir viele Prellungen und blaue Flecken zugezogen, aber jetzt kann ich es."

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