Luftbild vom Schulzentrum: Oben links ist die Gesamtschule Rosenhöhe, daneben das Berufskolleg Senne (Mitte). Hinter dessen Gebäude wird der Neubau der Oberstufe gebaut, die alte Turnhalle (oben rechts) soll abgerissen und ersetzt werden. - © Jens Reddeker
Luftbild vom Schulzentrum: Oben links ist die Gesamtschule Rosenhöhe, daneben das Berufskolleg Senne (Mitte). Hinter dessen Gebäude wird der Neubau der Oberstufe gebaut, die alte Turnhalle (oben rechts) soll abgerissen und ersetzt werden. | © Jens Reddeker

Bielefeld-Brackwede Stadt zieht an der Rosenhöhe die Reißleine

Planungen für Gesamtschule können nicht wie geplant umgesetzt werden. Containerlösung hätte 8 Millionen Euro gekostet und ist abgesagt

Susanne Lahr

Brackwede. Paukenschlag für die Gesamtschule Rosenhöhe. Umbau, Neubau und Modernisierung können nicht so stattfinden wie geplant. Fast alles muss neu gedacht werden, weil die geplanten Ausweich-Schulcontainer an der Brackweder Straße zu teuer geworden wären. 8 statt 3 Millionen Euro – die Stadt hat die Reißleine gezogen. „Die Ergebnisse der Ausschreibung waren so unglaublich hoch, dass wir einfach neu überlegen mussten", sagt Reinhold Peter, Technischer Leiter des Immobilienservicebetriebes (ISB), auf Nachfrage der NW. Für zwei Jahre sollten die rund 680 Schüler der Sekundarstufe I in die Container einziehen, während der Altbau ab Sommer umfassend renoviert und umgebaut werden sollte. „Wir haben die Ausschreibung jedoch aufgehoben." Gemeinsam mit dem Amt für Schule hat der ISB daher eine grundlegende Planänderung beschlossen. Jetzt soll der Neubau für die Sekundarstufe II, die zurzeit in die Marktschule ausgelagert ist, zuerst gebaut werden. Im besten Fall kann Mitte 2020 mit den etwa zweijährigen Arbeiten begonnen werden. „Das hat in der Gesamtschule nicht gerade Freude ausgelöst", gibt Reinhold Peter zu. Erst wenn die neue Oberstufe fertig ist, kann die Sekundarstufe I dann ihren Bau freimachen und in die Marktschule am Stadtring umziehen. Auch dort sind sehr wahrscheinlich zusätzliche Schulcontainer erforderlich. Die 220 Oberstufenschüler teilen sich die Marktschule nämlich mit der Realschule Brackwede. Und für rund 450 zusätzliche Schüler ist kein Platz. Doch vorrangig sind andere Probleme. Der Architekturwettbewerb für das in Bielefeld bislang einmalige prämierte Projekt einer inklusiven Oberstufe war nach Peters Worten bereits angeschoben. „Den intensivieren wir jetzt und hoffen, bis Ende 2018 einen Planer für das Projekt gefunden zu haben", so der ISB-Leiter. Danach müsse man die Fachingenieure finden, die Ausführungsplanung erstellen und die einzelnen Gewerke ausschreiben. Sanierung wird teilweise vorgezogen Der sanierungsbedürftige 60er-Jahre-Bau soll aber bis 2020 nicht unberührt bleiben. „Wir versuchen, die energetische Sanierung vorzuziehen", schildert Peter. Dach und Fassaden sollen ab Juni 2019 erneuert werden. „Wir suchen jetzt einen Architekten, der Bauantrag soll im September eingereicht werden." Außerdem soll im ersten Stock des Schulgebäudes ein weiteres Cluster für den inklusiven Unterricht in der Sekundarstufe I errichtet werden. Auch ein Teil der Verwaltung soll umgebaut werden. „Die Planungen sind aber noch nicht abgeschlossen", sagt Reinhold Peter. „Wir bemühen uns, Dinge vorwegzunehmen." Der Leiter des ISB versucht auch ein bisschen zu trösten. Die Pläne insgesamt hätten ja weiter Bestand, sie würden nur zeitlich anders gestaffelt. „Und es dauert eben ein bisschen länger." Enttäuschung bei allem Verständnis groß Schulleiterin Claudia Hoppe ist anzumerken, dass der Trost noch nicht so recht wirken will. „Das ist schon eine Riesenenttäuschung, dass der große Wurf nicht kommt." Sie hat Sorge, dass das bisherige große Engagement im Planungsprozess von allen Seiten jetzt verpuffen könnte. Aber natürlich sei es nachvollziehbar, „dass nicht eine solch’ horrende Summe in Container gesteckt werden kann". Man bemühe sich, nach vorn zu blicken und ebenfalls neu zu planen. „Denn wenn wir die jetzigen Zehner entlassen, sind wir ab 2019 in der Sekundarstufe I komplett inklusiv." Das brauche Raum, neue Möbel, „und da müssen wir sehen, was wir im Bestand hinkriegen", sagt Claudia Hoppe. Ein weiteres Cluster und planerische Hilfe durch einen Innenarchitekten seien zugesagt. Das könne zu einer positiven Stimmung beitragen, wenn denn der Schock erst einmal verdaut sei. Bundesfördermittel werden anderweitig verbraucht Jonglieren muss die Stadt nicht nur mit den Plänen, sondern auch mit dem Geld. Denn die Modernisierung des Altbaus sollte aus Bundesmitteln (Kommunalinvestitionsförderungsmittel) mitfinanziert werden. 4 Millionen Euro standen bereit, doch nun lassen sich Fristen nicht einhalten. Der ISB wird daher laut Reinhold Peter 1,2 Millionen Euro in die Fassadensanierung stecken, die restlichen 2,8 Millionen Euro kommen anderen Projekten in der Stadt zugute. „Sie gehen uns nicht verloren." Der Neubau der Oberstufe ist mit ungefähr 15 Millionen Euro veranschlagt. Dazu kommt noch der geplante Neubau einer neuen Zweifachturnhalle. Reinhold Peter ist vorsichtig, wenn es darum geht, wie realistisch die neuerstellten Planungen sind. „Wenn der Zeitplan passen soll, müsste alles wirklich ideal laufen." Das Ganze habe drei Schwachstellen: „Unsere eigenen Leute wissen kaum, wie sie mit der Arbeit hinterherkommen sollen. Die externen Planungsbüros sind voll bis unters Dach, und die Handwerker sind noch voller." Alles in allem eine schwierige Lage, so der ISB-Leiter.

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