Wachstumsstörungen behoben: Der Quelle-See darf jetzt doch zu fast voller Größe wachsen, obwohl eigentlich planungsrechtliche Hürden dies verhindert hätten. Da das Umweltamt zu große Gefahren für das Grundwasser im Bielefelder Süden sieht, wird die Bezirksregierung die im Regionalplan festgelegte Zweckbindung aufheben. In wenigen Wochen soll es weitergehen. Fotos: Susanne Lahr - © Susanne Lahr
Wachstumsstörungen behoben: Der Quelle-See darf jetzt doch zu fast voller Größe wachsen, obwohl eigentlich planungsrechtliche Hürden dies verhindert hätten. Da das Umweltamt zu große Gefahren für das Grundwasser im Bielefelder Süden sieht, wird die Bezirksregierung die im Regionalplan festgelegte Zweckbindung aufheben. In wenigen Wochen soll es weitergehen. Fotos: Susanne Lahr | © Susanne Lahr

Quelle Der neue Bielefelder Badesee kann fertiggestellt werden

Erfolgreiche Verhandlungen: Umweltamt überzeugt Bezirksregierung, dass das Gewässer in der jetzigen Größe als "Seeruine" künftig das Grundwasser verschmutzen würde

Susanne Lahr
19.05.2018 | Stand 19.05.2018, 14:13 Uhr

Quelle. Der Quelle-See wird den Gästen des Campingparks Meyer zu Bentrup voraussichtlich 2020 in voller Schönheit zur Verfügung stehen. Das Umweltamt hat die Wachstumsstörungen des Gewässers, das im Zuge des Autobahnbaues entstehen sollte, beseitigen können. Der Grundwasserschutz spielt eine entscheidende Rolle dabei, dass nun in wenigen Wochen wieder mit dem Sandabbau begonnen wird. Die Firma Bunte (Papenburg) hat die Genehmigung, unterhalb der Osnabrücker Straße etwa 900.000 Kubikmeter Sand ausschließlich für den Bau der A 33 abzubauen. Doch nach knapp der Hälfte war der Bedarf an Sand auf der Trasse auf den Abschnitten 6.1 (Queller Straße bis Schnatweg) und 6.2 (Gütersloher Straße bis Queller Straße) gedeckt. Auch auf dem Abschnitt 7 zwischen Halle und Borgholzhausen, der den Lückenschluss der A 33 bringt, konnte Bunte - dann als Subunternehmer - nicht mehr groß zum Zuge kommen. Also kam der Sandabbau in Quelle im vergangenen Sommer ins Stocken. Der Quelle-See, der sich aus Grundwasser speist, hat bisher eine Tiefe von bis zu 4,50 Meter. Der Seegrund ist jedoch nicht einheitlich, es gibt sehr viele Flachwasserzonen. Insgesamt zu wenig, um den See lebensfähig zu machen. "Das Gewässer würde in kürzester Zeit eutrophieren", erklärt Adam Marek, Diplom-Geologe beim Bielefelder Umweltamt auf Nachfrage der NW. Das meint, dass der See durch einsetzende Fäulnisprozesse letztlich an Sauerstoffmangel leidet und biologisch tot wäre. Das will das Bielefelder Umweltamt auf alle Fälle verhindern. "Die Gefahr ist zu groß, dass das schlechte Seewasser ins Grundwasser einsickert", erklärt der Geologe. "Das dürfen wir nicht zulassen, es könnte die öffentliche Sicherheit gefährden." Daher habe man die Bezirksregierung Detmold überzeugen können, dass die Zweckbindung der Sandabgrabung auf dem Hof Meyer zu Bentrup aufgehoben wird und weiter ausgesandet werden darf. Anderenfalls hätte nämlich etwa fünf bis sieben Jahre gewartet werden müssen, bis der aktuelle Regionalplan, in dem die knapp 13 Hektar große Abgrabungsfläche festgeschrieben ist, durch einen neuen Plan mit neuen Zielsetzungen ersetzt ist. Eindeutig zu lange, so Marek. Daher soll der Quelle-See nun fast so gebaut werden, wie es der Planfeststellungsbeschluss vorsieht. Dafür sollen noch rund 200.000 Kubikmeter Sand im Nassverfahren abgebaut werden. Die Wassertiefe wird zwischen 6,40 Meter und 7 Meter liegen. Allerdings werde die Wasserfläche mit etwa 5 Hektar etwa 10 Prozent kleiner als vorgesehen, sagt Adam Marek. "Die Firma Bunte will in vier bis fünf Wochen wieder mit dem Ausspülen beginnen", sagt der Mitarbeiter des Umweltamtes. Der Sand wird zunächst getrocknet und dann abgefahren. "Eine Zwischenlagerung auf dem Gelände ist nicht möglich. Die Sandhaufen würden 25 Meter hoch", sagt Adam Marek und lacht. Abgefahren wird wieder über die provisorische Zufahrt auf die L 756. Allerdings werde die Verkehrsbelastung nicht mit der ersten Abbauphase vergleichbar sein. "Da hatten wir in Spitzenzeiten 40 Lkw die Stunde", erinnert sich Marek. "Solche Karawanen wird es nicht mehr geben." Daher werde jetzt mit dem Landesbetrieb Straßen NRW geklärt, ob überhaupt wieder eine Baustellenampel aufgebaut werden müsse. Marek glaubt nicht, da seit der Inbetriebnahme des A 33-Abschnitts bis zum Schnatweg in Halle sich der Verkehr in Quelle doch deutlich reduziert habe. Der Geologe freut sich, dass es weitergeht. "Ich bin sicher, der See wird ein richtiges Schmuckstück." Nach dem Obersee ist er dann Bielefelds zweitgrößtes Gewässer.

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