Anne Kochanek (l.), bei Diakonieverband für Altenberatung und Servicewohnen zuständig, sowie Hotelmanagerin Laura Christe. Sie sitzen mitten im zentralen Empfangsbereich, wo sich derzeit Kartons und Möbel stapeln. - © Susanne Lahr
Anne Kochanek (l.), bei Diakonieverband für Altenberatung und Servicewohnen zuständig, sowie Hotelmanagerin Laura Christe. Sie sitzen mitten im zentralen Empfangsbereich, wo sich derzeit Kartons und Möbel stapeln. | © Susanne Lahr

Bielefeld-Brackwede Bielefelds erstes Pflegehotel öffnet im September

Hotel Canstein des Diakonieverbandes Brackwede im Zentrum Brackwedes steht allen offen, verbindet jedoch die Vorzüge eines Hotels mit den Möglichkeiten der Pflege für betreuungsbedürftige Menschen

Brackwede. Von außen sieht Bielefelds neuestes Hotel noch nicht wirklich repräsentabel aus. Innen lässt sich schon eher glauben, dass die zwölf Zimmer des Hotels Canstein ab September gebucht werden können. Managerin Laura Christe ist im Moment Mädchen für alles. Das Haus Canstein ist übrigens ein ganz Besonderes: Bielefelds erstes Pflegehotel. Gedacht für Menschen, die für eine gewisse Zeit Pflegebedarf haben, aber nicht in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung oder ein Altenheim möchten. Gedacht für Pflegebedürftige und Angehörige, die gemeinsam Urlaub machen wollen. Gedacht für Überbrückungszeiten, wenn daheim das Bad barrierefrei umgebaut wird oder die Reha nach dem Krankenhausaufenthalt noch ein paar Tage auf sich warten lässt. Und letztlich gedacht für alle, die einfach ein nettes Hotelzimmer in Bielefeld suchen. Das Hotel nimmt das komplette Erdgeschoss des Neubaus an der Cansteinstraße 2 in Beschlag. Im ersten und zweiten Obergeschoss entstehen zwölf barrierefreie Wohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmetern. (Zwei davon sind übrigens noch zu haben, Tel. 05?21/94?23?91?29.) Partner bei diesem Projekt sind der Diakonieverband Brackwede und die Firma Heepen Immobilien. Wie schon gut zehn Jahre zuvor bei den Seniorenwohnungen auf dem Nachbargrundstück tritt Grundstückseigentümer Robert Hebrok als Investor auf, Mieter ist der Diakonieverband. Ein Projekt, das der kürzlich verstorbene Geschäftsführer des Diakonieverbandes, Bernd Onckels, angestoßen hatte. Bei der Diakonie Service GmbH „Es ist uns allen wichtig, dass wir mit viel Energie seine Ideen umsetzen", sagt Anne Kochanek, die den Bereich Altenberatung/Servicewohnen verantwortet. „Und wir kriegen das hin." Mit dem Pflegehotel werde der „Diakonie-Blumenstrauß um eine üppige Blume erweitert, die es so noch nicht gibt". Angedockt ist das Hotel an die Diakonie Service GmbH, in der die Bereiche Küche, Wäscherei, Reinigung, hauswirtschaftliche und haustechnische Dienste angesiedelt sind. Das Attribut der Einmaligkeit dürfte weit über Bielefeld hinaus zutreffen. „Bei meinen Recherchen bin ich bundesweit auf kein Angebot gestoßen, das unserem Pflegehotel entspricht", sagt Laura Christe (34). Sowohl sie als auch Anne Kochanek sind gespannt darauf, wie das Konzept im Alltag aufgeht. „Wir wissen ja nie, welche Gäste welche Wünsche und Bedürfnisse haben", sagt Anne Kochanek. Der riesige Vorteil sei, dass der Diakonieverband neben dem normalen Hotelservice „als Sahnehäubchen" flexibel sämtliche pflegerischen Angebote unterbreiten könne – inklusive umfänglicher Beratung. Selbst spezielle Anforderungen ans Essen bei Lebensmittelunverträglichkeiten seien kein Problem, da die Mittagsmenüs aus der Küche des nahe gelegenen Johann-Heermann-Hauses geliefert werden, die darauf eingerichtet sei. 89 Euro mit Vollpension Ein Zimmer im Cansteinhotel kostet 89 Euro, inklusive Vollpension. Hinzugebucht werden können Pflege, Teilnahme an geselligen Angeboten des Diakonieverbandes, Wäscheservice, Tiefgaragenstellplatz, Pauschale für alkoholfreie Getränke, Kaffee und Kuchen am Nachmittag. „Und das alles findet sich auch bei Booking.com", sagt Laura Christe und lacht. Über das Hotelbuchungsportal könne je nach Bedarf auch gesteuert werden, wie viele Zimmer auf dem Markt angeboten werden. Vorrangiges Ziel sei es jedoch zunächst einmal, das Hotel Canstein bekannt zu machen und die zwölf Zimmer generell zu vermieten. Sechs der zwölf Zimmer haben ein integriertes Bad, bei den übrigen liegt es auf der gegenüberliegenden Flurseite. Zwei Zimmer können auch als abgetrenntes Appartement vermietet werden. Sieben Zimmer werden Pflegebetten haben. Anne Kochanek erklärt diesen Zuschnitt so, dass – für den Fall, dass das Pflegehotel nicht laufen sollte – alles auch in eine Wohngruppe für Senioren umgewandelt werden könnte. Echte Inklusion wäre toll Doch daran denkt im Moment niemand. Im zentralen Eingangsbereich des Hotel Canstein türmen sich die Kartons, sind Möbel und Sessel gestapelt. Dort befindet sich die Rezeption, die amerikanische Küche, der Essens- und Lounge-Bereich. An den Flurwänden lehnen Matratzen. Auf den Küchenschränken stapeln sich die Teller. Bis zur Eröffnung in wenigen Wochen ist noch viel zu tun. Auch in den gänzlich barrierefreien Zimmern und Bädern fehlen noch diverse Details. Laura Christe hat noch viel zu tun. Zu Beginn wird die 34-Jährige, die Tourismus-Management studiert und zuvor in der Berliner und Bielefelder Hotelerie gearbeitet hat, von zwei weiteren Hotelangestellten unterstützt. „Das Spannendste, das wir uns denken können", sagt Anne Kochanek, „ist, wenn wir die Menschen hier im Mix zusammenbringen könnten." Normale Hotelgäste, Senioren, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, deren Angehörige. Echte Inklusion eben.

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