Die Aufnahme zeigt das Gelände Meyer zu Bentrup mit seinen Gewächshäusern von der Aussichtsplattform der Hünenburg Anfang Juni. Um die endgültige Größe zu erreichen, müssen noch rund 150.000 Kubikmeter ausgesandet werden. - © Susanne Lahr
Die Aufnahme zeigt das Gelände Meyer zu Bentrup mit seinen Gewächshäusern von der Aussichtsplattform der Hünenburg Anfang Juni. Um die endgültige Größe zu erreichen, müssen noch rund 150.000 Kubikmeter ausgesandet werden. | © Susanne Lahr

Bielefeld Quelle-See mit Wachstumsstörungen

Sandabbau stockt: Weniger als die Hälfte der genehmigten Abbaumenge bisher ausgesandet, weil Bedarf an A?33 vorerst gedeckt ist. Bielefelder Umweltamt geht dennoch davon aus, dass das private Gewässer seine geplante Größe erreicht

Susanne Lahr
27.07.2017 | Stand 26.07.2017, 18:50 Uhr

Quelle. Während früher fast im Viertelstunden-Takt die Lastwagen den Sand aus Quelle zur A-33-Baustelle gefahren haben, ist es seit einiger Zeit sehr ruhig auf der Abgrabungsstätte auf dem Hof Meyer zu Bentrup. Das Bauunternehmen Bunte aus Papenburg, das den Zuschlag zum Bau des 5,2 Kilometer langen Abschnittes 6.1 (Queller Straße bis Steinhagen) bekommen hat, braucht dort nur noch wenige Mengen Sand. Bedeutet das nun, dass der Quelle-See kleiner wird als geplant, gar in Gefahr ist? Wohl nicht, sagt Diplom-Geologe Adam Marek vom Umweltamt Bielefeld, das die Sandabgrabungen begleitet. Er geht davon aus, dass der Quelle-See die geplante Größe von 5,6 Hektar Wasserfläche und einer Tiefe von 6,50 bis 7 Meter erreichen wird. Auch wenn in Quelle insgesamt sehr wahrscheinlich weniger Sand unterhalb der B?68 abgebaut wird als geplant. Abbau zweckgebunden Die Firma Bunte hat eine Abbaugenehmigung von etwa 900.000 Kubikmeter, die zweckgebunden ist für den Bau der A 33. Davon sind bislang rund 410.000 Kubikmeter abgebaut worden – und zwar im Bereich des künftigen Sees, der ausschließlich von Gästen des Campingparks Meyer zu Bentrup genutzt werden kann.Um die geplante Größe zu erreichen, müssen noch weitere 150.000 Kubikmeter Sand abgebaut werden. Eine Größenordnung, die auf dem A-33-Abschnitt 6.1 (Queller Straße bis Schnatweg) und 6.2 (Gütersloher Straße bis Queller Straße) aber nicht mehr benötigt wird. „Nach den Sommerferien werden wir uns noch einmal mit der Firma Bunte zusammensetzen, darüber wie es in Quelle weitergeht", sagt Marek. Auch wenn die großen Massen nicht mehr gebraucht würden, gebe es auf durchaus noch Sandbedarf, beispielsweise im Bereich der Mittelleitplanken. Außerdem könne Bunte theoretisch auch als Subunternehmer für den Abschnitt 7 (Halle – Borgholzhausen) Sand liefern. Umgehung Ummeln keine Alternative Keine Chance besteht hingegen, die verbleibenden Kubikmeter für den Bau der Ortsumgehung Ummeln (B 61n) zu verwenden. Die Zweckbindung für die A 33 widerspricht dem, obwohl Ummeln mit einem Bedarf von etwa 400.000 Kubikmetern die richtige Größe hätte.„Dafür müsste der Regionalplan geändert werden", erklärt Adam Marek die bürokratischen Hürden. Da die in Quelle in Anspruch genommene Fläche größer als 10 Hektar ist (nämlich 12,5 bis 13 Hektar) wurden Abbau und Zweckbindung auf Regionalplan-Ebene festgelegt. Und eine Änderung bei der Bezirksregierung zu erreichen sei schwierig und langwierig. Daher geht das Umweltamt davon aus, dass die Fläche zwischen See und Osnabrücker Straße auf dem Gelände Meyer zu Bentrup nicht mehr angetastet wird. Dort, wo einst Weihnachtsbäume, Erdbeeren, Heidelbeeren gewachsen sind, war der Trockenabbau geplant. Anschließend sollte die Fläche wieder bewirtschaften werden. Der zum Teil abgeschobene Oberboden ist in Randbereichen zwischengelagert. Grundstückseigentümer Claus Meyer zu Bentrup, dessen Familie bereits jetzt für ihren Campingplatz mit Badegewässer wirbt, gibt sich angesichts der derzeitigen Unwägbarkeiten bei Nachfrage der NW unaufgeregt. Einfach abwarten, ist seine Devise. Beste wasserqualität Der Quelle-See speist sich aus Grundwasser, bereits jetzt ist die Grube mit Wasser gefüllt. „Die aktuelle Messung hat eine Tiefe von bis zu 4,50 Meter ergeben", schildert Adam Marek. Allerdings sei der Seegrund noch nicht einheitlich, weil die Saugbagger nicht so gleichmäßig ausbaggern könnten. Fertig sei der Flachwasserbereich gegenüber vom Campingplatz. Zur Mitte der Abgrabung werde der See dann immer tiefer, sagt Marek.„Dabei geht es auch um eine vernünftige Wasserzirkulation", erklärt der Geologe. Wärmere und kältere Wasserschichten sowie Wind sorgen für Bewegung im Wasser. Dadurch werde mehr Sauerstoff eingebracht, der beispielsweise ungesundes Algenwachstum verhindere. Vor kurzem ist die Wasserqualität getestet worden. „Sie ist sehr, sehr gut", sagt Adam Marek, „aber das Gewässer ist ja noch ganz neu." Erste Fische entdeckt Sogar erste Fische hat Biologe Hartmut Späh dort entdeckt. Der Sachverständige für Fischerei und Gewässerökologie hat im Auftrag der Firma Bunte den Quelle-See unter die Lupe genommen. Vor allem ging es um die Frage, bis zu welcher Tiefe das Gewässer aus fachlicher Sicht denn gehen müsse. „Die geplanten 6,5 bis 7 Meter sollten es schon sein", sagt Späh – auch im Hinblick auf den niedrigen Grundwasserspiegel.Obwohl der See eingezäunt ist, sind die bis zu 20 Zentimeter großen Fische, deren Konturen im Echolot zu erkennen waren, wohl eingesetzt worden, sagt Hartmut Späh. Aber auch offiziell müsse es Fische in einem solchen Gewässer geben. Denn auch Fried- und Raubfische sorgten in einem gesunden Verhältnis für die Wasserqualität.

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