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Christine Wirth und Ulrich Reisberg präsentieren die Mitfahrscheibe, die Quellern zusätzliche Mobilität verschaffen soll. - © Susanne Lahr
Christine Wirth und Ulrich Reisberg präsentieren die Mitfahrscheibe, die Quellern zusätzliche Mobilität verschaffen soll. | © Susanne Lahr

Bielefeld-Quelle Grüne Mitfahrscheibe statt Anhalter-Daumen

Gruppe „Quelle im Wandel“ möchte mit spontanen Fahrgemeinschaften die Lücken im Nahverkehr übergangsweise schließen. MoBiel soll Fahrpläne nachbessern

Susanne Lahr
23.06.2017 | Stand 22.06.2017, 15:58 Uhr

Quelle. Es klafft eine Lücke im Ortsteil Quelle. Und zwar eine Mobilitätslücke. Abends zwischen 20.41 und 21.45 Uhr kommen die Bürger nicht mit einem Bus in die Innenstadt oder retour. Sonn- und feiertags fährt der erste Bus Richtung Jahnplatz erst um 12.45 Uhr. Die Gruppe „Quelle im Wandel“, die zur Transition-Town-Bewegung gehört, hält die Situation im öffentlichen Nahverkehr für „unzureichend“ und möchte einen Sinneswandel bei MoBiel erreichen. Zu Überbrückung hat sie sich ein besonderes Projekt ausgedacht: die Mitfahrscheibe.

Die MoBiel-Linie 22 ist die Schnellbusverbindung für die Queller in die Innenstadt, die sowohl Haltestellen an der Carl-Severing-Straße als auch an der Marienfelder Straße bedient. Die Buslinie 88 fährt – von Steinhagen kommend – nur die Carl-Severing-Straße lang und nicht über den Ostwestfalendamm ins Zentrum, sondern über die Artur-Ladebeck-Straße. „Im Vergleich zu anderen Stadtteilen fühlen wir uns damit relativ schlecht angebunden“, sagt Ulrich Reisberg von „Quelle im Wandel.“ Das Anruf-Sammel-Taxi (AST-Verkehr) ist für die Gruppe keine Alternative, da als Startpunkt nur gewisse Haltestellen vorgesehen sind und pro Kopf 2 Euro zusätzlich zum Busticket bezahlt werden müssen.

Bislang habe MoBiel Anfragen zur Ausweitung des Fahrplans stets abgewiesen. „Wir glauben aber, dass die Verkehrsbetriebe die bauliche Entwicklung von Quelle dabei nicht ganz im Auge haben“, meint Reisberg. Zurzeit laufe das Baugebiet „Quelle-Alleestraße III“ voll, weitere Gebiete sind bereits in Arbeit. „Quelle ist gewachsen und immer mehr kommt dazu“, sagt Ulrich Reisberg. „Es ist an der Zeit, dass MoBiel langsam etwas in punkto ÖPNV macht.“ Transition Town werde daher gemeinsam mit Pro Nahverkehr einen neuen Vorstoß unternehmen.

Derweil soll eine grüne Scheibe den Quellern in den Lückenzeiten im Nahverkehr helfen. „Die Idee haben wir in Schwäbisch Gmünd abgekupfert“, sagt Christine Wirth offen und lacht. Die Queller sollen sozusagen per Anhalter fahren. „Viele Autos sind noch nur mit ein oder zwei Personen besetzt“, erklärt Reisberg. Da mache es doch Sinn, zwecks besserer Auslastung noch Mitfahrer mitzunehmen. Ganz nach dem Motto „Nicht einsam, sondern gemeinsam“.

Es funktioniert so: Der Fahrer oder die Fahrerin, die bereits ist Queller in Richtung Innenstadt mitzunehmen, platziert die grüne Mitfahrscheibe deutlich sichtbar an der Windschutzscheibe. Jemand, der gerne zu den busfreien Zeiten mitgenommen werden möchte, platziert sich an der Bushaltestelle. Die farbigen Scheibe in seiner Hand signalisiert: „Ich möchte mitgenommen werden.“ Aus Sicht von „Quelle im Wandel“ eigenen sich alle Haltestellen stadteinwärts, für die umgekehrte Richtung die Haltestelle „Kunsthalle“.

„Ich kann mir vorstellen, dass sich die Queller dafür sensibilisieren lassen“, meint Ulrich Reisberg. Zumal es nicht nur ökonomisch und ökologisch sinnvoll sei, sondern auch Gemeinschaft und Nachbarschaft stärken könne – ganz im Sinne von Transition Town.

Wirth und Reisberg betonten, dass die Hilfe zur Selbsthilfe MoBiel keine Konkurrenz machen soll. „Sie soll ein zusätzlicher Anstoß sein, dass die Verkehrsbetriebe die Lücke im Nahverkehr füllen.“

Information

Verteilaktion

„Quelle im Wandel" verteilt die Mitfahrscheibe am Samstag, 24. Juni.

In der Zeit von 11 bis 14 Uhr stehen Mitglieder der Gruppe auf dem Parkplatz vor der Apotheke im Queller Zentrum und erläutern, wie die Mitfahrscheibe funktioniert.

Sie soll Lücken im Busfahrplan schließen helfen.

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