Geflüchtete und Einheimische sollen in Brackwede sechs Wochen lang täglich abends gemeinsam im mobilen Küchencontainer Gerichte zubereiten, sich ihre Geschichten erzählen und auf diese Weise ein Stückchen zusammenrücken. - © kitchen on the run
Geflüchtete und Einheimische sollen in Brackwede sechs Wochen lang täglich abends gemeinsam im mobilen Küchencontainer Gerichte zubereiten, sich ihre Geschichten erzählen und auf diese Weise ein Stückchen zusammenrücken. | © kitchen on the run

Bielefeld-Brackwede Kochen im Überseecontainer

„Kitchen on the run“: Beim Integrationsprojekt sollen sich Geflüchtete und Bielefelder sechs Wochen lang bei gemeinsamen Kochenveranstaltungen näher kommen. Bundesweit nur vier Stationen

Susanne Lahr

Brackwede. In der Küche spielen sich die besten Partys ab. Wenn’s schön eng und muggelig ist, kommen sich auch Fremde schnell näher. Und wenn dann zuvor auch noch gemeinsam gekocht wird, ist das Eis meist schnell gebrochen. Genau diese Effekte macht sich das Projekt „Kitchen on the run" (Küche auf der Flucht) zunutze. Weil Flüchtlinge in ihren Übergangsheimen nicht Gastgeber sein können, bekommen sie Gelegenheit, in einer mobilen Küche für und mit Einheimischen zu kochen. Brackweder kommen vom 16. August bis 26. September in diesen Genuss. Auf dem Kirchplatz neben der Bartholomäuskirche wird ein großer Überseecontainer aufgebaut. Architekturstudierende der TU Berlin haben daraus eine mobile Küche mitsamt Sitzplätzen geschaffen. Seit gut zwei Jahren nutzt der Berliner Verein „Über den Tellerrand" die „Küche auf der Flucht" als Türöffner zwischen Kulturen. Küchentisch als Fenster zu jeweils anderen Kulturen Die Idee: Geflüchtete und Einheimische lernen sich beim gemeinsamen Kochen und am Küchentisch näher kennen, tauschen Geschichten und Rezepte aus, im besten Fall entstehen Freundschaften. „Vertraute Gerüche werden zu Botschaftern von Emotionen, Familienrezepte öffnen die Fenster zu einer anderen Kultur, die plötzlich weniger fremd erscheint", sagt Ina Peppersack von „Über den Tellerrand". Integration auf Augenhöhe, selbst wenn die gemeinsame Sprache noch fehle.Im Premierenjahr war der Küchencontainer – übrigens preisgekrönt beim Ideenwettbewerb Advocate Europe – fünf Monate auf Europareise. Für jeweils vier Wochen wurde in Bari (Italien), Marseille (Frankreich), Deventer (Niederlande), Göteborg (Schweden) und Duisburg täglich gekocht. Etwa 2.500 Menschen jeglichen Alters aus mehr als 70 verschiedenen Nationen sind sich bei 80 Kochveranstaltungen begegnet. Erkennbares ehrenamtliches Engagement ausschlaggebend Nun ist „Kitchen on the run" auf Deutschlandreise. „Next Stop: Heimat" lautet das Motto. Vier Stationen gibt es – Frankfurt am Main, Lörrach, Wismar und, als letztes, Brackwede. Dass dies geklappt hat, ist vor allem dem Engagement von Martina Schüler zu verdanken. Die Stadtteilkoordinatorin, die beim Diakonieverband Brackwede angesiedelt ist, hat die Bewerbung auf den Weg gebracht und den Tag organisiert, bei dem sich das Team von „Über den Tellerrand" in Brackwede umgeschaut hat. Das dabei erkennbare große ehrenamtliche Engagement im Stadtbezirks Brackwede hat nach Schülers Ansicht wohl den Ausschlag gegeben.Noch Sponsoren gesucht Sechs Wochen lang steht der Container auf dem Kirchplatz. Dort wird es abends Kochveranstaltungen und interkulturelle Picknicks geben. Die Organisation geschieht in Kooperation mit dem Diakonieverband, der Kirchengemeinde und dem Bezirksamt. Sie sorgen auch für die Unterbringung der Team-Mitglieder und die örtliche Logistik. Martina Schüler arbeitet nun noch an einem Rahmenprogramm und sucht Sponsoren für das Integrationsprojekt.

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