Handys am Steuer sind tabu, sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Er hing mit Kollegen das Banner am Lohmannsweg auf (hinten). - © Andreas Zobe
Handys am Steuer sind tabu, sagt Polizeisprecher Michael Kötter. Er hing mit Kollegen das Banner am Lohmannsweg auf (hinten). | © Andreas Zobe

Bielefeld Immer mehr Unfälle: Polizei warnt mit Autobahn-Banner vor Handy am Steuer

An Senner Fußgängerbrücke über die Autobahn 33 prangt der Schriftzug "Handy klingelt? Nicht jetzt!" Es ist der Start einer groß angelegten Kampagne

Dennis Rother

Bielefeld. „Handy klingelt? Nicht jetzt!" Das steht jetzt schwarz auf hellgrün auf einem Banner, mit dem die Polizei von nun an Autofahrer auf das Unfallrisiko durch Handynutzung am Steuer aufmerksam machen will. Das Banner ist insgesamt sieben Meter breit und prangt am Geländer der Fußgängerbrücke am Lohmannsweg in der Senne. Die Brücke führt über die Autobahn 33. Beamte hingen das Banner in Fahrtrichtung Paderborn am Donnerstag anlässlich der landesweiten Kampagne „Finger weg vom Handy" auf. Es ist eines von insgesamt sieben, die im Autobahnzuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Bielefeld angebracht wurden. Eine Überführung am Senner Hellweg war ursprünglich auch angedacht, allerdings gab es für das Banner dort kein geeignetes Geländer, hieß es. Laut dem Bielefelder Polizeirat und Co-Direktionsleiter Christian Lübke ist es das erste Mal überhaupt, dass ein derartiges Banner im Stadtgebiet hängt. Der Startzeitpunkt der vom Deutschen Sicherheitsrat unterstützten Aktion sei bewusst gewählt: „Die Osterferien und damit der Reiseverkehr stehen vor der Tür". Die Polizei-Kampagne sei notwendig. An einem einzigen Verkehrskontrolltag auf Ostwestfalens Autobahnen hätten Beamte jüngst rund 300 Handyverstöße festgestellt, so Christian Lübke. „Wer bei 100 Kilometern pro Stunde aufs Smartphone schaut, der durchfährt blind mehr als die Länge eines Fußballfeldes", mahnt er. Das bedeutet also, dass man rund 100 Meter keine Chance zum Reagieren hat, beispielsweise auf abrupte Bremsmanöver des Vordermanns. Nur Telefonieren 
per Freisprechanlage 
ist erlaubt„Wir versprechen uns von den Bannern, dass die Verkehrsteilnehmer sensibilisiert werden", sagt Christian Lübke. Immer mehr Verkehrsunfälle seien jüngst auf „Ablenkung der Fahrzeugführer" zurückzuführen gewesen. Das sei zwar nicht immer eindeutig herzuleiten. Wenn aber begründeter Verdacht bestehe, dass Autofahrer vor einer Kollision das Handy in der Hand hatten, „dann können wir mit Hilfe der Staatsanwaltschaft mobile Daten des Handys auslesen". Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, der bekommt einen Punkt in der nationalen Verkehrssünder-Kartei in Flensburg und muss ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro zahlen. Unter dem Begriff Handynutzung versteht der Gesetzgeber, dass man während der Fahrt das Mobiltelefon am Lenkrad in die Hand nimmt. Zum Telefonieren, SMS schreiben oder um Navigations-Apps zu checken, aber auch, um einfach nur die Uhrzeit abzulesen. Erlaubt ist lediglich die Nutzung von Freisprechanlage. Das Banner am Lohmannsweg im Bielefelder Süden wird vorläufig bis Ende des Jahres hängen bleiben, hieß es von der Polizei. Womöglich auch länger, so Polizeirat Christian Lübke.

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